IBM: Grid-Computing und das Internet

Eines der Probleme, das durch den Betrieb eines solch allgegenwärtigen virtuellen Computers als Bestandteil des Internets auf uns zu kommt, liegt darin, damit zugleich ein von Natur aus komplexes System zu schaffen. Ein weiteres Forschungsgebiet stellen die autonomen Systeme dar, die angeblich eine eher selbstreparierende Computing-Umgebung schaffen werden. Können Sie uns sagen, wo das autonome Computing heute steht?

Antwort: Ich möchte zunächst etwas zur Frage der Komplexität sagen, denn die ist sehr wichtig. Wie auch bei anderen wichtigen technischen Infrastrukturen, wie den Elektrizitäts- und Telefonnetzen, zielt sie darauf ab, dass auch wenn die Infrastruktur selbst zwar komplex ist – beispielsweise brauchen wir zur Energie-Erzeugung den Hoover-Staudamm, Übertragungsleitungen aus der Hudson-Bucht, Kernkraftwerke in Kanada – wenn Sie sich zum Frühstück ein Brötchen toasten wollen, dann brauchen Sie das alles nicht zu wissen.

Es ist wichtig, die Komplexität so einzukapseln, dass sich die IT-Nutzer und die Entwickler von Anwendungen nicht damit auseinander zu setzen brauchen. Sie haben einfach nur eine Reihe von Schnittstellen, die sie benutzen und die bestens funktionieren.

Und nun stellt sich die Frage, wie wir diese Komplexität in den Griff kriegen. Eines der wichtigsten Mittel, das wir unbedingt entwickeln müssen, wenn wir diese Komplexität beherrschen wollen, ist ihre Automatisierung. Wir müssen die Systeme so gestalten, dass sie sich stärker selbst verwalten. Wir müssen in unsere Systeme und die gesamte Infrastruktur die Fähigkeit einbauen, Fehler zu entdecken und diese selber zu beheben. Die Systeme müssen Angriffe entdecken und sich selbst vor Hackern oder anderen Angriffssystemen schützen. Sie müssen sich selbst optimieren. Wenn Sie also ein Programm haben, das erkennt, dass es langsamer wird, weil es zu stark in Anspruch genommen wird, sollte es bei laufendem Betrieb weitere Kapazitäten hinzufügen, so dass es weiterhin innerhalb einer vernünftigen Zeitspanne reagiert. Die Systeme müssen sich selbst konfigurieren. Wenn Sie dem System neue Komponenten hinzufügen, wird das System diese selbständig erkennen und online schalten, und alles funktioniert.

Um dies alles umsetzen zu können, haben wir im letzten Jahr bei IBM eine Initiative begonnen, die sich „Autonomes Computing“ nennt. Wir haben das als branchenweite Initiative ins Leben gerufen, denn wir sind überzeugt, dass diese komplexen Probleme nur gelöst werden können, wenn die gesamte Branche zusammenarbeitet, um das Self-Managing voranzutreiben.

Wie weit ist der Prozess der Zusammenarbeit mit den anderen Unternehmen fortgeschritten?

Einige Unternehmen, wie beispielsweise HP und Unisys, haben bereits eigene Projekte zum autonomen Computing entwickelt. Ich glaube, das kommt in der Industrie öfter vor, dass jemand eine gute Idee hat und die Märkte dann nachziehen. Wir alle tauschen unsere Forschungsergebnisse gegenseitig aus. Zum Beispiel veranstaltete unser Almaden-Forschungsinstitut in San José, Kalifornien, Anfang April ein Treffen, das sich mit dem autonomen Computing beschäftigte. Die Teilnehmer kamen aus Stanford, von der Berkeley University of California, von Sun, von HP und anderen Unternehmen aus der Branche und tauschten ihre Gedanken zum aktuellen Stand der Forschungen aus.

Ein Bereich, in dem wir beim Aufbau von autonomen Infrastrukturen zusammenarbeiten werden, ist gerade das Grid Computing, und zwar, weil wir eine Reihe von gemeinsamen Protokollen benötigen, die auf allen Systemen laufen, so dass die verschiedenen Systeme miteinander kooperieren können, wenn wir eine heterogene, sich selbst managende Infrastruktur aufbauen wollen.

Gemeinschaftlich werden wir vor allem in den Bereichen Sicherheit über unterschiedliche Systeme hinweg und Algorithmen zur Selbstreparatur zusammenarbeiten. Das sind beispielsweise Workload Manager, die in der gesamten Infrastruktur wirksam werden und die feststellen können, an welchen Knotenpunkten es Probleme gibt, diese Knoten aus dem Netz nehmen und deren Funktion an andere, normal funktionierende Knoten umleiten können. Da die Infrastruktur heterogen ist, brauchen wir allgemein gültige Protokolle. Der Aufbau autonomer Funktionen ist eine der wichtigsten Aufgaben der Grid-Protokolle.

Themenseiten: IT-Business, Technologien

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu IBM: Grid-Computing und das Internet

Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *