Kriselnde IT-Konzerne gefährden Olympia und Fußball-WM

Analyst John O´Brien hält künftig IT-Sponsoring sportlicher Großereignisse insgesamt für schwierig

John O’Brien, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Ovum, hat darauf hingewiesen, dass der Insolvenzantrag von Nortel und der Skandal um die Bilanzfälschungen beim indischen IT-Dienstleister Satyam ernste Gefahren für die Austragung der Olympischen Spiele 2012 in London sowie die Fußballweltmeisterschaften 2010 in Südafrika und 2014 in Brasilien darstellen.

Der krisengeschüttelte Telekommunikationskonzern Nortel ist als sogenannter Tier-One-Partner und offizieller Netzwerkausrüster für die gesamte Kommunikationsinfrastruktur der Londoner Spiele zuständig. Allein um als Sponsor auftreten zu können, zahlten die Kanadier dem Londoner Organisationskomitee über 40 Millionen Pfund (rund 43,2 Millionen Euro). Nortel ist außerdem als Netzwerkausrüster und -dienstleister für die Olympischen Winterspiele 2010 in Kanada vorgesehen.

O’Brien befürchtet, dass Nortels Pläne, Barreserven in Höhe von 2,4 Milliarden Dollar „zur Aufrechterhaltung der Liquidität und zur Bezahlung der laufenden Betriebskosten während des Restrukturierungsprozesses“ aufzuwenden, dazu führen könnten, dass die Kanadiern sich aus dem Sportsponsoring zurückziehen. Den Fall einer Pleite vor den Events traut sich der Marktforscher nicht auszumalen.

Satyam ist offizieller IT-Service-Provider der beiden Fußballweltmeisterschaften. Den Indern drohe nach dem Bilanzskandal jedoch die Abwanderung zahlreicher Kunden. Bereits jetzt sei der Konzern selbst verzweifelt auf der Suche nach Einnahmequellen. Außerdem merkt O’Brien an, dass sowohl die FIFA als auch das Olympische Komitee wohl kein Interesse daran hätten, mit Firmen zusammenzuarbeiten, deren Ruf nicht einwandfrei sei.

Darüber hinaus sieht O’Brien die Probleme der beiden Firmen auch als Mahnung für die Planung und das Sponsoring sportlicher Großereignisse überhaupt: Auch andere geplante oder sogar bereits unterschriebene Sponsoring-Verträge könnten seiner Ansicht nach gefährdet sein.

Dennoch sei es bei IT-Projekten, die so im Rampenlicht der Öffentlichkeit stünden, nicht ohne weiteres möglich, den Partner zu wechseln. Als mögliche Alternativen für Nortel nennt der Analyst Cisco – schließlich seien die Amerikaner schon früher an der Sponsoring-Partnerschaft interessiert gewesen. Als möglichen Ersatz für Satyam sieht er erprobte Anbieter wie IBM, Atos Origin (Partner der Olympischen Spiele in Peking), HP und Accenture sowie die indischen Satyam-Konkurrenten Infosys, Tata Consultancy Services und Wipro.

Test
Ovum-Analyst John O’Brien sieht durch die Wirtschaftskrise ernsthafte Probleme für das IT-Sponsoring sportlicher Großereignisse auf die Veranstalter zukommen (Bild: Ovum).

Themenseiten: Business, Cisco, HP, IBM, Nortel

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2 Kommentare zu Kriselnde IT-Konzerne gefährden Olympia und Fußball-WM

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  • Am 24. Januar 2009 um 7:35 von J.Dietachmair

    Korruptes System
    Beide (korrupten) Verbände, die sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichern und wo Ethik keinen Platz hat (Olympia in China!), müssen dann halt selbst ihre ungeheuren Vermögen benutzen und den sportbegeisterten Menschen in aller Welt etwas zurückgeben.

  • Am 21. Januar 2009 um 10:00 von Willi Wurst

    IBM für Netzinfrastruktur für die WM in Südafrika?
    Der südafrikanische Fußballverband wird sich zusammen mit der FIFA wohl sehr genau überlegen, ob ein Weltkonzern, der die Apartheidspolitik der früheren "weißen" Regierung aktiv unterstützt hat, in genau jenem Land eine so zentrale Stellung einnehmen wird. Das wäre Salz in die Wunden derjenigen, die bis Ende der 80er unter der Apartheid – egal in welcher Form – gelitten haben …

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