Blu-ray wird angezählt

Das könnte auch mit negativer Mundpropaganda zu tun haben. Von den 16 Prozent der Befragten, die bereits einen Blu-ray-Player besitzen, wartet die Hälfte nicht, bis ein Film auf Blu-ray erscheint, wenn die DVD bereits vorher erhältlich ist. 59 Prozent kaufen sogar häufiger DVDs als Blu-ray-Discs. Den von der Industrie so dringend erhofften kompletten Umstieg, nämlich den Austausch der DVD-Sammlung gegen eine Blu-ray-Videothek im eigenen Haus, vollziehen nur ein Drittel derjenigen, die ...

Unser amerikanischer ZDNet-Kollege Robin Harris hat sich schon früher ausführlich kritisch zu den Erfolgsaussichten von Blu-ray geäußert. Nur richtig zugehört hat ihm offenbar kaum einer. Nach einem Beitrag bei ZDNet.com, in dem sich Harris auf eine Umfrage von Harris Interactive beruft, schreckte gestern jedoch sogar die Blu-ray-Gemeinde in Deutschland auf. Die Schlagzeilen reichen vom eher gemäßigten „Blu-ray verbreitet sich nur langsam“ über leicht panische Untertöne bei „Rob Harris: Die Blu-ray steht vor dem Aus“ und der bangen Frage „Ist Blu-ray ein gescheitertes Format?„, bis zum reißerischen und sachlich nicht ganz korrekten „Neue Umfrage sieht Blu-ray im Todeskampf„. Aber worum geht es genau?

„Jetzt wäre eine gute Zeit, in Panik zu geraten“, schreibt Robin Harris den Marktstrategen, Rechteinhabern und Herstellern von Blu-ray-Produkten ins Stammbuch. Grund für den Alarm sind die Zahlen (PDF) einer Umfrage von Harris Interactive, denen zufolge das Interesse der Käufer am hochauflösenden Medium gesunken ist: 2008 planten noch neun Prozent der befragten US-Bürger die Anschaffung eines Blu-ray-Players, aktuell sind es sieben Prozent. Dagegen schlossen 2008 den kompletten Umstieg auf Blu-ray noch 65 Prozent für sich kategorisch aus. Dieses Jahr sind es bereits 75 Prozent.

Das könnte auch mit negativer Mundpropaganda zu tun haben. Von den 16 Prozent der Befragten, die bereits einen Blu-ray-Player besitzen, wartet die Hälfte nicht, bis ein Film auf Blu-ray erscheint, wenn die DVD bereits vorher erhältlich ist. 59 Prozent kaufen sogar häufiger DVDs als Blu-ray-Discs. Den von der Industrie so dringend erhofften kompletten Umstieg, nämlich den Austausch der DVD-Sammlung gegen eine Blu-ray-Videothek im eigenen Haus, vollziehen nur ein Drittel derjenigen, die bereits einen Blu-ray-Player besitzen.

Zweckoptimismus in der Blu-ray-Branche

Die Umfrageergebnisse von Harris Interactive stehen im krassen Widerspruch zu Zahlen (PDF) von Futuresource Consulting, die der Branchenverband Blu-ray Disc Group Deutschland im März veröffentlicht hat. Demnach erwarten die Marktforscher in den drei größten Märkten USA, Japan und Westeuropa 2009 die Verdreifachung Absatzes von Blu-ray Discs auf mehr als 100 Millionen Stück.

Auch die Zahl der verkauften Blu-ray-Player soll sich in diesem Jahr verdreifachen. 40 Prozent der in Europa abgesetzten neun Millionen Blu-ray-Discs (3,6 Millionen) gingen 2008 übrigens in Großbritannien über den Ladentisch. In Deutschland, wo gut 20 Millionen Menschen mehr wohnen als in Großbritannien, konnten dagegen nur 1,6 Millionen (rund 18 Prozent) einen Käufer finden.

