Oracle-CFO: Wir wollten diesen Prozess gegen Google nicht

Im Java-Prozess ist am Freitag Oracles Finanzchefin und Präsidentin Safra Catz in den Zeugenstand gerufen worden. Oracles Anwalt Marc David Peters wollte mit ihren Aussagen unter anderem den Vorwurf Googles widerlegen, Oracle hätte das Verfahren nur angestrengt, weil es selbst den Einstieg in den Smartphonemarkt nicht schaffte. Oracle-Chef Larry Ellison hatte in einer früheren Aussage eingeräumt, dass Oracle unter anderem Sun gekauft hatte, um selbst in das Geschäft mit Smartphones einzusteigen – es sei allerdings kein vorrangiger Grund gewesen.

Richter William Alsup unterwies die Jury jedoch, dass die Motive nicht von Bedeutung seien, es vielmehr nur um die gesetzlichen Rechte der beiden Parteien gehe. Peters begann mit der Frage, ob Oracle jemals zum Projekt Apache Harmony beigetragen oder es genutzt habe, das eine Open-Source-Version von Java entwickeln wollte. Catz verneinte jede Mitwirkung: „Wir brauchten das nicht, weil wir unsere eigene unabhängige Implementierung und eine Lizenz von Sun hatten.“

Die Finanzchefin berichtete weiter, Oracle habe sich nach seiner Sun-Übernahme im Januar 2010 mehrmals mit Google in Verbindung gesetzt, um „diese Angelegenheit zu klären“. „Wir wollten uns nie in diese rechtliche Auseinandersetzung mit Google begeben“, sagte sie. Sie selbst habe an mindestens vier Treffen teilgenommen, um die Probleme mit Google außergerichtlich zu lösen. Oracle habe dabei zwei Ziele verfolgt: Android kompatibel zu Java zu machen sowie eine Java-Lizenz für Android zu vereinbaren, verbunden mit einer Zahlung für das geistige Eigentum.

Catz stellte einen Austausch von E-Mails mit Alan Eustace von Google heraus, der eine klar ablehnende Position vertrat: „Wir werden nicht für Code bezahlen, den wir nicht benutzen, oder geistige Eigentumsrechte lizenzieren, von denen wir nachdrücklich überzeugt sind, dass wir sie nicht verletzen, und die Sie nicht einmal einzeln benennen wollen. Googles Entwickler haben beträchtliche Zeit und Anstrengungen aufgewandt, um von Grund auf eine Open-Source-Alternative zu geschlossenen Systemen zu entwickeln.“

Ob es weitere und eventuell erfolgreiche Gespräche mit Google gegeben habe? Die Oracle-Managerin erklärte, es habe wohl ein paar weitere, aber offensichtlich nicht erfolgreiche Versuche gegeben. „Nein, und deshalb sind wir hier“, fügte sie hinzu.

Im Kreuzverhör gab sie zu, keine persönliche Kenntnis über das zu haben, was Sun vor der Übernahme gegenüber Google gesagt hatte. Google-Anwältin Christa Anderson wollte schließlich noch von der Finanzchefin wissen, über wie viele Anteile an Oracle sie selbst verfügt. Catz berichtete von Aktien im Wert von rund 18 Millionen Dollar – „wirklich ein amerikanischer Traum“. Sie verfüge damit über größere Anteile als alle anderen Mitarbeiter nach CEO Larry Ellison, räumte sie ein, aber es gebe außerdem zahlreiche Investoren mit höheren Anteilen.

[mit Material von Rachel King, ZDNet.com]

ZDNet.de Redaktion

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