Ab 1. April Bußgelder für Telefonieren im Auto

Boom bei billigen Freisprechanlagen soll sich noch verstärken

Seit Februar ist Telefonieren ohne Freisprechanlage im fahrenden Auto verboten. Wer erwischt wird, kommt bislang mit einer mündlichen Ermahnung davon. Ab Sonntag wird ein Strafgeld von 60 Mark fällig, telefonierende Radfahrer müssen die Hälfte berappen. Die Hersteller von Freisprechanlagen, die schon seit Jahresanfang einen regelrechten Boom erleben, hoffen auf weiter steigende Verkäufe. Bisher griffen die Autofahrer jedoch meist zu Billiglösungen und ließen hochwertige Anlagen links liegen. 60 Mark (30,78 Euro) Strafgeld sei nicht viel, meinen Verkehrexperten, die an der abschreckenden Wirkung des Verwarngeldes zweifeln.

Sie verweisen auf eine Studie des Bundesverkehrsministeriums, wonach bei Autounfällen, die durch Telefonieren ohne Freisprechanlage verursacht wurden, schon 1996 etwa 20 Menschen starben und hundert schwer verletzt wurden. Seitdem hat sich die Zahl der Handy-Nutzer vervielfacht: Rund 50 Millionen Mobiltelefone sind mittlerweile im Umlauf – und viele werden auch zum Telefonieren im Auto genutzt. Der ADAC verweist angesichts des relativ niedrigen Strafgeldes dann auch auf weit gravierendere Folgen für uneinsichtige Autofahrer: Im schlimmsten Fall könne die Kasko-Versicherung nach einem Unfall wegen grober Fahrlässigkeit den Ersatz des Eigenschadens verweigern. Dann kann Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung schnell ein paar tausend Mark kosten.

Die Hersteller von Freisprechanlagen sehen in der Strafgeldeinführung ein Signal für bislang zögernde Autofahrer. „Das wird nochmal einen Absatzschub geben“, ist sich Michael Zander von der Funkwerk GmbH sicher. Seine Firma im brandenburgischen Dabendorf produziert als Dritthersteller markenunabhängige Freisprechanlagen. Den Verkaufs-Schub sollte man aber seiner Ansicht nach „nicht am 1. April festmachen. Das wird mit dem Lerneffekt kommen, wenn die ersten Autofahrer ein Ticket bekommen haben.“ Zander rechnet ab Mai oder Juni mit deutlich steigenden Verkaufszahlen.

Besonders tief in die Tasche greifen will die Masse der Käufer bislang offenbar nicht für Freisprechanlagen: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die einfachsten Lösungen auch laufen“, sagt Janina Knab, Sprecherin der Elektronikmarktketten MediaMarkt und Saturn. Am häufigsten würden „Headsets um die hundert Mark“ verkauft. Auch Funkwerk-Sprecher Zander, dessen Unternehmen Anlagen zwischen 100 und 600 Mark baut, sieht „den stärksten Boom bei Plug-and-Play-Lösungen für bei 200 Mark“.

Stefan Zinsmeister vom Zubehörhersteller hama spricht von einer „richtigen Explosion“ der Verkäufe seit Jahresanfang. „Wir haben bei Freisprechanlagen in den ersten beiden Monaten komplett die Umsätze gemacht, die wir im letzten Jahr erwirtschaftet hatten.“ Hama rechnet damit, dass mittelfristig der Trend zu hochwertigeren Anlagen geht, wenn die Kunden Kabelsalat und mäßige Sprachqualität bei Billiglösungen satt haben. „Für viele waren das zunächst Alibi-Käufe, da wurde zur günstigsten Anlage gegriffen“, meint Zinsmeister. „Kunden, die viel im Auto telefonieren, werden aber bald nach Lösungen mit mehr Komfort suchen.“

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