Qualcomm passt Lizenzmodell an

Eine Kappung der Berechnungsgrundlage könnte den anhaltenden Lizenzstreit mit Apple entschärfen. Für seine Patente verlangt Qualcomm einen prozentualen Anteil vom Verkaufspreis eines Smartphones - will dabei aber künftig nicht mehr als 400 Dollar ansetzen.

Qualcomm hat in einer Investorenkonferenz neue Lizenzbedingungen signalisiert, die vor allem Apple zugutekommen und damit den anhaltenden Lizenzstreit mit dem iPhone-Hersteller entschärfen könnten. Eine neue Berechnungsgrundlage käme vor allem den Herstellern von kostspieligeren Premium-Smartphones wie Apple und Samsung entgegen.

Qualcomm (Bild: Qualcomm)

Die Umsätze des Chipherstellers beruhen nicht nur auf auf den von ihm gelieferten Komponenten, sondern bislang auch ganz wesentlich auf Lizenzeinnahmen für Patente, an denen Smartphonehersteller nicht vorbeikommen. Das US-Unternehmen besitzt zahlreiche Patente für Techniken, die zu Mobilfunkstandards gehören – und soll den Verkauf seiner Chips an die Lizenzierung bestimmter Technologien knüpfen. „Über viele Jahre hat Qualcomm unfairerweise darauf bestanden, Gebühren für Technologien zu berechnen, die nichts mit uns zu tun haben“, lautet Apples Vorwurf. Qualcomm verlange sogar grundlos auch Lizenzen für “einmalige Funktionen” wie TouchID, fortschrittliche Displays und Kameras, die Apple entwickelt habe.

Im eskalierenden Lizenzstreit zwischen Apple und Qualcomm halten der iPhone-Hersteller und seine Zulieferer die geforderten Lizenzzahlungen zurück. Das sorgte für einen scharfen Einbruch von Qualcomms Lizenzeinnahmen im letzten Jahr. Obwohl das Unternehmen mit seiner jüngsten Quartalsbilanz immer noch die Erwartungen der Wall Street übertraf, kam es durch diese Entwicklung doch sichtbar unter Druck.

Apple und Qualcomm (Bild: Apple, Qualcomm)

Die Lizenzgebühren für seine Schutzrechte berechnet Qualcomm zumeist als prozentualen Anteil vom Verkaufspreis eines Smartphones. Dieses Lizenzmodell ist schon länger umstritten und auch Gegenstand von Untersuchungen, die Regulierungsbehörden in den USA, Südkorea und China durchführen. Als besonders betroffener Kunde bemühte Apple Gerichte in mehreren Ländern wegen der aus seiner Sicht überhöhten Lizenzforderungen.

Der Chiphersteller will künftig eine Preisobergrenze von 400 Dollar für den Gerätepreis einziehen, von dem es die prozentualen Lizenzgebühren berechnet. Das bedeutet konkret, dass für ein für 1000 Dollar verkauftes iPhone X keine höheren Lizenzkosten als für ein 400-Dollar-Smartphone anfallen. Damit kommt Qualcomm den Herstellern von Premium-Smartphones und vor allem Apple mit erheblich niedrigeren Lizenzforderungen entgegen.

Qualcomm scheint jetzt also bereit, geringere Einnahmen zu akzeptieren, um sein Lizenzmodell mit einem prozentualen Anteil vom Gerätepreis beibehalten und künftig wieder mit langfristig stabilen Lizenzeinnahmen rechnen zu können. Diese Bereitschaft kam offenbar bereits Samsung zugute, wie aus einer Äußerung von Qualcomms Finanzchef George Davis hervorging. Die um 300 Millionen Dollar abgesenkte Prognose der Lizenzeinnahmen führte dieser zu einem erheblichen Teil auf ein im Januar neu ausgehandeltes Lizenzabkommen mit Samsung zurück.

Themenseiten: Apple, Patente, Patentstreit, Qualcomm, Smartphone

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