Galaxy S8: Samsung DeX im Praxistest

Mit der Dockingstation DeX sollen Galaxy-S8-Nutzer nichts weniger als herkömmliche Computer vergessen. Ob das gelingt oder man nach wenigen Minuten Sehnsucht nach seinem bisherigen Desktop-System bekommt, zeigt der ZDNet-Praxistest.

Mit der Dockingstation DeX verwandeln sich die Samsung-Smartphones Galaxy S8 und Galaxy S8 zu Basistationen von Desktop-Arbeitsplätzen. DeX bietet Anschlüsse für einen Full-HD-HDMI-Monitor, Maus, Tastatur und Ethernet-Netzwerk.

Doch alleine der Anschluss dieser Peripherie macht aus einem Smartphone noch keinen Büro-Arbeitsplatz. Damit dies gelingt, sorgt die in den Galaxy-S8-Modellen integrierte und für den Einsatz auf großen Monitoren optimierte Oberfläche. Auch sie nennt sich DeX. DeX ist also eine auf Hard- und Software basierende Lösung.

Samsung DeX: Komponenten und Oberfläche (Bild: Samsung)

Performance: Galaxy S8 im Desktop-Modus

Die spannende Frage bei diesem Konzept ist natürlich: Reicht die Performance des Galaxy S8 aus, um eine flüssige Bedienung im Desktop-Modus zu gewährleisten. Diese Frage kann mit „Ja“ beantwortet werden. Das liegt auch daran, dass die Auflösung im Desktop-Modus DeX auf dem externen Monitor maximal Full HD, also 1920 x 1080 Bildpunkte, beträgt. Der Prozessor des Galaxy S8 Exynos 8895 muss also nicht mehr Pixel hin- und herschieben als im Normalebetrieb, wenn kein Monitor angeschlossen ist. Im Gegenteil: Auf dem Smartphone kann die Auflösung bis zu 2960 mal 1440 Pixel betragen und stellt damit an den Prozessor wesentlich größere Anforderungen als die Full-HD-Desktop-Auflösung.

Galaxy S8 Geekbench (Screenshot: ZDNet.de)

Dennoch erreicht die Performance des Galaxy S8 nicht die eines Standard-Notebooks mit Intel-Prozessor. Im Test kommt Chrome beim Speedometer-Benchmark auf einem Notebook mit Core m3-7Y30 auf einen Wert von 98,7, während der Google-Browser auf dem Galaxy S8 nur etwas mehr als 40 erzielt.

Allerdings muss das nicht unbedingt heißen, dass der Intel-Prozessor per se leistungsfähiger ist. Zwar kann er auch beim Geekbench-Test im Single-Core-Bereich mit einem Wert von 3262 Punkten den Exynos 8895 im Galaxy S8, der einen Wert von 1982 Punkten erzielt, auf Distanz halten, muss sich diesem jedoch im Multi-CPU-Test mit 5928 Punkten gegenüber 6496 Punkten geschlagen geben.

Wie eingangs erwähnt, gibt es insgesamt an der Performance nichts auszusetzen. Auch wenn mehrer Anwendungen geöffnet sind, etwa Outlook, Word, Excel, Powerpoint und eine Bildbearbeitung, lässt sich das System flüssig bedienen. Klar ist aber auch, dass die Lösung nicht unbedingt für rechenintensive Anwendungen gedacht ist. Aber für typische Bürotasks bietet die Plattform genügend Leistung.

Trotz eines eingebauten Lüfters ist die Dockingstation im Betrieb kaum zu hören. Auch nicht dann, wenn das Galaxy S8 mit rechenintensiven Progrmamen wie Benchmarks traktiert wird. Nur nach einem Neustart des Smartphones steigt die Lüfterdrehzahl kurz an, sodass sie akustisch vernehmbar ist.

