Deutsche Kabelnetzbetreiber wollen Konsolidierung ihrer Branche

Kleinere Anbieter könnten vom Markt verschwinden

Die führenden deutschen Kabelnetzbetreiber haben sich für eine Konsolidierung ihrer zersplitterten Branche ausgesprochen. Die Folge könnte die Etablierung zweier großer Betreiber sein, während kleinere Anbieter vom Markt verschwinden würden. Ein Zusammenschluss von drei der vier großen regionalen Kabelnetzbetreiber wäre sinnvoll, sagte der Beiratsvorsitzende des nordrhein-westfälischen Anbieters Ish, Helmut Thoma, am Donnerstag am Rande der Medientage in München in einem Reuters-Gespräch. „Es muss zu einer Konsolidierung kommen“, fügte der ehemalige RTL-Chef hinzu. Roland Steindorf, Chef des Branchenriesen Kabel Deutschland, sagte Reuters, er könne sich vorstellen, kleinere lokale Kabelnetzbetreiber aufzukaufen. Allerdings müsse der Preis stimmen. „Viele der kleinen Anbieter sind jedenfalls bereit, zu verkaufen“, sagte Steindorf.

Der deutsche Kabelmarkt wird von den vier Anbietern Ish, iesy, KabelBW und Kabel Deutschland dominiert, die das Übertragungsnetz (die so genannte Netzebene Drei) in den vergangenen Jahren von der Deutschen Telekom erworben haben. Dieses Netz endet jedoch an den Grundstücksgrenzen. Die Versorgung der rund 18 Millionen an das Kabelnetz angeschlossenen Haushalte gewährleisten mehrere tausende kleinere Unternehmen. Größter Anbieter auf dieser so genannten Netzebene Vier ist Telecolumbus, eine von der Investmentgruppe BC Partners übernommene Tochter der Deutschen Bank. Die kleineren Hausanschlussanbieter stellen oft nicht mehr als die Versorgung eines Straßenblocks sicher. Diese Zersplitterung des deutschen Kabel-Marktes gilt weltweit als einmalig.

Ish-Berater Thoma sprach sich dafür aus, den nordrhein-westfälischen Anbieter Ish mit dem baden-württembergischen Betreiber KabelBW zusammenzulegen. Er könnte sich zudem einen späteren Beitritt des hessischen Anbieters Iesy zu dem Zweier-Bündnis vorstellen. Neue Zusammenschlüsse seien unvermeidbar, sagten auch die Sprecher von Ish und Iesy. Allerdings sei noch unklar, wer mit wem fusionieren werde. KabelBW-Chef Georg Hofer bezweifelte indes die Finanzkraft von Ish. Ish sei daher wohl nicht in der Lage, sein Unternehmen zu übernehmen, sagt er.

Aber auch die Pläne von Branchenführer Kabel Deutschland zum Kauf von Wettbewerbern dürften auf Hindernisse stoßen. Das Kartellamt wird nach Einschätzung von Marktexperte Thoma Kabel Deutschland den Kauf von Konkurrenten nicht gestatten. „Nach der momentanen Gesetzeslage wird es da Schwierigkeiten geben.“ Es sei zwar nicht ausgeschlossen, dass das Kartellamt seine Haltung ändere. „Aber derzeit sehe ich das nicht“, sagte Thoma.

Die vier großen deutschen Kabelanbieter waren nach der Übernahme der Netze von der Telekom in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, da sich die Investoren nach dem Platzen der Internet-Blase an der Börse mit frischem Kapital zurückhielten. Daher scheiterten die ursprünglichen Pläne, die Kabelnetze auch für Telefon- und Internetdienste aufzurüsten. Mittlerweile gehören die Anbieter Banken und Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Diese drängen zur Maximierung ihrer Investitionen auf eine Konsolidierung der Branche, was aber auf den Widerstand des Kartellamts stoßen könnte. Die Behörde hatte sich in der Vergangenheit stets für eine Vielfalt auf dem deutschen Kabelmarkt plädiert.

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1 Kommentar zu Deutsche Kabelnetzbetreiber wollen Konsolidierung ihrer Branche

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  • Am 25. Oktober 2003 um 2:22 von expocityvoice

    Rückkehr zum Steinzeitmonopolismus !
    Die Energieversorger haben es vorgemacht. . – die kleinen Stromanbieter wurden vom Markt gefegt durch überhöhte Netz Durchleitungsgebühren, oder es wurden mündlich längere Zahlungsziele vereinbart, die dann aber vorzeitig abgefordert wurden. Heute gibt es einige Tochtergesellschaften von den ehemaligen Monopolisten, die lediglich eine Alibifunktion ausüben; ansonsten ist das Monopol wieder auf dem Stand der 80er Jahre und nur die Größenordnungen sind heute anders.-
    Solange noch Wettbewerb unter den Kabelbetreibern herrscht, ist dieser Dienst noch bezahlbar. Bei einem Ausverkauf der kleinen Betreiber, werden die Preise sprunghaft steigen und der Kunde und das machtlose Kartellamt haben wieder das Nachsehen.

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