Kein Wunder, dass Filmanbieter bei Amazon immer wieder Rabattaktionen durchführen, um den Absatz anzukurbeln. Auch kein Wunder ist, dass sich die Blu-ray-Lobbyisten gestern beeilten mitzuteilen, dass derzeit in Deutschland rund 1100 Filme im Blu-ray-Format erhältlich seien und in diesem Jahr bereits 1,8 Millionen Blu-ray-Discs verkauft worden sind. Den Durchschnittspreis eines Films im Blu-ray-Format gibt die Blu-ray Disc Group Deutschland derzeit mit 20,30 Euro an. Das seien sieben Euro weniger als im Vorjahr.

Weihnachtsgeschäft als letzte Chance

Dennoch sieht Robin Harris das diesjährige Weihnachtsgeschäft als letzte Chance für das Format, den Durchbruch auf breiter Basis zu schaffen. Um nicht ein Nischenformat zu bleiben, seien eine große Zahl günstiger Player und weitere Preissenkungen bei den Filmen notwendig. HD-fähige Fernsehgeräte stünden inzwischen in immer mehr Haushalten – der eine oder andere freut sich vielleicht, wenn er damit dann endlich auch hochauflösende Inhalte betrachten kann.

Robin Harris sieht das diesjährige Weihnachtsgeschäft dennoch als letzte Chance. Notwendig seien eine große Zahl günstiger Player und weitere Preissenkung bei den Filmen. HD-fähige Fernsehgeräte stünden inzwischen in immer mehr Haushalten – der eine oder andere freut sich vielleicht, wenn er damit dann endlich auch hochauflösende Inhalte betrachten kann.

Möglicherweise verpassen die Hersteller aber genau diese letzte Chance auf den breiten Durchbruch: Der taiwanische Branchendienst Digitimes rechnet erst für 2010 damit, dass die Preise deutlich – nämlich um 50 Prozent – sinken. Dass günstige Einstiegskosten durchaus ein Anreiz sein können, zeigten kürzlich Aktionen in den USA, bei denen Blu-ray-Player für 99,99 Dollar angepriesen und auch umgehend abverkauft waren. Der Haken: 100 Dollar sind derzeit – wieder laut der in diesen Dingen gewöhnlich gut informierten Digitimes – ungefähr die Herstellungskosten eines Blu-ray-Players. Verdient ist damit also nichts. In Deutschland kosten günstige externe Geräte derzeit rund 150 Euro.

Übrigens: Unser US-Kollege Robin Harris hat mit Harris Interactive nicht mehr als den Namen gemeinsam und besitzt auch keine DVD-Fabrik. Mit wem ihn welche Interessen verbinden, steht hier.

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4 Kommentare zu Blu-ray wird angezählt

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  • Am 30. Juli 2009 um 10:11 von Bernhard

    Blu-ray
    Blu-ray ist einfach noch zu teuer, und die wenigsten können, oder wollen das Geld dafür Ausgeben. Was Bringt mir ein Blu-ray Player; wenn mir die anderen Geräte, wie HD Ready LCD, und eine ordentliche Audioanlage fehlen. Wenn man das mal Hoch rechnet, ist man unterm strich mal schnell mindestens 1500 Euro los. Meist hat man noch ein sehr Hochwertiges Röhrengerät oder eine Stereoanlage Zuhause, die man ungern einfach im Keller vergammeln lassen will. ich für meinen teil sage ich Kauf mir erst einen Blu-ray Wenn mein Alter TV den löffel abgibt und ich einen LCD Full Ready hab. Wenn man die Preisentwicklung für LCD verfolgt, sieht man, das Geräte die vor einem Jahr noch über 1200 Euro gekostet haben, jetzt für 449 Euro über den Ladentisch gehen. Wenn wir; die Endverbraucher noch warten, werden auch die Blu-ray Player noch Günstiger. Denn der Vergleich, DVD Player 19,99 EUR zu Blu-ray Player 160-350 EUR ist enorm!

  • Am 30. Juni 2009 um 10:16 von MoreBrain

    BD: Alles im grünen Bereich
    Wie bekloppt kann man sein?!
    Wenn das Projekt "Blu Ray" scheitert, dann nur wegen genau dieser Negativ-"ist bald tot"-Propaganda.

    Gemessen daran, wie teuer BD gegenüber DVD hard- und softwareseitig ist, läuft das Geschäft schon drei mal so gut, als man es annehmen sollte.

