Bericht: Ex-Sprecher hat Daten von Wikileaks geklaut und zerstört

Es soll sich um bisher unveröffentlichte Informationen handeln. Seitdem Daniel Domscheit-Berg die Daten gestohlen hat, wird mit ihm verhandelt. Angeblich sind sie jetzt unwiederbringlich verloren.

Daniel Domscheit-Berg

Der frühere Wikileaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg hat anscheinend mehr als 3500 unveröffentlichte Dateien zerstört. Sie dürften unwiederruflich verloren sein, wie Spiegel Online berichtet. Es handelt sich demnach um Dokumente, die bis zum Spätsommer 2010 auf den Wikileaks-Servern lagerten. Eine Gruppe um Domscheit-Berg soll sie mitgenommen haben, als sie die Organisation verließ.

Nach Informationen von Spiegel Online hat Domscheit-Berg erklärt, er habe die Dateien „in den letzten Tagen geschreddert, um sicherzustellen, dass die Quellen nicht gefährdet werden“. Wikileaks-Gründer Julian Assange könne nicht für einen sicheren Umgang garantieren. Spiegel Online zufolge zählt dazu auch die sogenannte „No-Fly-Liste“ der US-Regierung. Sie enthält die Namen von Verdächtigen, denen das Betreten eines Flugzeugs untersagt ist. Assange zufolge befinden sich auch Insiderinformationen von 20 rechtsextremistischen Organisationen darunter. Domscheit-Berg wollte dies laut Spiegel Online nicht bestätigen.

Assange hat sich indes auf der Sympathisanten-Plattform WL Central vorgeblich selbst zu Wort gemeldet. Er erklärte, Domscheit-Berg habe Anfang 2010 eine Beziehung mit Anke Domscheit begonnen, die als Direktorin für Öffentliche Verwaltungsbeziehungen bei Microsoft angestellt gewesen war. Anfang 2011 verließ sie das Unternehmen nach drei Jahren und machte sich als Beraterin in Sachen Frauenförderung selbständig. Domscheit-Berg habe Assange wenig später mitgeteilt, dass er zu Anke Domscheit nach Berlin gezogen sei – ohne Absicherungsmaßnahmen vor Geheimdiensten. Zu diesem Zeitpunkt habe Wikileaks eine Anweisung ausgegeben, dass Domscheit-Berg nicht mehr mit Quellenmaterial in Berührung kommen dürfe. Assange legt zudem nahe, dass der deutsche Sprecher zu intensive Kontakte zu Geheimdiensten und Polizei gepflegt habe. Nach seiner Suspendierung im August 2010 habe Domscheit-Berg einen deutschen Wikileaks-Systemadministrator überzeugt, Schlüssel und Daten für eine große Menge an ausstehenden Veröffentlichungen zu besorgen.

Seitdem Domscheit-Berg vergangenen August entlassen wurde, versucht Wikileaks nach eigenen Angaben, die gestohlenen Informationen wiederzubeschaffen. Die Organisation wirft ihm vor, „Informationen ebenso wie Wikileaks‘ sicheres Einreichsystem, Gelder und die interne Dokumentation“ gestohlen sowie Wikileaks „sabotiert“ zu haben. Das Material sei unersetzlich.

Domscheit-Berg wirbt seit einiger Zeit für seine eigene Wikileaks-Alternative: OpenLeaks. Er hatte das Projekt zuletzt bei einem Sommercamp des Chaos Computer Club (CCC) vorgestellt. Er wurde laut Spiegel Online zunächst von Andy Müller-Maguhn, einem Mitglied des CCC-Vorstands, massiv kritisiert und in der Folge vom Vorstand aus dem Verein ausgeschlossen.

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