Intershop: „Im zweiten Halbjahr sind wir profitabel“

Jürgen Schöttler, CEO der Intershop Communications AG, sieht sein Unternehmen im Aufwind. Doch der Wandel vom Überflieger des E-Business-Booms zum Beinahe-Bruchpilot und zurück hält noch an.

„Es ist definitiv nicht mehr dieselbe Firma“, sagt Jürgen Schöttler, CEO der Intershop Communications AG, Jena. Im Jahr 2000 hatte der Anbieter von E-Commerce-Software 700 Mitarbeiter und belegte im Tower zu Jena zwei Drittel der 23.000 Quadratmeter an Geschäftsräumen. 2004 verabschiedet sich der Gründer Stefan Schambach, im 29-stöckigen Turm ist 40 Prozent der Bürofläche vermietet, 15 Prozent stehen leer und Intershop hat 250 Mitarbeiter und jede Menge Platz in seinem Rechenzentrum. Außerdem verdient das Unternehmen weniger als die Hälfte mit Software für den Verkauf. In den vergangenen zwei bis drei Quartalen kamen die Einkünfte hauptsächlich von Kundeninvestitionen auf der Einkaufsseite. Denn auch das Produkt hat sich gewandelt.

Die Website der Smart GmbH ist brandneu. Dem Web-Auftritt des Automobilanbieters liegt das Content-Management-System der Intershop-Software „Enfinity Suite 6“ zugrunde. Die Standardsoftware ersetzt einige Individualentwicklungen. CEO Schöttler weist stolz auf den Neukunden. Immerhin gibt es den so genannten „Content Channel“ erst seit der CeBIT dieses Jahres. Zur Messe stellte Intershop seine konsolidierte E-Commerce-Plattform vor. Den Kern der Suite bilden nun Grundfunktionen mit der Bezeichnung „Multisite Technology“ auf der insgesamt sechs Module für die Buy- und Sell-Side aufsetzen. Das sind neben dem Content-Management-System ein Procurement-, Supplier-, Partner-, Business- und ein Consumer „Channel“.

CEO Schöttler spricht von einer „Komplettlösung“, die den Kunden im E-Commerce isolierte Insellösungen ersparen könne. Zu den Neukunden in diesem Bereich zählten etwa MAN und das Bundesministerium des Innern, zur härtesten Konkurrenz IBM und die SAP AG, weniger die Spezialisten im Content-Management, im E-Procurement, im Supply- oder Supplier-Management. Die Bereitschaft, verstärkt in einkaufsrelevante Software und Prozesse zu investieren, begründet der Vorstandsvorsitzende mit dem insgesamt schwächenden Geschäft der Kunden. Procurement-Lösungen verhießen überschaubares Risiko und kalkulierbaren Return on Investment, überlegt er. Investitionen in den Verkauf dagegen gälten als notwendiges Übel mit ungewissem Erfolgsfaktor. Darüber hinaus vergleicht Schöttler die Enfinity-Suite gern mit einem Mercedes: „bequem, höchste Leistung und muss perfekt funktionieren.“ So findet Intershop seine Kundschaft nach wie vor bei den Konzernen.

Direktvertrieb gibt es allerdings nur in den USA und in Deutschland. Im europäischen Ausland sind Partner, wie E-Size in den Benelux-Staaten, für die Vermarktung zuständig – und unter Umständen für die Vermietung von auf Enfinity beruhenden E-Commerce-Dienstleitungen. In Zukunft will Intershop das Partnergeschäft noch forcieren; denn darin sieht Schöttler einen Zugang zum Mittelstandsmarkt. Schon jetzt biete sein Unternehmen ein für die Mittelständler attraktives Preismodell. Enfinity-Preise sind Transaktions- beziehungsweise CPU-basiert. Schöttler geht davon aus, dass Mittelständler zwar ähnlich komplexe Aufgaben bewerkstelligen müssen wie Konzerne, aber weder die hohen Transaktionsraten haben noch die dicken Rechner. Zudem sei der Softwarekauf keine Pflicht. Der Kunde bezieht 20, 40 oder 60 Prozent des Produkts und zahlt additiv Gebühren für die Nutzung.

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