Ad-Tracking in iOS 14: Facebook legt sich mit Apple an

Facebook hat sich mit Apple angelegt. In ganzseitigen Anzeigen in mehreren US-Tageszeitungen kritisiert das Social Network Apples neue Regeln für das Nutzer-Tracking zu Werbezwecken. Sie sind Bestandteil von iOS 14 und sollen Anfang 2021 eingeführt werden.

Vorgestellt wurden die Regeln, wie auch die von WhatsApp abgelehnten Privacy Labels für iOS-Apps, bereits im Juni während der Entwicklerkonferenz WWDC. Sie sollen das Sammeln von Nutzerdaten für zielgerichtete Werbung einschränken, was laut Facebook verschiedenen Ad-Tracking-Funktionen für Apps den Boden entzieht. Die für 2020 geplante Einführung verschob der iPhone-Hersteller letztlich auf das kommende Jahr, um Entwicklern mehr Zeit zu geben, ihre Apps an die neuen Regeln anzupassen.

Die Änderungen betreffen die Werbe-ID IDFA (Identifier for Advertisers), mit der Apple und auch App-Entwickler die Aktivitäten von iPhone- und iPad-Nutzern verfolgen können. Unter anderem schränkt Apple die Nutzung für Drittanbieter ein. Nach eigenen Angaben geht das Unternehmen dabei vor allem auf Bedenken von Nutzern ein, die eine Verfolgung ohne ihrer Zustimmung sowie die Weitergabe ihrer Informationen an Werbenetzwerke und Datenhändler befürchten.

Facebook wiederum warnt, dass die neuen Vorgaben und die daraus resultierenden Einschränkungen für das Nutzer-Tracking zu weniger Einnahmen für Werbetreibenden führen wird. In den ganzseitigen Anzeigen, die unter anderem in der Washington Post und dem Wall Street Journal erschienen sind, räumt Facebook auch ein eigenes Interesse an einem uneingeschränkten Tracking ein – für kleine Unternehmen seien die neuen Regeln jedoch „verheerend“.

In einem offenen Brief hatte Jane Horvath, oberste Datenschützerin bei Apple, die strengeren Richtlinien bereits im vergangenen Monat verteidigt. Sie kritisierte stattdessen Facebook für seine Datensammlung und betonte, dass Apple hinter den neuen Transparenzfunktionen für das App-Tracking sowie seine Datenschutzmaßnahmen stehe.

„Die Facebook-Führung hat deutlich gemacht, dass es ihre Absicht ist, so viele Daten wie möglich zu sammeln, sowohl über Erst- als auch über Drittanbieterprodukte, um detaillierte Profile ihrer Nutzer zu entwickeln und zu monetarisieren, und diese Missachtung der Privatsphäre der Nutzer weitet sich auf immer mehr ihrer Produkte aus“, konterte Horvath Facebooks Kritik.

Unklar ist, ob die Werbe-ID IDFA auch in ihrer neuen Form überhaupt zulässig ist, vor allem innerhalb der Europäischen Union. Zumindest unterstellt die Datenschutzinitiative Noyb des österreichischen Juristen und Aktivisten Max Schrems, dass selbst nach Umsetzung der Änderungen noch immer ein Verstoß gegen die ePrivacy-Richtlinie vorliegt. „Die anfängliche Speicherung der IDFA und deren Nutzung durch Apple wird jedoch nach wie vor ohne die Zustimmung der Benutzer erfolgen und damit gegen EU-Recht verstoßen“, teilte Nyob im November mit.

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Stefan Beiersmann

Stefan unterstützt seit 2006 als Freier Mitarbeiter die ZDNet-Redaktion. Wenn andere noch schlafen, sichtet er bereits die Nachrichtenlage, sodass die ersten News des Tages meistens von ihm stammen.

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