Neue Stasi-Liste veröffentlicht

Nierenspende.de nennt Namen von Anwälten mit angeblicher Spitzelvergangenheit

Die Betreiber der Site Nierenspende.de haben drei Wochen nach der vorübergehenden Sperrung eine weitere brisante Liste ins Netz und zum Download bereit gestellt. Unter www.nierenspende.de/… findet sich eine 21-seitige Tabelle von Personen, die an der Juristischen Hochschule Potsdam promoviert haben, jetzt als Anwälte tätig sein sollen und angeblich früher Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes waren.

Genannt werden Thema und Umfang der Doktorarbeit, Name, Vorname und Geburtstag der Absolventen sowie der angebliche Dienstgrad und die Abteilung in Mielkes Spitzelapparat. Die Datei liegt verpackt im „.zip“-Format (81 KByte) zum Download bereit.

Unter der gleichen Adresse stand Anfang Januar eine Liste von Stasi-Mitarbeitern über Tage hinweg abrufbereit. Der technische Administrator hatte wegen des „hohen Traffics“ den Zugang zu der Domain vorübergehend gesperrt. Datenschutzbeauftragte von Bund und Ländern empfahlen indessen Personen, die sich ungerechtfertigt in der Liste genannt sehen, ihren Rechtsanwalt aufzusuchen. Der Betreiber der Site, Manfred Lerch, erklärte jetzt, man habe sich deshalb entschlossen, diese Liste der Rechtsanwälte mit angeblicher Stasi-Vergangenheit zu veröffentlichen.

Lerch erklärt gegenüber ZDNet, er werde auch in Zukunft brisantes Material zur Verfügung stellen. Allerdings stehe in Kürze ein Umzug zu einer internationalen Domain bevor. Dass er mit diesem Vorhaben nicht schlecht beraten ist, beweisen nicht nur die Reaktionen der Datenschützer, sondern auch der Gauck-Behörde. Deren Sprecherin Cornelia Bull erklärte auf Anfrage, die Veröffentlichung der Listen sei „eine Art des Umganges mit Informationen, die eindeutig nicht im Einklang mit den geltenden Gesetzen steht“.

Die beiden Listen stammen nach ihren Angaben nicht von der Gauck-Behörde und sind auch nicht von dieser autorisiert. „Offenkundig stützen sie sich aber auf Aufstellungen, die vom Ministerium für Staatssicherheit selbst erarbeitet worden sind“, so Bull. Die Nennung eines Namens in dieser Liste sei „noch kein zwingender Hinweis auf Mitarbeit bei der Stasi“. Zur neuen „Anwaltsliste“ gibt Bull zu bedenken, dass nicht jeder in der Liste genannte Jurist heute auch Anwalt oder Richter sei.

In der Gauck-Behörde macht man sich derzeit ferner darüber Gedanken, wie mit dem eigenen Internet-Forum (www.snafu.de/…) umzugehen ist. In den vergangenen Wochen waren dort nicht nur URLs mit der begehrten Liste, sondern auch Morddrohungen und Beschimpfungen aufgetaucht. „Wir werden mit dem Forum in Zukunft pfleglicher umgehen“, verspricht Bull.

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4 Kommentare zu Neue Stasi-Liste veröffentlicht

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  • Am 2. September 2016 um 20:37 von Andreas Schulz

    Nach jahren werde ich noch immer von ehemaligen Volkspolizisten [Teile des Kommentars von der Redaktion gelöscht] beschimpft, er sagte zu mir ,Du Schwein hättest in der Bautzner Str. verrecken sollen. Ich beschimpfte Ihn auch,Ich habe Ihn gesagt er soll mich zufrieden lassen .Er zeigte mich an ,habe von der Staatsanwaltschaft einen Brief bekommen ,da stand darin das der Fall nicht bearbeitet wird. Habe Ihn mal wieder angetroffen ,er sagte zu mir ,Du hast doch nicht von mir keine Beweise ,und das hat doch keiner gesehen was ich mit Dir gemacht hatte. ich wurde zu DDR-Zeiten jede Woche vorgeladen, wegen ,,Klärung eines Sachverhalts,, Bei Ihn in Büro hat er mich mehrmals angeschrien ,Wo warst Du gestern,jede Woche dasselbe,manchmal Schlug er zu. Wieso wird er nicht Bestraft ? [Teile des Kommentars von der Redaktion gelöscht] Habe in Dresden in der Bautzner Str.in Untersuchungshaft ,wegen Republikflucht gesessen, habe 70 Prozent Schäden davon getragen.

  • Am 10. Oktober 2004 um 17:40 von Werner

    Spitzel
    Ist jemand im Forum der über zwei Stasioffizier auskunft geben kann.
    1. Oberleutnant des MfS bei der Bezirksverwaltung Erfurt Hans Uwe Alsen. Oberleutnant Alsen war Abteilungsleiter der Abt.XX/A
    2. Oberleutnant Mörstedt ebenfalls in der Abt. XX/6 der Bezirksverwaltung Staatssicherheit in Erfurt.
    Beide Stasioffiziere arbeiten heute in der Rotstern GmbH & Co.KG

  • Am 27. Juni 2002 um 11:08 von Bernard Athmer

    Veröffentlichung der Stasimitarbeiter
    Als verwöhnter Westler, kann ich die Bespitzelung in der DDR nur schwerlich nachvollziehen. Allein die Vorstellung Niemanden trauen zu können gleicht einem Psycho – Horrorfilm. Drum würde ich, um die Gauckbehörde nicht in Verlegenheit zu bringen, über das Ausland per Internet für eine Veröffentlichung der Spitzel und ihren heutigen gesellschatlichen Stand plädieren. Nicht was oder wen sie erspizelt haben interessiert, sondern allein, daß sie es getan haben reicht für eine Veröffentlichung.

    • Am 17. April 2009 um 20:21 von ludwig

      AW: Veröffentlichung der Stasimitarbeiter
      Hallo Herr Athmer,

      ich teile ganz und gar Ihre Meinung. Man möchte doch gerne wissen, wenn sich diese Chance schon anbietet, welches Charaktergesindel zur Bekanntensphäre gehört, alleine um dieses zu meiden. So hatte ich bereits 2x über viele Jahre hinweg sehr unangenehme Erfahrungen mit ehemaligen DDR-lern machen müssen und ich war mir immer ziemlich sicher, dass solche schmutzigen Charaktere nur in der Stasi-DDR gezüchtet werden konnten. Unter dem Schirm des Atheismus gedeihen diese Typen offenbar auch noch besonders gut. Leider ist es meinerseits schon soweit gekommen, solchen Individuen grundsätzlich, falls dies möglich, aus dem Weg zu gehen. weil nahezu bisher jeder ehemalige DDR-ler, ob ehemaliger Stasi oder nicht, im Vergleich zu einem Westler, ungleich weit höhere Abstoßungseigenschaften hat. Und das Tolle ist, die bekommen von den westlichen Behörden auch meist noch Recht!! Diese Leute genießen oder erschwindeln sich, wie gewohnt, jede mögliche Vorzugsbehandlung.
      Die Birthler-Behörde ist schlicht moralisch verpflichtet, zum Schutze der Bevölkerung, diese Namen zu veröffentlichen. Es besteht ein starkes öffentliches Interesse.

      Mit freundlichen Grüßen
      Ludwig

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