Drohender US-Boykott: Huawei entwickelt Android-Alternative

Die Entwicklung eines Smartphoenbetriebssystems hat Huawei bereits 2012 gestartet. Qualitätsmängel und fehlende Drittanbieter-Apps haben jedoch eine Freigabe bisher verhindert.

Laut eines Berichts der South China Morning Post, arbeitet Chinas größter Smartphonehersteller und Netzwerkausrüster Huawei an einem eigenen Smartphonebetriebssystem. Das Unternehmen begann mit der Entwicklung 2012, nachdem die USA mögliche Geschäftsbeziehungen des mit einem UN-Embargo belegten Iran und dem chinesischen Konzern untersuchte. Das Magazin beruft sich auf Angaben von vier Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind.

Huawei (Bild: Peter Marwan/ZDNet.de)

Der Plan wurde von Huawei-Gründer Ren Zhengfei initiiert und als strategische Investition zur Vorbereitung auf „Worst-Case-Szenarien“ betrachtet. Allerdings hat Huawei das Betriebssystem nicht freigegeben, weil es laut den Quellen nicht so gut sei wie Android. Außerdem gäbe es kaum Drittanbieter-Apps.

Bei einer Veranstaltung in Peking letzte Woche kommentierte Zhao Ming, President der Huawei-Tochter Honor die Entwicklung eines eigenen Betriebssystems wie folgt. „Es ist eine Frage der Kapazität und Notwendigkeit. Es besteht kein Zweifel, dass Huawei dazu in der Lage ist, aber im Moment halte ich es nicht für notwendig, da wir sehr eng mit Google zusammenarbeiten und sein Android-System weiterhin verwenden werden.

Huawei „hat keine Pläne, in absehbarer Zeit ein eigenes Betriebssystem zu veröffentlichen“, sagte das Unternehmen in einer Antwort auf eine Anfrage. „Wir konzentrieren uns auf Produkte, die von Android OS angetrieben werden, und nehmen eine offene Haltung gegenüber Mobile OS ein.“

Schwieriges US-Geschäft für chinesische Firmen

Das US-Geschäft chinesischer Firmen ist derzeit äußerst problematisch, nachdem die US-Administration unter Präsident Trump China als Handelsgegner betrachtet. Vor kurzem haben die US-Behörden ein Exportverbot gegen den Huawei-Konkurrenten ZTE verhängt. Das Unternehmen verstößt laut Wirtschaftsministerium gegen Auflagen einer früheren Vereinbarung. Die US-Behörden beschuldigen ZTE unerlaubt Telekommunikationsausrüstung an den Iran und Nordkorea geliefert zu haben.

Konkret soll ZTE gegenüber dem Bureau of Industry and Security (BIS) falsche Angaben zu Sanktionen gemacht haben, die es wegen den Embargoverstößen gegen leitende Mitarbeiter verhängt hatte. Nach Angaben von Wirtschaftsminister Wilbur Ross soll ZTE den besagten Managern ihre vollständigen Boni ausgezahlt haben, statt sie zu verwarnen. Damit soll ZTE gegen eine Einigung mit der US-Regierung verstoßen und automatisch Exportprivilegien verloren haben.

„ZTE hat das Wirtschaftsministerium getäuscht“, teilte Ross mit. „Statt seine Mitarbeiter zu maßregeln, hat ZTE sie belohnt. Dieses ungeheuerliche Verhalten kann nicht ignoriert werden.“

Im März 2017 hatte ZTE die illegalen Lieferungen an den Iran und Nordkorea eingeräumt und eine zivil- und strafrechtliche Geldbuße in Höhe von 1,19 Milliarden Dollar akzeptiert. Das Unternehmen soll nicht nur wissentlich die Ermittlungen behindert haben, sondern auch mit Falschaussagen die US-Regierung getäuscht haben. Im Rahmen der Einigung verzichtet ZTE zudem für sieben Jahre auf jegliche Exportprivilegien, sollte es gegen Auflagen verstoßen oder erneut ein Lieferembargo umgehen.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass ZTE unerlaubte Geschäftspraktiken nachgewiesen wurden. 2012 beendete Cisco nach Ermittlungen von FBI und Wirtschaftsministerium seine Zusammenarbeit mit ZTE. Vor sechs Jahren soll ZTE über ein Netzwerk von Tochterfirmen illegal reglementierte Produkte von Microsoft, HP, Oracle, Dell, Cisco und Symantec an den Iran verkauft haben.

Ebenfalls 2012 wurde ZTEs chinesischer Wettbewerber Huawei beschuldigt, versucht zu haben, einem Embargo unterliegende Produkte von Hewlett Packard an einen iranischen Mobilfunknetzbetreiber zu liefern. ZTE war darüber hinaus 2013 in einen Korruptionsskandal in der Mongolei verwickelt, der zur Verhaftung eines Finanzbeamten führte, der für ZTEs Steuererklärungen zuständig war.

Das Exportverbot schadet allerdings nicht nur ZTE, sondern auch US-Firmen. Nach Bekanntgabe der Sanktionen gegen ZTE bracheen die Kurse mehrerer Hersteller optischer Komponenten ein, die nun einen wichtigen Kunden verlieren. Die Aktie von Acacia Communications verlor fast 36 Prozent. Bei anderen Werten betrug das Tagesminus immerhin bis zu 15 Prozent. Die Sanktionen betreffen auch Google, das an ZTE das Mobilbetriebssystem Android lizenziert hat. Diese Lizenz könnte ZTE nun verlieren, was weitreichende Folgen für das Smartphonegeschäft der chinesischen Firma haben dürfte.

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