Auch Microsoft liefert keine Gesichtserkennungs-Software an US-Strafverfolger

Das Unternehmen fordert vorab ein Bundesgesetz, das den Einsatz der Technik reguliert. Unter anderem will Microsoft den Einsatz von Gesichtserkennung auf Notfälle und auf gerichtliche Beschlüsse beschränken. Ähnliches fordert auch Amazon.

Nach IBM und Amazon hat auch Microsoft bekräftigt, dass es keine Techniken zur Gesichtserkennung an Strafverfolger in den USA verkaufen wird. Microsofts Chefanwalt Brad Smith kündigte laut Washington Post an, die Technik erst dann an Polizeibehörden abzugeben, nachdem ein Bundesgesetz zur Regulierung von Gesichtserkennungstechnologien verabschiedet wurde.

Das KI-Tool erkennt Gesichtsausdrücke und menschliche Emotionen (Bild: Microsoft).Bereits im April 2019 hatte sich Microsoft geweigert, eine Gesichtserkennungssoftware für Polizeifahrzeuge und Körperkameras von Polizisten im US-Bundesstaat Kalifornien bereitzustellen. Bei einer Veranstaltung der Washington Post erklärte Smith nun, Microsoft habe die Technik bisher überhaupt nicht an Strafverfolger verkauft. Zudem werde Microsoft neue Anforderungen festlegen, die über die Regel hinausgingen, die es bereits für die Nutzung von Gesichtserkennung außerhalb der Strafverfolgung gebe.

Erstmals forderte Microsoft im Juli 2018 ein staatliche Regulierung von Techniken zur Gesichtserkennung. Zu dem Zeitpunkt bestätigte das Unternehmen zwar eine Zusammenarbeit mit der US-Einwanderungsbehörde Immigration and Customs Enforcement, bestritt jedoch, die ICD mit Technik zur Erkennung von Gesichtern beliefert zu haben.

„Zum Schutz gegen den Einsatz von Gesichtserkennung zum Eingriff in die demokratischen Freiheiten sollte der Gesetzgeber den Strafverfolgungsbehörden nur dann gestatten, die Gesichtserkennung zur laufenden Überwachung bestimmter Personen in öffentlichen Räumen einzusetzen, wenn dies erforderlich ist“, teilte Microsoft vor zwei Jahren mit. Als Grundvoraussetzung nannte Microsoft eine gerichtliche Anordnung der Gesichtserkennung zu Überwachungszwecken. Außerhalb einer gerichtlichen Anordnung hält Microsoft den Einsatz nur dann für vertretbar, wenn eine unmittelbare Gefahr für Leben oder Gesundheit einer Person besteht.

Gesichtserkennung sollte nach Ansicht des Softwarekonzerns zudem stets fair, transparent und nicht diskriminierend sein. Außerdem setzt sich Microsoft dafür ein, dass Betroffene informiert werden beziehungsweise ihre Zustimmung geben müssen.

Auf Nachfrage von ZDNet USA ergänzte ein Firmensprecher: „In den vergangenen zwei Jahren haben wir uns auf die Entwicklung und Umsetzung starker Prinzipien konzentriert, die unseren Einsatz der Gesichtserkennung regeln, und wir haben eine starke staatliche Regulierung gefordert. Wir verkaufen unsere Gesichtserkennungstechnologie heute nicht an US-Polizeibehörden, und solange es kein starkes Bundesgesetz gibt, das auf den Menschenrechten basiert, werden wir diese Technologie nicht an Polizeibehörden verkaufen. Wir haben uns verpflichtet, mit anderen zusammenzuarbeiten, um für die erforderliche Gesetzgebung einzutreten. Wir nutzen diese Gelegenheit auch, um unsere Überprüfungsverfahren für jeden Kunden, der diese Technologie in großem Maßstab einsetzen möchte, weiter zu stärken.“

Anfang der Woche hatte IBM angekündigt, sich aus der Entwicklung von Gesichtserkennungstechnologien zurückzuziehen, aus Sorge, die Technik könnte zur Diskriminierung von Minderheiten eingesetzt werden. Amazon verhängte einen Tag später ein einjähriges Moratorium für die Nutzung seiner Gesichtserkennung durch Strafverfolger – ebenfalls mit dem Ziel, in der Zeit ein Gesetzt zur Regulierung der Technik auf den Weg zu bringen.

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Themenseiten: Microsoft, Privacy, Regulierung, Überwachung

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2 Kommentare zu Auch Microsoft liefert keine Gesichtserkennungs-Software an US-Strafverfolger

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  • Am 12. Juni 2020 um 20:42 von Gast

    #Zitat-Anfang#
    Auf Nachfrage von ZDNet USA ergänzte ein Firmensprecher: „In den vergangenen zwei Jahren haben wir uns auf die Entwicklung und Umsetzung starker Prinzipien konzentriert, die unseren Einsatz der Gesichtserkennung regeln, und wir haben eine starke staatliche Regulierung gefordert. Wir verkaufen unsere Gesichtserkennungstechnologie heute nicht an US-Polizeibehörden, und solange es kein starkes Bundesgesetz gibt, das auf den Menschenrechten basiert, werden wir diese Technologie nicht an Polizeibehörden verkaufen. Wir haben uns verpflichtet, mit anderen zusammenzuarbeiten, um für die erforderliche Gesetzgebung einzutreten. Wir nutzen diese Gelegenheit auch, um unsere Überprüfungsverfahren für jeden Kunden, der diese Technologie in großem Maßstab einsetzen möchte, weiter zu stärken.“
    #Zitat-Ende#

    ->Ich weiß nicht…geht es nur mir so, oder hat noch jemand Bauchschmerzen…ich meine…hat sich MS bei der Wahl aufstellen lassen oder ist Satya Nadella einer der nächsten Präsidentschaftskandidaten…Gouverneur…irgendwas…irgendwie demokratisch gewählt…irgendwas…
    …zudem ist es wie „Technologie nur gegen passende Ideologie“…
    …mag hier bei dieser Technik evtl. ja noch positiv sein…aber generell, wie gesagt, macht mir dieses Behaviour etwas Bauchweh…MS ist ja nun nicht gerade ein Unternehmen, von dessen Produkten keiner abhängig ist…die Marktmacht ist ja immens und wächst…
    ->geht es noch jemandem so?

  • Am 15. Juni 2020 um 12:21 von C

    In den USA gilt der Patriot-Act – und neuerdings der Cloud-Act (FISC/FISA).
    Das sagt schon alles… Und – Windows & IE/Edge sind NSA’s „Darling“.

    MS war mal für den User unterwegs durch die Entwicklung eines „sicheren“ OS, seinerzeit „Singularity“, wovon Alpha-Releases auch mal gezeigt wurden.
    Dann hat ein „Manager“ entschieden, dass Daten Absaugen und die Zusammenarbeit mit den Federales doch mehr Gewinn einbringt. That’s it. Gilt für alle US-basierten Unternehmen. Theoretisch auch für die kernel.org…

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