Das Open-Source-Auto

Tatsächlich scheint der Open-Source-Gedanke gar nicht so weit von generellen Tendenzen im Automobilbau entfernt zu sein, zumal Open-Source stark mit einer Standardisierung einhergeht und die Orientierung am tatsächlichen Bedarf eines der stärksten Argumente für ein Projekt sind. Zum Beispiel arbeitet ein europäisches Forscherteam, an dem drei Fraunhofer-Institute sowie weitere 20 Forschungs- und Entwicklungsteams beteiligt sind, an einem schnelleren und flexibleren Fertigungskonzept, das letztlich die Produktion eines Autos in nur fünf Tagen ermöglichen soll. Nach einer Schätzung der Unternehmensberatung McKinsey verschwenden Autobauer weltweit rund 80 Milliarden Dollar pro Jahr, weil sie Autos bauen, die keiner haben will. Fahrzeuge quasi von der Stange seien für die Käufer zu unattraktiv, individuelle Ausstattung hingegen sei zu teuer und dauere zu lange. „Das Geschäftsmodell ist völlig veraltet und kostet zu viel“, bringt es Bernd Hellingrath vom Fraunhofer-Istitut für Materialfluss und Logistik IML auf den Punkt.

Bis 2008 wollen die Forscher eine Lösung gefunden haben. Ob sie bereits frei verfügbare Bestandteile in ihre Überlegungen einbeziehen, ist unklar. Sicher dagegen ist, dass sich modulartige Konzepte innerhalb der Konzernfamilien schon längst durchgesetzt haben und Open-Source vielleicht nur eine konsequente Fortführung bedeuten würde.

Oscar verdeutlicht aber auch, wo Open-Source noch an seine Grenzen stößt. So gibt es zwar frei verfügbare 2-D-Konstruktions-Tools, auch 3-D-Modellierungs- und CAD-Werkzeuge, aber bei der Simulierung oder virtuellen Realität ist Schluss mit freier Software. Damit kann nicht mehr jeder in seiner Freizeit zur Entwicklung von Oscar beitragen. Dieses Problem löst auch die Entwicklungsplattform der Website nicht. Merz hofft darauf, dass Oscar ein Impulsgeber für die Entwicklung quelloffener System sein könnte.

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1 Kommentar zu Das Open-Source-Auto

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  • Am 19. Mai 2006 um 9:02 von TEO

    TEO
    Wenn ich das richtig lese, geht es hier um Verbrennungsmotoren…

    Also ich wuerde mir ja wuenschen, dasz wenn es schon ein OpenSource Projekt ist, das Auto auch mit ‚alternativen‘ Energien angetrieben wird.
    Ansosnten ist dieses Projekt alles andere als zukunftsweisend.

    Manchmal habe ich das Gefuehl, dasz die Menschen einfach nicht dazulernen wollen.

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