Thunderspy: Forscher entdeckt nicht patchbare Lücke in Thunderbolt

Ein Angreifer kann in wenigen Minuten die vollständige Kontrolle über einen Computer übernehmen. Er benötigt jedoch einen physischen Zugang zu dem Gerät. Thunderspy ändert die Firmware des Thunderbolt-Anschlusses und deaktiviert dessen Sicherheitseinstellungen.

Der niederländische Sicherheitsforscher Björn Ruytenberg hat Details zu einer Sicherheitslücke in Thunderbolt veröffentlicht. Sein Thunderspy genannter Angriff erlaubt es, den Anmeldebildschirm eines Computers – und falls vorhanden auch die Laufwerksverschlüsselung – zu umgehen und auf alle gespeicherten Daten zuzugreifen. Für Hersteller von Computern mit Thunderbolt-Anschlüssen soll sich zudem das Problem ergeben, dass die Schwachstelle nicht gepatcht werden kann.

Thunderspy (Bild: Björn Ruytenberg)Ruytenberg zufolge, der an der Eindhoven University of Technology arbeitet, gibt es jedoch eine wichtige Einschränkung für seinen Angriff: Er setzt einen physischen Zugriff auf einen Computer voraus, wie Wired berichtet. Allerdings benötigt demnach ein Hacker für einen Angriff nur wenige Minuten. Auch soll es nicht möglich sein, den unerlaubten Zugriff nachzuvollziehen. Damit erfülle Thunderspy die Kriterien des Evil Maid genannten Szenarios, wonach beispielsweise ein nur wenige Minuten in einem Hotelzimmer unbeaufsichtigt zurückgelassenes Notebook als vollständig kompromittiert angesehen werden müsse, heißt es weiter in dem Bericht.

„Alles, was das böse Zimmermädchen tun muss, ist die Rückplatte abzuschrauben, kurzzeitig ein Gerät anzubringen, die Firmware umzuprogrammieren, die Rückplatte wieder anzubringen, und sie erhält vollen Zugriff auf den Laptop“, sagte Ruytenberg. „All dies kann in weniger als fünf Minuten erledigt werden.“ Details zu Thunderspy will der Forscher auf der Sicherheitskonferenz Black Hat vorstellen, die Anfang August in Las Vegas stattfinden soll.

Bereits im Februar 2019 war eine Sicherheitslücke in Thunderbolt bekannt geworden, die Windows, macOS und Linux betrifft. Die Thunderclap-Anfälligkeit lässt sich allerdings deaktivieren, indem Thunderbolt über das Betriebssystem abgeschaltet wird, was einen Thunderbolt-Port zu einem normalen USB- oder Display-Anschluss zurückstuft.

Bei Thunderspy soll diese Behelfslösung jedoch keine Abhilfe schaffen, da die Firmware des Anschlusses geändert wird, was wiederum im Betriebssystem nicht erkannt werden kann. Intel habe eigentlich eine Festung rund um Thunderbolt erreichtet, kommentiert Tanja Lange, Professorin an der Eindhoven University of Technology, die Ruytenbergs Forschung begleitete. „Björn hat alle Barrieren überwunden.“

Allerdings führte Intel dem Bericht zufolge als Reaktion auf Thunderclap eine neue Sicherheitstechnik für Thunderbolt ein namens Kernel Direct Memory Access Protection. Sie soll Thunderspy-Angriffe verhindern. Allerdings sei die Technik nicht für Computer und Peripheriegeräte verfügbar, die vor 2019 eingeführt worden seien. Außerdem sei Kernel DMA Protection kein Standard für Thunderbolt – so verzichte beispielsweise Dell auch bei aktuellen Computern auf die Sicherheitstechnik. Sie sei aber in neueren Computern von HP und Lenovo integriert. Außerdem seien Computer mit macOS nicht betroffen.

Seinen Angriff zeigt der Forscher auch in einem Video. Die dabei benutzte Hardware soll für rund 400 Dollar erhältlich sein. Ruytenberg vermutet, dass Behörden und Geheimdienste die Hardware „verkleinern“ können, wodurch sich die Kosten wahrscheinlich auf rund 10.000 Dollar erhöhten.

Ruytenberg geht zudem davon aus, dass ein Software-Patch die Lücke nicht schließen wird. Eigentlich sei ein neues Chip-Design erforderlich. Auch Änderungen an den Sicherheitseinstellungen von Thunderbolt seien ungeeignet, weil bei dem Angriff alle Sicherheitseinstellungen deaktiviert würden. Um einen Angriff abzuwehren müsse Thunderbolt im BIOS abgeschaltet, die Laufwerksverschlüsselung aktiviert und ein unbeaufsichtigtes Gerät vollständig ausgeschaltet werden.

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