DeX-Oberfläche

Für eine effiziente Bedienung des Galaxy S8 hat Samsung die Oberfläche von Android angepasst. Letztlich wird man sich als Windows-Anwender damit sehr schnell zurechtfinden. Die Oberfläche umfasst eine Taskbar, an die man Anwendungen heften kann und ein Benachrichtigungscenter.

Samsung DeX: Oberfläche ähnlich wie bei Windows 10 (Bild: Samsung)

An der Taskbar befinden sich ganz links drei Schaltflächen. Klickt man auf die erste von links, öffnet sich ein Fenster, das die auf dem Galaxy S8 installierten Anwendungen in alphabetischer Sortierung zeigt. Ein Klick auf die mittlere Schaltfläche öffnet eine Übersicht inklusive Vorschaufenster der zuletzt genutzten Anwendungen. Die rechte Schaltfläche sorgt für die Anzeige des Desktops. Klickt man auf diese, verkleinern sich sämtliche geöffneten Programme in die Taskleiste in Form kleiner Programmsymbole. Fährt mit der Maus über diese wird ein verkleinertes Vorschaufenster angezeigt.

Samsung DeX: installierte Anwendungen (Bild: ZDNet.de)

Benachrichtungszentrum

Wie unter Windows dient der rechte Teil der Taskbar als Infobereich. Dort befinden sich Symbole für Kalender, Suche, Screenshot, Sound, Tastatur, Schnellstartleiste, Akku, Netzwerkverbindung und Bluetooth. Zusätzlich werden links davon Symbole für eingehende Benachrichtigungen angezeigt, wobei deren Anzahl auf vier beschränkt ist. Die Infobereich-Leiste lässt sich außerdem verkleinern. Dann werden nur noch zwei Symbole für Benachrichtigungen angezeigt, wobei das gepunktete das Benachrichtigungszentrum startet. In der verkleinerten Darstellung werden außerdem einige Symbole aus dem Infobereich verdeckt.

Samsung DeX: Infobereich und Benachrichtigungszentrum (Screenshot: ZDNet.de)

Multitasking

Das Galaxy S8 bietet in Verbindung mit DeX ein echtes Multitasking. Ein Video wird beispielsweise auch dann abgespielt, wenn gleichzeitig eine weiter CPU-intensive Anwendung genutzt wird. Allerdings funktioniert das gleichzeitige Abspielen von zwei Videos nicht. Auch dann nicht, wenn zwei unterschiedliche Anwendungen dafür genutzt werden.

Samsung DeX: Multitasking im Desktop-Modus (Screenshot: ZDNet.de)

Wechsel von Anwendungen

Wie unter Windows wechselt man mit der Tastenkombination <Alt>+<Tab> in die Übersicht geöffneter Anwendungen. Alternativ lässt sich dafür auch die mittlere Schaltfläche links an der Taskbar verwenden. Auch andere Tastenkombinationen kennt man von Windows, wie <Alt>+<Druck> zur Erstellung eines Bildschirmfotos.

Samsung DeX: Task-Switching (Screenshot: ZDNet.de)

Samsung DeX: Anschlüsse

Die Anschlussoptionen der Docking-Station sind nicht perfekt. Die beiden USB-Schnittstellen unterstützen leider nur Version 2.0. Somit werden USB-3.0-Festplatten wie die Samsung Portable SSD T3 ausgebremst. Wünschenswert wären für den Anschluss leistungsfähiger portabler SSD-Speicherlösungen in jedem Fall USB 3.1 Ports.

Problematisch ist die Soundausgabe. Sie erfolgt standardmäßig durch den Lautsprecher des Telefons, da das Audio-Signal nicht per HDMI an den Monitor weitergeleitet wird und lässt sich nur umständlich auf ein HDMI-Gerät umleiten. Außerdem ist durch das Einsetzen des Galaxy S8 in die DeX-Dockingstation der Kopfhöreranschluss unbrauchbar.

