Liebling, ich habe die Messe geschrumpft!

Die Zeiten sind schwer - und jeder weiß das. Also könnte man auch dazu stehen. Einfach mal sagen: Stimmt, es läuft augenblicklich nicht so gut, aber wir haben einen Plan, wie alles wieder besser wird. Untersuchungen zeigen, dass sowas sogar funktioniert. Ganz aktuell ist eine Auswertung der Fachhochschule Mainz von 70.000 Artikeln mit Meldungen zu den DAX-30-Unternehmen. Sie belegt, dass der Mut von Vorständen, öffentlich und persönlich Stellung zu beziehen, sich für das ...

Die Zeiten sind schwer – und jeder weiß das. Also könnte man auch dazu stehen. Einfach mal sagen: Stimmt, es läuft augenblicklich nicht so gut, aber wir haben einen Plan, wie alles wieder besser wird. Untersuchungen zeigen, dass sowas sogar funktioniert.

Ganz aktuell ist eine Auswertung der Fachhochschule Mainz von 70.000 Artikeln mit Meldungen zu den DAX-30-Unternehmen. Sie belegt, dass der Mut von Vorständen, öffentlich und persönlich Stellung zu beziehen, sich für das Unternehmen auszahlt: „Gerade in turbulenten Zeiten ist mehr Mut von den Personalverantwortlichen gefordert, schwierige Unternehmensentscheidungen zu erklären und damit öffentlich Gesicht zu zeigen“, erklärt der Leiter der Studie, Professor Lothar Rolke.

Eigentlich erstaunlich, denn wenn man sich so umschaut, könnte man glauben, dass wir uns so daran gewöhnt haben, belogen, betrogen, verschaukelt und mit Halbwahrheiten abgespeist zu werden, dass wir es gar nicht mehr merken – oder zumindest nicht mehr schlimm finden. Der Princeton-Professor Harry G. Frankfurt fasste das knapp und prägnant in seinem erfolgreichen Büchlein „Bullshit“ zusammen. Vielleicht sollte die Mainzer Studie und das Büchlein den CeBIT-Machern zur Verfügung stellen. Sie könnten beides gut gebrauchen.

Warum? Eine 1920 aufgenommene, recht bekannte Fotografie zeigt Lenin, wie er versucht, mit einer flammenden Rede Arbeitern die Vorzüge der Revolution nahezubringen. Rechts von ihm stehen am Rande der Rednertribüne seine damaligen Freunde Leo Trotzki und Lew Kamenew. Nachdem sie in Ungnade gefallen waren, wurde das Bild bearbeitet – auf einer späteren Veröffentlichung sind Trotzki und Kamenew verschwunden.

Warum dieser historische Exkurs? Vergleichen Sie einmal die CeBIT-Hallenpläne von 2007 und 2009 – dann verstehen Sie, was ich meine.

Hier der CeBIT-Hallenplan von 2007: 

Der CeBIT-Hallenplan 2007

und hier der CeBIT-Hallenplan von 2009:

Der CeBIT-Hallenplan 2009

 

Na, was fehlt 2009?

Richtig: Halle 27 (oben links am Rand in Grau) und Halle 23 (oben in der Mitte in schönem Gelb). Vielleicht sollte man sie in die Trotzki-Halle und die Kamenew-Halle umbenennen. Halle 18 ist übrigens schon irgendwann früher verloren gegangen, Halle 10 (die mit den Rolltreppen) auch.

Geht das so weiter, sind 2031 nur noch das Kongresszentrum und die Pavillons in den Messeplaner eingetragen – die anderen Hallen sind bis dahin längst kamenewisiert beziehungsweise trotzkisiert.

Möglicherweise werden sie aber nicht nur aus dem Plan getilgt, sondern fallen tatsächlich der Abrissbirne zum Opfer. Dann könnte es sein, dass sich 2032 die IT-Branche wieder wie anno dazumal gemütlich in der inzwischen denkmalgeschützten und liebevoll restaurierten Halle 1 trifft – um anschließend bei einem Umtrunk in der Münchner Halle über Menschen im Jahr 2009 zu lachen, die sich wegen des Fehlens von ein oder zwei Hallen im Plan echauffiert haben …

Themenseiten: Analysen & Kommentare, IT-Business

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