High-Tech-Arm ermöglicht präzise Schmerztherapie

Anwendung bei Tumoren und chronischen Schmerzen

Die Abteilung Medizinische Physik in der Radiologie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) hat das europaweit erste Assistenzsystem in der Magnetresonanztomografie (MRT) in Betrieb genommen. Das Gerät besteht aus einem mit Druckluft angetriebenen Arm, der an der Patientenliege angebracht ist und in der engen Röhre des MRT minimal invasive Eingriffe präzise durchführen kann. „Das Assistenzsystem Innomotion kann ein Instrument halten und zielgenau ausrichten und unterstützt so den behandelnden Arzt“, erklärt Michael Bock, Leiter der Arbeitsgruppe Interventionelle Verfahren des DKFZ. Die Behandlung direkt im MRT bietet den Vorteil, dass der Arzt anhand der MRT-Schnittbilder den Eingriff genau planen kann und eine ständige Bildkontrolle des Vorgehens hat. Das MRT kommt im Gegensatz zum Computertomographen ohne Röntgenstrahlung aus.

„Zunächst soll das System bei der lokalen Schmerztherapie eingesetzt werden“, erklärt Bock. Dabei wird eine dünne Kanüle durch die Haut gestochen, welche die Schmerzmitteldepots direkt zum Organ bringt und sie an die Nervenknoten setzt. Diese Methode ist besonders für die Schmerzbehandlung bei Tumoren und die Therapie chronischer Schmerzen interessant. Den Patienten bleibt dadurch eine medikamentöse Schmerztherapie mit Morphinen erspart.

Mittelfristig soll das System gezielt an weitere onkologische Anwendungen wie die Behandlung von Lebermetastasen angepasst und auch bei Gewebeentnahmen eingesetzt werden. „Für Operationen kann das Assistenzsystem grundsätzlich auch verwendet werden, dies ist jedoch eine sehr teure Angelegenheit“, erläutert Bock. „Das Problem hierbei ist, dass die Instrumente wegen des MRT nicht magnetisch sein dürfen.“

An dem Assistenzsystem arbeiten die Wissenschaftler bereits seit sechs Jahren, berichtet Michael Bock. Zusammen mit der Heidelberger Universitätsklinik für Anästhesiologie hat Bock´s Arbeitsgruppe den High-Tech-Arm bereits im Tierversuch getestet. Die Studien mit Patienten laufen am DKFZ nun an, Auslieferungen des Systems an andere Kliniken in Deutschland und den USA sind bereits geplant.

Zur Zeit arbeiten die Wissenschaftler des DKFZ an neuen Technologien für die Instrumentenverfolgung, die es dem behandelnden Arzt ermöglichen sollen, allein durch die Bewegung des Assistenzsystems sowohl das Instrument als auch die Bildgebung steuern zu können.

Das Assistenzsystem wurde von der Firma Innomedic in Herxheim zusammen mit dem Forschungszentrum Karlsruhe und dem Radiologen Andreas Melzer von der Fachhochschule Gelsenkirchen entwickelt. „Das DKFZ ist von Anfang an beteiligt und war schon bei den Materialtests mit dabei“, so Michael Bock.

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