NSA-Direktor verteidigt Pläne für Hintertüren bei Technikfirmen

NSA-Direktor Mike Rogers hat bei einem Vortrag vor Kryptografen und Sicherheitsspezialisten in Washington Zweifel an den Plänen der US-Regierung zu zerstreuen versucht, bei amerikanischen Technikfirmen eingerichtete Hintertüren für den Zugriff auf Daten aufrechtzuerhalten. Diese „Backdoors“ stellten keine Gefahr für die Privatsphäre dar, kompromittierten keine Verschlüsselung und ruinierten nicht die internationalen Marktchancen für US-Technikprodukte, sagte er laut The Guardian.

NSA-Direktor Michael S. Rogers (Bild: NSA)

Damit verteidigte Rogers die von Präsident Barack Obama ausgegebene Cybersecurity-Strategie. In einer einstündigen Fragerunde betonte er, der Angriff auf das Filmstudio Sony Pictures im vergangenen Jahr habe die Notwendigkeit und Schwierigkeit gezeigt, sich gegen potentielle Cyberbedrohungen zu schützen. „Wenn Sie sich die räumliche Struktur des Angriffs von Nordkorea gegen Sony Pictures Entertainment ansehen, fällt auf, dass er geradezu über die gesamte Welt verteilt war, ehe er nach Kalifornien kam. Die Infrastruktur befand sich auf mehreren Kontinenten, in verschiedenen geografischen Regionen.“

Die meiste Zeit befand sich Rogers aber in der Defensive und musste sich kritischen Fragen stellen. So versuchte er beispielsweise zu erklären, wie rechtliche oder technische Schutzvorkehrungen eingerichtet werden könnten, um sicherzustellen, das Behördenzugriffe auf Daten von US-Technikfirmen nicht in einem Missbrauch durch Geheimdienste resultierten. Das Weiße Haus verhandelt derzeit mit Unternehmen wie Apple, Yahoo und Google über eine Zugriffsmöglichkeit auf Mobilfunk-, Cloud-Computing- und andere Daten, wofür die Verschlüsselung umgangen werden müsste.

„Hintertür ist nicht der Begriff, den ich verwenden würde. Denn wenn ich ‚Hintertür‘ höre, denke ich: ‚Also das klingt irgendwie zwielichtig, warum sollte man nicht ganz offen durch die Vordertür gehen?“ so Rogers. „Wir können einen gesetzlichen Rahmen dafür schaffen, um dies umzusetzen.“

Der NSA-Direktor räumte auch ein, dass Bedenken hinsichtlich des Zugriffs der Regierung auf Daten von US-Firmen ein Geschäftsrisiko darstellen können. Zugleich erklärte er aber, dass die größere Gefahr von Cyberangriffen ausgehe.

Noch widerstehen die US-Technikfirmen dem Druck der Regierung, gezielte Lücken in ihre Verschlüsselungssysteme einzubauen, damit Behörden Zugriff auf Datenströme erhalten. Technikexperten warnen in diesem Zusammenhang, dass es unmöglich sei eine „Backdoor“ in ein Verschlüsselungssystem einzubauen, ohne es damit letztlich vollständig zu kompromittieren. Apple-CEO Tim Cook erklärte vergangene Woche auf einem von Obama einberufenen Cybersecurity-Gipfel an der Stanford University, dass „es ernste Konsequenzen haben kann, wenn man das Recht auf Privatsphäre opfert.“

Bei Rogers‘ Auftritt am Montag in Washington kritisierte Yahoos Chief Information Security Officer Alex Stamos dessen Vorschlag, Hintertüren oder Golden-Master-Schlüssel für die Zwecke der Regierung einzuführen. Er konfrontierte den NSA-Direktor mit der Frage, wie Firmen wie Yahoo, mit 1,3 Milliarden Nutzern weltweit, auf parallele Anfragen nach Hintertüren von ausländischen Regierungen reagieren sollen. Aus seiner Sicht kämen Hintertüren dem gleich, „ein Loch in eine Windschutzscheibe zu bohren“.

Rogers überging die Frage nach den Anfragen durch ausländische Regierungen und antwortete: „Ich habe viele erstklassige Kryptografen bei der National Security Agency. Ich glaube, dass dies technisch machbar ist. Das muss nun aber in einem rechtlichen Rahmen geschehen.“

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ZDNet.de Redaktion

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