OOP: Wer integrieren will, braucht Standards

Entwicklerkonferenz in München beklagt das Fehlen von verbindlichen Modellen für Web Services

Software-Architekten, -Designer und -Entwickler sehen sich heute hauptsächlich mit Integrationsaufgaben konfrontiert. Dabei muss die Software Web-fähig, Service-orientiert und komponentenbasiert sein und beliebige Endgeräte unterstützen können. Doch die Teilnehmer der diesjährigen Entwicklerkonferenz OOP, die heute in München endet, mussten feststellen: Standards für Web Services und Modelle fehlen.

Als das Mittel zur Integration heterogener Systeme bieten sich Web Services an. Sie definieren sich als Applikationen oder Anwendungs- und Systemkomponenten, die für sich eine definierte Funktionalität bereitstellen. Die Zusammenspiel funktioniert im Wesentlichen über zwei Standards: das Datenaustauschformat Extended Markup Language (XML), das Einwegkommunikationsprotokoll Simple Object Access Protocol (Soap) und die Web Services Description Language (WSDL).

Soap unterstützt sowohl dokumenten- beziehungsweise nachrichtenbasierte Dienste als auch prozedurbasierte. Dabei lassen sich Remote Procedure Calls (RPCs) anstoßen. Die Spezifikation Section 7 beschreibt die Serialisierung von Funktionsaufrufen als XML Struktur.

Außerdem wird Soap zumeist mit dem Internet-Transportstandard HTTP kombiniert, da Firewalls entsprechende Daten über den Port 80 passieren lassen und so ein Web Service auch über Unternehmens- oder Bereichsgrenzen hinweg funktionieren kann.

WSDL ermöglicht dagegen die Beschreibung von Schnittstellen und Endpunkten. Zugleich definiert die Sprache eine XML-Grammatik für die Beschreibung von Verträgen zwischen den Punkten, die Nachrichten austauschen. Für den Zugriff auf einen Web-Service ist daher allein eine WSDL-Beschreibung des Interface notwendig.

Für die Kopplung von System- und Anwendungskomponenten in einem Unternehmen spielt Web-Service-Standard Spezifikation Universal Description, Discovery and Integration (UDDI) kaum eine Rolle. Diese soll eine Art globale Gelbe Seiten ermöglichen. Dafür müssten Hersteller ihre Web Services mit den Grundfunktionen und einem Herkunftsnachweis bei so genannten UDDI-Operatoren registrieren lassen. Solche Operatoren sind etwa IBM (Börse Frankfurt: IBM), Oracle (Börse Frankfurt: ORC), Microsoft (Börse Frankfurt: MSF) und SAP (Börse Frankfurt: SAP).

Die Neigung, Applikations-Know-How in dieser Form zur Verfügung zu stellen und abzurufen, ist jedoch nach wie vor gering. Die häufigste Art eines UDDI ist deshalb ein unternehmensspezifisches. Damit verlassen die Anwender jedoch den standardisierten Pfad. Die Web Services sind nur noch innerhalb eines begrenzten Raumes interoperabel.

Das größte Problem der Entwickler ist jedoch, dass über die genannten Spezifikationen hinaus noch vieles ungeklärt ist. Eines der dringendsten Probleme ist die Sicherheit. Hier gibt es zwar verschiedene Standardisierungsbestrebungen, doch letztlich sind sich die Experten einig, dass zumindest auf der Transportschicht Absicherung erzielt werden kann. Hier greifen die bereits bewährten Sicherungsmechanismen zumal eine Kombination mit SSL-Verschlüsselung gut implementierbar ist.

Allerdings ist auf dieser Ebene nur eine Point-to-Point-Sicherheit gewährleistet – also von einem Rechner bis zum nächsten. Da IP-Verbindungen aber über verschiedene Knoten laufen, kann jede dazwischen geschaltete Maschine Informationen abgreifen.

Eine End-to-End-Sicherheit ist demnach nur auf der Anwendungsschicht durch entsprechenden Code implementierbar. Dabei muss sich schließlich der Anwender beispielsweise überlegen, welche Informationen tatsächlich verschlüsselt und signiert übergeben werden müssen. Ein Zuviel kann erheblich zu Lasten der Performance gehen.

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1 Kommentar zu OOP: Wer integrieren will, braucht Standards

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  • Am 5. Februar 2003 um 11:29 von Claus von Riegen

    UDDI
    Die Kritik an UDDI ist überholt. UDDI Version 3 bietet die Möglichkeit, Metadaten zwischen verschiedenen UDDI Verzeichnissen auszutauschen, so daß z.B. zunächst in einem lokalen Testverzeichnis die Web Services beschrieben werden, um dann später in ein semi-privates UDDI Verzeichnis, das zusammen mit Partnern betrieben wird, kopiert zu werden.<br />
    Oracle ist übrigens kein Betreiber eines UDDI Verzeichnisses. Dies sind zur Zeit IBM (uddi.ibm.com), Microsoft (uddi.microsoft.com), NTT Communications (http://www.ntt.com/uddi) und SAP (uddi.sap.com).

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