Samsung DeX: Audioausgabe über Plantronics Voyager 5200 uc (Bild: Plantronics)

Diese Einschränkung lässt sich durch die Verwendung eines Blutooth-Headsets beheben, sodass man Gespräche annehmen kann. Die Koppelung und der Betrieb funktionieren mit den für den Test verwendeten Plantronics-Modellen Voyager 5200 uc und Voyager Focus uc problemlos. Für die Anrufannahme kann man das Galaxy S8 aber auch aus der Dockingstation nehmen. Der Anruf wird dabei ohne Verzögerung angenommen.

Außerdem unterstützt DeX derzeit nur Full-HD-Monitore. Das mag für den Einsatz in Unternehmen, wo selten Displays mit einer höheren Auflösung genutzt werden, kein Problem sein. Für Privatnutzer, die Monitore mit höheren Auflösungen wie 4K-Modelle verwenden, ist der Einsatz des Galaxy S8 in Verbindung mit DeX keine Option.

Samsung DeX: Anschlüsse der Docking-Station (Bild: Samsung)Die Docking-Station DeX versorgt das Galaxy S8 und Galaxy S8+ mit Schnittstellen zum Anschluss von Full-HD-Monitor, Tastatur, Maus und Netzwerkkabel und anderen USB-Peripheriegeräten. Leider unterstützen die USB-Anschlüsse nur Version 2.0. Und die Type-C-Schnittstelle dient lediglich als Stromzufuhr (Bild: Samsung).

Einschränkungen

Nicht jede App ist unter DeX lauffähig. Widgets sind generelle inkompatibel zu DeX und einige Apps wie Firefox und Google Earth starten beispielsweise nicht.

Die App-Unterstützung von DeX könnte sich aber mit der Zeit schnell ändern. Sofern die Entwickler ein aktuelles SDK-Level mit ihrer App unterstützen, ist zumindest die Anpassbarkeit der Fenstergröße schnell erledigt. Hierfür muss man lediglich in der App-Konfigurationsdatei „manifest“ den Eintrag android:resizeableActivity=“true“ hinzufügen. Der Entwickler von AIDA64 hat ZDNet eine DeX-optimierte Fassung seiner App in wenigen Minuten bereitgestellt.

Samsung DeX: Eintrag in der Manifest-Datei sorgen für anpassbare Windows (Screenshot: ZDNet.de)

Allerdings ist das Anpassen der Fenstergröße nur eine Funktion, die Samsung mit DeX bereitstellt. Das Zoomen mit der Maus ist eine weitere, die offenbar noch nicht von jeder App unterstützt wird. Mit Google Maps lässt sich ein Kartenausschnitt mit dem Scrollrad er Maus zwar vergrößern, aber nicht wieder verkleinern. Das gleiche gilt für HERE WeGo. Ebenso beherrschen nur die wenigsten Apps Drag’n Drop. Auch haben einige wie Outlook noch Probleme das Blättern mit der Maus zu realisieren. Bis Entwickler sämtliche Funktionen von DeX unterstützen, wird es vermutlich noch etwas dauern.

Samsung DeX: App-Modi (Bild: Samsung)

Fazit: Samsung DeX mit Galaxy S8

Die Möglichkeit zur Nutzung des Galaxy S8 im Desktopmodus ist trotz ein paar Einschränkungen gut gelungen. Windows-Nutzer benötigen so gut wie keine Eingewöhnungszeit. Die wesentlichen Bedienelemente befinden sich dort, wo man sie auch unter dem Microsoft-Betriebssystem findet.

Es hapert zwar noch etwas an der Unterstützung von Apps. Doch mit dem bisherigen Angebot lassen sich typische Bürotätigkeiten schon ganz gut bewältigen. Als DeX-Apps liegen beispielsweise die beliebten Office-Programme Word, Excel und Powerpoint inklusive Skype und OneDrive vor.

