Löschers Milliardenpoker um Fujitsu-Siemens

Siemens treibt seinen Anfang des Jahres von Konzernchef Peter Löscher mit Nachdruck begonnenen Konzernumbau voran. Die Beteiligung an FSC passt da nicht mehr ins Konzept - egal, wie sich das Joint Venture wirtschaftlich entwickelt.

Die Beobachter sind sich einig: Der letzte große Name einer ehemals beachtenswerten deutschen Computerindustrie wird verschwinden. Nach jüngsten Pressemeldungen geht es nur noch um den Preis für Fujitsu Siemens Computers (FSC). Noch aber sei die Forderung zu hoch, die Siemens-Chef Peter Löscher im Zuge des radikalen Konzernumbaus für den 50-prozentigen Anteil am etablierten Gemeinschaftunternehmen will, heißt es.

Wie die Kommunikationssparte SEN passt auch der Computerkonzern FSC nicht mehr in das von Löscher anvisierte Portfolio von Siemens. Dort haben nur noch die drei Anfang des Jahres neu gebildeten Bereiche Medizintechnik, Industrie und Energie Platz. Erst vor kurzem hat sich die neue Konzernführung von dem verbliebenen Rest der einst marktführenden Kommunikationssparte getrennt. Nun ist der Bereich Computer an der Reihe.

Konzernchef Löscher hatte sich schon in der ersten Stunde seines Amtsantritts unzufrieden über die wirtschaftlichen Aspekte des Gemeinschaftsunternehmens FSC geäußert. Die anteilige Computertochter zählt nicht mehr zum Kerngeschäft. Siemens verhandelt daher mit seinem langjährigen japanischen Partner Fujitsu über die Zukunft von FSC. Doch die Partner stehen unter Zeitdruck: Der Joint-Venture-Vertrag läuft im September 2009 aus. Um auszusteigen, müssen Siemens oder Fujitsu den Kontrakt ein Jahr zuvor kündigen, sonst verlängert sich die Kooperation automatisch um fünf Jahre. Die Absprache: Beide Partner müssen sich ihre Anteile von je 50 Prozent zuerst gegenseitig anbieten. Erst nach einer Ablehnung ist der Verkauf an Dritte möglich.

Nach den jüngsten Meldungen ist klar: Der Ausstieg ist beschlossene Sache. Anders als noch im Sommer zu hören war, hat Fujitsu nun jedoch Interesse, die Anteile der Deutschen zu übernehmen, berichtet das Handelsblatt. Doch noch haben sich beide Seiten nicht einigen können. Es scheint um den Kaufpreis zu gehen, war bei den Nachrichtenagenturen zu lesen. Fujitsu sei nicht bereit, die von Siemens verlangte Summe zu zahlen, hieß es am Montag aus Kreisen in München und Tokio. Analysten schätzen den Wert des größten europäischen Computer-Herstellers auf rund eine Milliarde Euro.

Bereits am Wochenende hatte das Magazin „Euro am Sonntag“ berichtet, dass Siemens die Zerschlagung des Gemeinschaftsunternehmens vorantreibe. Fujitsu sei vor allem an der Geschäftskundensparte interessiert und könnte sich nach einer Übernahme ganz auf das lukrativere Geschäft mit Firmenkunden konzentrieren. Die restlichen Bereiche würden weiterverkauft.

Siemens hat den Berichten zufolge Gespräche mit dem chinesischen Computerkonzern Lenovo aufgenommen. Dabei geht es um den Verkauf der Sparten Personalcomputer und PC-Server. Lenovo hatte vor zwei Jahren die PC-Sparte von IBM übernommen und sucht seine Präsenz in Europa auszubauen. Das würde passen, denn FSC vertreibt seine Rechner ausschließlich in Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Im Rest der Welt übernimmt dies Fujitsu.

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1 Kommentar zu Löschers Milliardenpoker um Fujitsu-Siemens

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  • Am 6. Oktober 2008 um 8:44 von Camillo Stelzer

    Löschers Milliardenpoker oder die AEGisierung von Siemens
    Wir sind Zeugen, wie sich ein führender deutscher Konzern selbst zerlegt und vom Markt nimmt. Die vergleichsweise gut laufende Computersparte wird abgestimmt vom eigenen Chef Bischoff und Herrn Löscher schlechtgeredet und nun verramscht. Vielleicht haben die Herren bei Ihrem Weg mit Siemens in Richtung Finanzkonzern noch nicht gemerkt, daß man mit gescheiten Produkten reales Geld verdienen kann. Die Finanzblase dagegen ist gerade geplatzt. Hoofenntlich blasen die Aktionäre Löscher & Ca. bald den Marsch bevor noch mehr Schaden entsteht.

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