Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen: US-Justiz ermittelt gegen Huawei

Die Untersuchung ist angeblich schon weit fortgeschritten. US-Medien rechnen mit einer baldigen Anklageerhebung. Auslöser ist ein Streit zwischen T-Mobile und Huawei um ein robotergesteuertes Testgerät für Smartphones.

US-Behörden ermitteln offenbar gegen Huawei wegen des Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen. Das berichten übereinstimmend US-Medien wie Bloomberg und das Wall Street Journal. Unter anderem soll es um Techniken für robotergesteuerte Geräte gehen, die T-Mobile USA nutzt, um Smartphones zu testen.

Huawei (Bild: Huawei)Den Berichten zufolge sind die Untersuchungen schon sehr weit fortgeschritten. Möglicherweise werde schon in Kürze Anklage gegen Huawei erhoben. Weder das Justizministerium noch Huawei oder T-Mobile USA wollten sich zu den Berichten äußern.

Die Vorwürfe lassen sich auf eine Klage zurückführen, die T-Mobile 2014 gegen Huawei eingereicht hatte. 2017 entschied eine Jury, dass Huawei Geschäftsgeheimnisse von T-Mobile missbräuchlich genutzt hat. Die Geschworenen sprachen dem Unternehmen eine Entschädigung von 4,8 Millionen Dollar zu. Den Missbrauch stuften sie jedoch nicht, wie von T-Mobile unterstellt, als absichtlich und böswillig ein.

Das Verhältnis zwischen den USA und dem chinesischen Telekommunikationskonzern ist schon länger belastet. Einerseits werfen US-Geheimdienste Huawei immer wieder vor, für die chinesische Regierung zu spionieren, andererseits soll das Unternehmen das Handelsembargo gegen den Iran verletzt haben. In diesem Zusammenhang wurde im Dezember die Huawei-Finanzchefin, die zugleich Tochter des Firmengründers Ren Zhengfei ist, in Kanada verhaftet. Dort prüfen die Behörden nun einen Auslieferungsantrag der USA.

Der Konflikt wird zudem durch den Handelsstreit zwischen den USA und China angefeuert – und trägt gleichzeitig zu dessen Verhärtung bei. Inzwischen ist darin eben auch Kanada verwickelt, da China als Reaktion auf die Verhaftung der Huawei-Managerin mehrere kanadische Staatsbürger festsetzte.

Spionagevorwürfe kamen in den vergangenen Tagen aber auch aus Polen. Dort nahmen die Behörden einen Huawei-Mitarbeiter in Gewahrsam, der zusammen mit einem polnischen Sicherheitsbeamten für China spioniert haben soll. Die polnischen Behörden gehen jedoch davon aus, dass der Mitarbeiter unabhängig und ohne Wissen von Huawei agiert hat. Trotzdem forderte der polnische Innenminister die Nato und die EU auf, gemeinsam Huawei aus bestimmten Märkten auszuschließen.

Huawei entließ den fraglichen Mitarbeiter umgehend, um sich von ihm und seinen Taten zu distanzieren. Kurz darauf wehrte sich auch Firmengründer Ren Zhengfei gegen die Spionagevorwürfe. Er liebe sein Land und unterstütze die kommunistische Partei. Trotzdem werde er „nichts tun, um der Welt zu schaden. „Ich sehe keinen engen Zusammenhang zwischen meinen persönlichen politischen Überzeugungen und den Geschäften von Huawei.“

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1 Kommentar zu Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen: US-Justiz ermittelt gegen Huawei

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  • Am 18. Januar 2019 um 11:46 von Hilfe-Agenten-überall

    „Der Mißbrauch wurde vom Gericht als nicht absichtlich und böswillig eingestuft“ klingt nach T-Mobile führt Huawei-Mitarbeiter durch das eigene Testlabor, der sieht den „robotergesteuerten“ Apparat und denkt sich: Sowas könnten wir bei uns auch nutzen. Jetzt wird ein großes Heckmeck drum gemacht.
    „Nicht absichtlich und böswillig“ klingt im Zusammenhang mit Spionage wie „konstruierter Agent“

    Und dann in Polen. Ein polnischer Ex?-„Sicherheitsbeamter“ zusammen mit einem Huawei-Mitarbeiter. Da sollte man wohl zuerst seine eigenen Lebenslangmitarbeiter besser vergattern, was sie preisgeben dürfen und was nicht. Vier- oder Noch-Mehr-Augen-Prinzip, wenn man dem eigenen einzelnen Beamten nicht traut. Um welche Informationen geht es dabei überhaupt? Antennenstandorte? Mobilfunkabdeckung militärischer Anlagen? Störung von Sicherheitskommunikation? Verlauf von Glasfasertrassen, an die man die Funken anbinden will? Das geht weder aus diesem noch aus dem verlinkten Artikel hervor. Wettbewerbsangebote westlicher Huawei-Konkurrenten werden es wohl weniger sein – da hat ein „Sicherheitsbeamter“ normalerweise keinen Zugriff drauf, sollte er zumindest nicht haben!

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