Studie: Microsoft treibt die Kosten in die Höhe

Neue Lizenzbestimmungen verteuern den Einsatz der Redmonder Software in 60 Prozent aller Unternehmen

Seit rund zwei Jahren steht Microsofts neues Lizenzierungsmodell, das Licensing 6 Program, in der Kritik – Unternehmen lehnten es mit der Begründung „zu teuer“ bereits in seiner Initiierungsphase ab. In vielen Fällen kamen sie jedoch um eine Unterzeichnung nicht herum. Nun belegt eine Studie der Yankee Group erstmals schwarz auf weiß, dass die Befürchtungen berechtigt waren.

Laut einer Umfrage von Yankee und Sunbelt unter 1000 IT-Managern weltweit gaben 60 Prozent an, dass ihre Aufwendungen für den Erwerb von Microsoft-Lizenzen gestiegen seien. Das ist weniger als die von Gartner im Oktober 2001 erwarteten 80 Prozent, belegt jedoch den gewinnbringenden Effekt des neuen Modells für Microsoft.

Die Firma von Bill Gates hatte das neue Programm erstmals im Mai 2001 angekündigt. Die teils heftig geführten Diskussionen darum verzögerten die Einführung jedoch um über ein Jahr – am 6. August 2002 trat es in Kraft. „Software Assurance“-Verträge sehen vor, dass Unternehmen Updates für einzelne Softwarepakete oder die gesamte Unternehmenssoftware auf die jeweils aktuelle Version zu vergünstigten Konditionen kaufen können. Zuvor war es jedoch auch möglich, Updates auf ältere Versionen zu erwerben und so einzelne Softwaregenerationen zu überspringen. Unternehmen sind mit dem 6 Program darauf verpflichtet, immer die neusten Programme und Betriebssysteme des Konzerns einzusetzen.

Nach Ansicht der Yankee-Analystin Laura DiDio kann Microsoft mit den 60 Prozent durchaus zufrieden sein – vor allem im Hinblick auf die Prognostizierten 80 Prozent. Dass es doch nicht so schlimm gekommen ist, erklärte sie sich durch zwei Faktoren: Viele Großunternehmen haben auch früher schon alle zwei bis drei Jahre ein umfassendes Update vorgenommen. Zum anderen habe Microsoft „entgegen der öffentlichen Meinung“ tatsächlich eng mit Firmen zusammengearbeitet, die sich den neuen Bestimmungen entziehen wollten. „Mit diesen gemeinsam hat man eine für beide Seiten tragbare Einigung erreicht“, so DiDio.

Die Studie teilt im Detail mit, dass rund 28 Prozent der Lizenznehmer ihre Ausgaben als gleich bleibend bezeichnen. 22 Prozent sprechen von einem Anstieg um fünf bis 20 Prozent. 16,8 Prozent machten eine 20- bis 30-prozentigen Zunahme aus, 7,4 Prozent sogar eine 30- bis 50-prozentige. 7,4 Prozent behaupteten, ihre Kosten hätten sich um wenigstens 50 Prozent erhöht, 6,3 Prozent sprechen von einer Verdoppelung.

Weitere Enthüllung: Dem Licensing 6 Program schlossen sich nur 28 Prozent aller relevanten Firmen weltweit an. Allerdings setzten 42 Prozent davon ihre Unterschrift unter das ältere und billigere Licensing 5 Program. Für dies lief die Frist Ende Juli vergangenen Jahres ab. Die Studie lässt jedoch offen, wie viele Konzerne sich auf „Enterprise Agreements“ einließen. Insgesamt bietet Microsoft nämlich drei Lizenz-Modelle an: „Open“, „Select“ sowie „Enterprise“ Agreements. Nur die ersten beiden sind vom neuen Modell betroffen.

Gartner-Analyst Alvin Park schätzt, dass der Anteil der Enterprise-Vereinbarungen von 15 auf 30 Prozent angestiegen ist. Anfang des Monats hatte CEO Steve Ballmer auf einer Analysten-Konferenz erklärt, 2500 bis 3000 von Microsofts 4000 größten Kunden hätten ein Enterprise Agreement unterzeichnet. „Das ist weit mehr, als wir erwartet hätten“, so Park. Der Analyst vermutet weiter, dass ein Drittel aller Konzerne sich der fünfer- oder sechser-Lizenzvereinbarung mit Microsoft grundsätzlich widersetzt. Ein weiteres Drittel habe sich mit dem Programm 5 abgefunden, der Rest sei Enterprise Agreements eingegangen.

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2 Kommentare zu Studie: Microsoft treibt die Kosten in die Höhe

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  • Am 21. März 2003 um 23:02 von Peter Thiel

    Zirkus der Eitelkeiten
    Nach 97 – 2000 – 2002 !<br />
    Oder NT4/5 XP und dann Longhorn !<br />
    Keine Fachpublikation verliert viele Worte über Sinn und Unsinn des Versions-<br />
    Reigens.<br />
    Da werden Universialität, moment bitte und etwas kleiner :(MSN)Net-Fähigkeit und andere netzbezogene Superkompati-bilitäten mit allen E-Mail / Fax / Chat / Messenger-Spielchen als unbedingtes Erfordernis der neuen Version werbewirksam prognostiziert !<br />
    Und nur ein Teil erweist sich dann in der Praxis als realisiert !<br />
    Veränderte Zusammenstellungen der Pakete<br />
    verlangen plötzlich einen höheren finanziellen Aufwand, wenn die gleichen MSN Arbeitsmittel in nun neuer Anordnung geupdatet werden sollen / müssen !<br />
    Eigentlich kein Grund für die nächste noch speicherintensivere Version, wenn <br />
    auch zukünftig nur noch eine skelettiöse<br />
    Explorerbasis im Rechner bleiben soll.<br />
    Denn MSN mit den auf MSN Servern ausgelagerten Programmteilen realisiert so seine globalen Net-Perspektive.<br />
    Und die neuen Abhängigkeiten ?

  • Am 21. März 2003 um 21:09 von expocityvoice

    Schreibt &#180;s auf die erste Seite!
    Dieser Artikel und ein Hinweis darauf sollten in der nächsten ZDNET stehen, damit man den Entscheidungsträgern diesen Artikel auf den Schreibtisch legen kann; diese lesen nur selten einen ZDNet Artikel online!

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