Categories: RechtRegulierung

Digital Markets Act: EU-Kommission benennt Torwächter

Die Europäische Kommission hat die Unternehmen und Dienste benannt, die sie im Rahmen des Gesetztes über digitale Märkte (Digital Markets Act, DMA) als Torwächter (Gatekeeper) einstuft. Gegen die Einstufung bestimmter Dienste haben bisher Apple und Microsoft Beschwerde eingelegt.

Als Torwächter bezeichnet die EU Unternehmen, die „zentrale Plattformdienste“ bereitstellen, die „ein wichtiges Zugangstor für Verbraucher darstellen“. Dazu zählt die Kommission nun die Google-Mutter Alphabet, Amazon, Apple, ByteDance, Meta und Microsoft.

Beschwerden laufen zu Bing, Edge und iMessage

Einen Torwächter-Status haben zudem nach Ansicht der EU die sozialen Netzwerke TikTok, Facebook, Instagram und LinkedIn, die Kommunikationsdienste WhatsApp und Facebook Messenger, Youtube, Google Search, Google Maps, Google Play, Google Shopping, Amazon Marketplace, Apple App Store und Meta Marketplace. Außerdem sind die Betriebssysteme Android, iOS und Windows sowie die Browser Chrome und Safari betroffen. Auch die Werbedienste von Google, Amazon und der Facebook-Mutter Meta sollen die Kriterien erfüllen.

Zu dieser Liste, je nach Ausgang des Beschwerdeverfahrens, könnten noch iMessage von Apple sowie Bing, Edge und die Werbeplattform von Microsoft hinzukommen. Hierzu laufen derzeit Marktermittlungen der EU-Kommission, um die Argumente der Beschwerdeführer zu prüfen. Die Untersuchung soll innerhalb von fünf Monaten abgeschlossen sein.

Bei drei weiteren Diensten kam die EU zu dem Ergebnis, dass sie zwar die Schwellenwerte für die Einstufung erreichen, die Betreiber jedoch ausreichende Gründe vorgelegt hätten, dass die Dienste kein Zugangstor für zentrale Plattformdienste sind: die E-Mail-Dienste Google Gmail, Microsoft Outlook.com und der Browser Samsung Internet.

Die Auflagen des Gesetzes müssen die Anbieter nun innerhalb von sechs Monaten erfüllen. Apple könnte dadurch beispielsweise gezwungen sein, alternative App-Marktplätze für iOS zuzulassen. Zudem müssen Hersteller ihren Kunden künftig ermöglichen, vorinstallierte Software oder Apps zu deinstallieren. Auch dürfen Nutzer zum Zwecke gezielter Werbung nur noch mit ihrer ausdrücklichen Zustimmung nachverfolgt werden. Das würde unter anderem Facebooks Werbegeschäft betreffen.

Stefan Beiersmann

Stefan unterstützt seit 2006 als Freier Mitarbeiter die ZDNet-Redaktion. Wenn andere noch schlafen, sichtet er bereits die Nachrichtenlage, sodass die ersten News des Tages meistens von ihm stammen.

Recent Posts

KI-Trends 2024: Experience Innovation als Wachstumstreiber

Eine Studie der Yale-Universität zeigt, dass 58 % der CEOs optimistisch in Bezug auf die…

11 Stunden ago

Zahl der Ransomware-Opfer steigt um 90 Prozent

Security Report 2024 von Check Point zeigt Verbreitung von Ransomware und das Potenzial KI-gestützter Cyberabwehr.

15 Stunden ago

Chatbot für nachhaltigen Lebensmittelkauf

Die Kennzeichnung von Lebensmitteln ist allzu oft ein Buch mit sieben Siegeln. Ein bayrisches Forschungsprojekt…

1 Tag ago

KI-gestützte Flugsicherung auf Vertiports

Wie schützt man Landeplätze für Flugtaxis? Forschende am Fraunhofer-Institut entwickeln gerade ein passendes Sensornetzwerk.

2 Tagen ago

9 von 10 Pornokonsumenten haben ungeschützten Cyberverkehr

3 Prozent der Befragten gucken Inhalte sogar im Büro. Lediglich 6 Prozent schützen sich mit…

2 Tagen ago

Sind Smartphones auch ohne Apps denkbar?

Warum sich noch mit Details beschäftigen? Ende Februar will die Telekom zeigen, wie ein KI-Assistent…

2 Tagen ago