Großbritannien beteiligt Huawei am 5G-Netzaufbau – mit Einschränkungen

Ausrüstung von Huawei ist nur für den Ausbau außerhalb des Kernnetzes erlaubt. Großbritannien schließt Huawei außerdem von militärischen Einrichtungen und kritischen Infrastrukturen aus. Huawei bewertet die Entscheidung der Briten als positiv.

Huawei hat von der britischen Regierung grünes Licht für eine Beteilung am Aufbau von 5G-Mobilfunknetzen in Großbritannien erhalten. Allerdings gelten einige Auflagen: Unter anderem darf Huawei nur Komponenten liefern, die nicht zum Kernnetz gehören. Auch von bestimmten geographischen Standorten ist das chinesische Unternehmen ausgeschlossen. Zudem darf es auf der britischen Insel einen Marktanteil von 35 Prozent nicht überschreiten.

Huawei (Bild: Peter Marwan/ZDNet.de)Nicht beliefern darf Huawei das britische Militär. Seine Produkte dürfen auch nicht für Kernkraftwerke sowie kritische Infrastrukturen verwendet werden. Der Ausschluss vom Kernnetz bedeutet, dass Huawei vor allem Technik für Sendemasten, mit denen sich Smartphones und andere Geräte verbinden, liefern darf.

„Wir wollen so schnell wie möglich eine Konnektivität von Weltklasse, aber dies darf nicht auf Kosten unserer nationalen Sicherheit gehen“, sagte Nicky Morgan, Staatssekretär für Digital, Kultur, Medien und Sport, in einer Erklärung vor dem Parlament. „Anbieter mit hohem Risiko waren nie und werden nie in unseren sensibelsten Netzwerken sein. Die Regierung hat die Lieferkette für Telekommunikationsnetzwerke überprüft und kam heute zu dem Schluss, dass es notwendig ist, die Präsenz von Anbietern mit hohem Risiko streng zu beschränken.“

Huawei begrüßte die Entscheidung, obwohl es von Großbritannien als „Anbieter mit hohem Risiko“ eingestuft wird. Das Unternehmen betonte, es beliefere britische Netzbetreiber schon seit mehr als 15 Jahren mit Netzwerkausrüstung. „Wir sind uns einig, dass ein Markt mit vielfältigen Anbietern und ein fairer Wettbewerb für die Zuverlässigkeit und Innovation der Netze unerlässlich sind“, kommentierte Victor Zhang, Vice President bei Huawei.

Kritik an der Entscheidung kam indes aus den USA. Der Senator Tom Cotton, der für die Republikaner im Geheimdienstausschuss sitzt, verglich Huawei in einem Tweet mit dem früheren russischen Geheimdienst KGB. Er schlug vor, die Weitergabe von Geheimdienstinformationen an Großbritannien einzuschränken – das Land gehört zu den sogenannten Five Eyes, die die USA bei der Versorgung mit geheimdienstlichen Erkenntnissen gegenüber anderen Partnern bevorzugt.

Am heutigen Mittwoch soll auch die EU-Kommission Empfehlungen für Sicherheitsstandards für den Aufbau von 5G-Netzen veröffentlichen. Es wird erwartet, dass sie sich dabei nicht gegen eine Zusammenarbeit mit Huawei ausspricht, was auch dem Kurs der Bundesregierung entspricht – nicht aber den Absichten aller EU-Mitgliedstaaten.

Mindestens einen Aspekt der jetzt verabschiedeten Vorgaben der britischen Regierung hatte der Sicherheitsexperte und Blogger Felix von Leitner bereits im November vorgeschlagen. Er kritisierte eine Politisierung der Diskussion um Huawei, die technische Details außer Acht lasse. Huawei liefere vor allem Sendemasten für die Bereiche außerhalb des sicherheitsrelevanten Kernnetzes. „Inkompetente Transatlantiker faseln hier die ganze Zeit was von Sicherheitsrisiken durch Abhören von Huawei. Das muss mir mal jemand zeigen, wie du ein Netz abhörst, bei dem du nur die Antennen kompromittiert hast. Wie kommen denn die Daten von dort zum chinesischen Geheimdienst? Richtig! Durch das Kernnetz! Das nicht von Huawei ist!“

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