Gegen Stress: Prävention in der IT-Branche

Wie kann man Stress reduzieren? Anja Gerlmaier vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen befasst sich seit Jahren mit der Stressprävention in IT-Berufen. Sehr wichtig seien regelmäßige „Bauchschmerz-Runden“ in Meetings, bei denen die Projektmitarbeiter frei von der Leber weg über ihre Belastung und Hindernisse bei der Arbeit sprechen könnten. „Das ist bislang in vielen Unternehmen ein Tabu. Dabei ist offenes Sprechen die Basis jeder Veränderung der Arbeits- und Organisationskultur im Unternehmen.“

Für Entlastung sorgen etwa Regeln zur Kontrolle der Arbeitszeit, Projektleiter-Tandems als allgemeines Organisationsprinzip, damit bei Krankheit der Druck nicht ins Extreme steigt, besseres Mentoring bei der Übernahme neuer Aufgaben, die Einrichtung von Ruheräumen, Tabuzeiten für Meetings (mittags, abends) und vor allem verbindliche Regelungen für Pausen zur Erholung.

„Wichtig ist, dass alle Mitarbeiter und vor allem die Vorgesetzten diese Pausen unterstützen. Gut ist es auch, wenn die Teammitglieder die Möglichkeit haben, sich gemeinsam etwa beim Dart oder am Kicker zu entspannen. Optimal wäre es, wenn der Projektleiter die Pausen einhält oder als Zeichen auch mit zum Mittagessen geht“, erläutert Gerlmaier.

Das Team des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung München rät Unternehmen zudem, die Personalentwicklung auf die Lebensphase der einzelnen Mitarbeiter abzustimmen, um die psychische Belastung zu reduzieren. Ein Beispiel sind Beschäftigte in der Familienphase. „Für diese Gruppe ist Work-Life-Balance sehr wichtig. Sie wollen Planbarkeit und vor allem auch ab und zu von zu Hause arbeiten. Häufige Reisen sind kaum mit der Familie vereinbar“, erläutert Tobias Kämpf vom ISF.

Auch für ältere Arbeitnehmer seien Reisen und lange Arbeitszeiten besonders belastend. Sie wünschten sich zudem individuelle Ausstiegsszenarien jenseits der Altersteilzeit. „Diese lebensphasenspezifischen Rollenkonzepte sind Teil einer nachhaltigen Gesundheitsförderung. Sie muss zum integralen Bestandteil der Unternehmenspolitik werden und darf sich nicht in einzelnen Sonderveranstaltungen erschöpfen“, so Kämpf.

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