Samsung DeX: Zugriff auf Windows über Remote Desktop (Bild: ZDNet.de)

Unternehmensanwender, die Zugriff auf eine größere Anzahl von Windows-Anwendungen benötigen, können mithilfe von Amazon WorkSpaces auf weitere Desktop-Betriebssysteme und Anwendungen zugreifen. Von Citrix und VMware soll es derartige Lösungen ebenfalls bald geben.

Für Privatnutzer ist der Zugriff auf den Windows-PC derzeit noch eingeschränkt. Das Remote-Desktop-Tool von Microsoft bietet noch keine anpassbare Fenstergröße. Aus dem selben Grund ist TeamViewer QuickSupport für den DeX-Betrieb noch nicht geeignet.

Natürlich kann man nach ein paar Tagen DeX-Nutzung noch kein abschließendes Urteil über die neue Samsung-Plattform fällen. Doch eines lässt sich jetzt schon sagen: Der Einstand ist gelungen und macht Lust auf mehr. Die Sehnsucht nach dem Desktop-Rechner hält sich jedenfalls in Grenzen.

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Wie hoch wird Ihrer Ansicht nach der Anteil der Galaxy-S8-Nutzer sein, die Samsung DeX nutzen werden?

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Hinweis: Der Artikel wurde am 1. Mai aktualisiert. Die ursprüngliche Fassung enthielt falsche Angaben zur Möglichkeit die Audioausgabe auf ein HDMI-Gerät umzuleiten. Details dazu finden sich hier: Samsung DeX: Audioausgabe über HDMI aktivieren

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Neueste Kommentare 

9 Kommentare zu Galaxy S8: Samsung DeX im Praxistest

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  • Am 7. Dezember 2017 um 17:28 von Marcez78

    Funktionieren Excel Makros über Dex?

  • Am 28. April 2017 um 19:25 von Testet mal richtig !

    was einen Quatsch erzählt ihr da ???

    Ich kann sehrwohl die Soundausgabe über HDMI über den Monitor laufen lassen !

  • Am 28. April 2017 um 10:12 von Hulla Hopp

    Ein sehr kompetenter Test. Lies man heutzutage selten. Danke!

    • Am 29. April 2017 um 7:07 von LaLeLu

      Dem stimme Ich zu.

      Aber was Mich überrascht hat war, es hiess uraprünglich noch im Dex Modus würde das S8 bzw S8+ bis zu 4k-Auflösung in 30 Bildern pro Sekunde unterstützen. Ihr aber sagt, es bietet maximal FullHD.

      Wie kommts? Oder geht das nur mit dem S8+, welches eine höhere Taktrate hat bei den Kernen als das S8 und Ihr ein möglicherweise ein S8 getestet habt mit Dex? Hab gehört dass das S8+ mit ner etwas höheren Ghz-Taktrate laufen soll. Ich glaub 2’5 oder 2’6 Ghz pro Kern, anstatt 2’3 Ghz wie beim S8.

  • Am 28. April 2017 um 8:02 von Brettfisch

    Funktioniert ein Adapterkabel HDMI-> DVI ?

    • Am 28. April 2017 um 8:58 von Kai Schmerer

      Ja, das hat im Test funktioniert.

  • Am 27. April 2017 um 22:13 von stefan

    Werden selbst 16:10 Monitore mit 1920 mal 1200 nicht unterstützt? Wird das Bild bei einem Monitor mit mehr als 1920 mal 1080 Pixeln gestreckt oder erscheinen schwarze Balken am Rand?

    • Am 28. April 2017 um 6:14 von Kai Schmerer

      Zum Thema DeX und Monitore wird es einen eigenen Artikel geben. Vorab so viel: Mit einem Samsung 2343BW, der über eine Auflösung von 2048 x 1152 Pixel verfügt, betrug die DeX-Auflösung 1280 x 720. Das Bild wurde nicht gestreckt, sondern in der Mitte zentriert. Über das Monitormenü ließ es sich zwar strecken, doch das Ergebnis war, wie man sich denken kann, nicht zufriedenstellend.

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