    Die DVD wurde damals genauso bombardiert. Als ich damals in einer Videothek danach fragte, wurde ich böse angeguckt und konnte mir einen Spruch anhören wie "dieser Scheiß wird bald wieder verschwinden".

    Der Unterschied zwischen VHS und DVD war damals größer, als heute zwischen DVD und BD.
    Und die DVD hatte sich erst dann richtig durchgesetzt, als die Preise für die Medien und die Player deutlich gefallen waren.

    Auch vor der Krise wurde man für bekloppt gehalten, wenn man 100 Euro für einen DVD-Player ausgab: "Wieso? Du bekommst doch schon einen für 30 Euro".

    Nun, die BD ist besser als die DVD, aber sie ist auch nicht so viel besser, einen Aufpreis gegenüber der DVD zu verlangen.
    Wenn die DVD für 6.99 Euro im Regal steht, wer soll dann den gleichen Film auf BD für 14.99, 19.99 oder gar 34.99 Euro kaufen ?!!

    Wenn den Leuten 100 Euro für einen Abspieler zu teuer wurde, geben sie nicht plötzlich 200 Euro dafür aus, egal ob DVD oder BD dran steht.

    Amazon erreicht durch die Rabatt-Aktionen einiges.
    Die Preise werden so !erträglich!. Warum sollte ich bei Media Markt eine BD für 30 Euro kaufen, wenn ich sie bei Amazon für 15 Euro bekomme. Und selbst das ist noch bis zu 100% teuerer als die DVD.

    Wenn die Preise weiter fallen – für Player und für Medien, dann wird der "Siegeszug" weiter fortgesetzt.

    Was der Robin hier macht, ist Rufmord.

    Eine reale Bedrohung gibt es aber tatsächlich:
    Viele Leute setzten auf BD, um endlich HD-Inhalte sehen zu können,
    weil sie keine Alternative hatten.
    Doch so langsam gibt es wirklich auch ein Angebot via TV-Sender.
    Selbst in Deutschland gibt es bald dank Sky ein umfassendes Angebot an HDTV-Sendern.
    Hinzu kommen die bald startenden Öffentlich-Rechtlichen und die wieder startenden Privaten Free-TV Sender.

    Wenn ich 50 Euro für ein Sky-PayTV-Angebot ausgebe, fehlt mir die Summe im BD-Budget. So sehe ich die Filme, die ich mir ggf. auf BD gekauft oder gemietet hätte, auf anderem Wege.

    • Am 9. Juli 2009 um 10:02 von Peter Kramer

      BlueRay dem Untergang geweiht!
      Blue Ray ist aus meiner Sicht dem Untergang geweiht – Stichwort Evolution!

      Warum: Weil das klobige CD/DVD Format einfach ausgedient hat.

      MicroSD Karten und dergleichen gehört die Zukunft!

  • Am 28. Juni 2009 um 18:50 von Buser

    Blu-ray im Todeskampf =Vorverurteilung
    Was für ein Geschrei wieder einmal gegen das neue tolle Format!
    Ihr Vorherseher habt ihr schon gemerkt, dass die ganze Welt in einer Finanz Krise steckt. Lasst doch der Welt und den Leuten Zeit sich diese Dinge zu kaufen wenn wieder mehr Geld in jedem Beutel steckt!!!!!
    Schreit doch nicht jetzt schon wieder, dass es bald aus ist, mitten in der Krise. Richtig die Preise sollten jetzt schnell runter eben auch wegen der Krise. Ich denke, dass sich viele solche Dinge leisten würden trotz Krise, aber dazu müssen sie wirklich billiger werden, dann löst die Blu-ray die DVD ab.
    Solche negativ Presse wirkt sich auch negativ aus oder habt ihr noch nie Psychologie studiert. Besser gesagt sollte eigentlich der gesunde Menschenverstand dazu reichen.
    Sagt den Leuten, dass es bald aus ist und ihr werdet Euer Ziel erreichen, denn keiner kauft sich dann die neuen Geräte, weil es ja nicht nötig ist und die Blu-ray sowieso bald in den letzten Zügen liegt.
    Versucht es mal vermehrt mit positiv Presse und mehr Werbung! Ihr werdet Euch wundern.

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