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Huawei reagiert auf US-Sanktionen

Huawei hat sich schon länger auf mögliche Sanktionen der US-Regierung vorbereitet, sieht aber dennoch im internationalen Smartphonemarkt großen Problemen entgegen, nachdem Google seine Geschäftsbeziehung zu Huawei teilweise aussetzen musste. Huawei spreche derzeit mit Google über das weitere Vorgehen, sagte bei einer Veranstaltung in Brüssel Abraham Liu, der den chinesischen Konzern gegenüber Institutionen der Europäischen Union vertritt. Wenn Googles Android-System nicht länger für die Smartphones von Huawei verfügbar sein sollte, „dann wird die Alternative dafür erscheinen – entweder von Huawei selbst oder jemand anders.“

Konkreter wurde es nicht. „Da gibt es offensichtlich eine Herausforderung“, sagte Liu. Er hoffe, dass die Manager von Huaweis Verbrauchergeschäft bald in der Lage sein werden, mehr zur neuen Strategie aufgrund der neuen Situation mitzuteilen.

Die Sanktionen treffen Huawei nicht in seinem Heimatmarkt, in dem es schon länger auf die Open-Source-Basis von Android und eigene Apps setzt – schon bedingt durch die in China gesperrten Dienste Googles. Im amerikanischen Smartphonemarkt wiederum hat sich Huawei ohnehin nicht etablieren können, da die Netzbetreiber dem Druck der US-Regierung nachgaben und ihre Vertriebskanäle für Huaweis Geräte sperrten. Gefährdet ist Huawei aber vor allem im europäischen Smartphonemarkt, in dem es bereits auf der Überholspur war. Laut Canalys erreichte Huawei im 4. Quartal 2018 einen europäischen Marktanteil von 23,6 Prozent und damit den dritten Platz nach Samsung und Apple. Das entsprach einer Steigerung um 55,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für 2019 prognostizierten die Marktforscher eine weitere Zunahme – die jetzt in Frage steht, wenn der chinesische Hersteller seine Smartphones nicht mehr mit neuen Android-Versionen, Googles Play Store und den beliebtesten Apps anbieten kann.

Huawei sah die Gefahr offenbar kommen und traf Vorbereitungen, die aber noch lange nicht abgeschlossen sind. Wie Bloomberg berichtet, versuchte Huawei im letzten Jahr App-Entwickler dafür zu gewinnen, ihre Software für einen neuen App Store Huaweis außerhalb von China zu entwickeln. Im Gegenzug versprach Huawei den Entwicklern, sie bei der Verbreitung ihrer Software im bevölkerungsreichen chinesischen Markt zu unterstützen. Potentiellen Partnern wurde außerdem in Aussicht gestellt, schon Ende 2018 erreiche Huawei mit seinem eigenen App Store 50 Millionen Europäer, die ihn anstelle von Google Play nutzten. Der chinesische Hersteller verhandelte auch mit europäischen Mobilfunkanbietern, um sie zur Vorinstallation seiner eigenen App Gallery auf neuen Geräten zu bewegen.

Um einen drohenden US-Boykott überstehen zu können, arbeitet Huawei außerdem schon länger an einem eigenen Smartphone-Betriebssystem als Android-Alternative. Tatsächlich soll Huawei damit schon 2012 begonnen haben, nachdem die USA mögliche Geschäftsbeziehungen des mit einem UN-Embargo belegten Iran und dem chinesischen Konzern untersuchte. Der Plan wurde von Huawei-Gründer Ren Zhengfei initiiert und als strategische Investition zur Vorbereitung auf „Worst-Case-Szenarien“ betrachtet.

Das Projekt wurde aber offenbar nicht mit großem Aufwand verfolgt – Qualitätsmängel und fehlende Drittanbieter-Apps verhinderten eine Freigabe des Betriebssystems. „Huawei hat sein eigenes Mobilbetriebssystem als Absicherung, aber es ist nicht voll einsatzbereit“, kommentiert Forrester-Research-Analyst Charlie Dai, „Und es ist sehr schwierig, ein Ökosystem zu schaffen, wie es Huawei auf Android gemacht hat.“

Die US-Regierung hat inzwischen einen teilweisen Aufschub der Sanktionen gegen Huawei verfügt, der 90 Tage lang gilt. Dem chinesischen Konzern soll in dieser Zeit weiterhin erlaubt sein, zur Instandhaltung bestehender Netzwerke Produkte amerikanischer Hersteller zu kaufen und vorhandene Huawei-Smartphones mit Softwareupdates zu versorgen. Ohne ausdrückliche Genehmigung soll Huawei aber auch in diesem Zeitraum keine Komponenten – Hardware oder Software – für die Herstellung neuer Produkte erwerben dürfen.

Bernd Kling

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