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Google-X-Chef: Glass bekam zu viel Aufmerksamkeit

Der Leiter von Googles Forschungslabor Google X, Astro Teller, hat Fehler bei der Einführung der Augmented-Reality-Brille Google Glass eingeräumt. In einer Rede auf der Technik-, Film- und Musik-Konferenz South by Southwest (SXSW) sagte er: „Wir haben eine großartige und eine nicht so großartige Entscheidung getroffen.“ Die großartige sei das Explorer-Programm gewesen. Der Fehler aber war: „Wir haben zu viel Aufmerksamkeit für das Programm zugelassen – und manchmal sogar dazu ermutigt.“

Astro Teller auf SXSW 2015 (Bild: News.com)

Im Rahmen des „Glass Explorer“ genannten Programms konnten zunächst Entwickler das Gerät zum Preis von 1500 Dollar kaufen, später war es aber für alle US-Interessenten offen. Diesen Punkt spricht Teller offenbar mit einem weiteren Eingeständnis an: „Wir haben auch Dinge unternommen, die die Leute denken ließen, es handle sich um ein fertiges Produkt.“

Der Manager beansprucht aber gewonnene Erfahrung für sein Team: „Scheitern muss nicht immer das Gegenteil von Erfolg sein. Manchmal bedeutet es: ‚Hey, wir haben das versucht. Jetzt können wir schlauer weitermachen.'“ Grundsätzlich seien Google-X-Produkte nicht geheim. Vielmehr wolle man so früh wie möglich öffentliches Feedback einholen.

Fehlschläge habe es auch in anderen Projekten von Google X gegeben. Beispielsweise habe man eine Expedition in eine entlegene Ecke im Südpazifik entsandt, um einen explodierten Internetballon von Project Loon zu finden. Für das Drohnen-Experiment Project Wing kündigte Teller auf SXSW ein Update in den nächsten Monaten an. Allgemein sagte er über die auch als „Moonshots“ („Mondflüge“) bezeichneten Google-X-Projekte: „Wenn wir von Moonshots reden, dann zielen wir auf Dinge ab, die zehnmal besser sind.“

Google Glass war eines der wichtigsten Produkte der SXSW 2013. Anhaltende Bedenken von Datenschützern und Gesetzgebern weltweit haben seither Google bewogen, den Verkauf der Entwicklerversion im Januar 2015 vorläufig einzustellen. Eine Verbraucherversion soll weiter in Arbeit sein. Es handle sich um keinen endgültigen Rückzug, teilte Google damals mit.

Im November 2014 hatte Teller schon den Preis von Google Glass als entscheidendes Hindernis für eine breite Einführung genannt: „Jedesmal, wenn man den Preis halbiert, verzehnfacht sich die Zahl der potenziellen Käufer ungefähr.“ Das bedeute, dass es „zwei weitere Runden mit Preishalbierungen“ brauche, bis solche Produkte allgemein interessant seien. Geht man von den 1500 Dollar der Explorer Edition aus, lässt sich ein – laut Teller -massenmarktkompatibler Preis um 375 Dollar errechnen.

[mit Material von Richard Nieva, News.com]

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Florian Kalenda

Seit dem Palm Vx mit Klapp-Tastatur war Florian mit keinem elektronischen Gerät mehr vollkommen zufrieden. Er nutzt derzeit privat Android, Blackberry, iOS, Ubuntu und Windows 7. Die Themen Internetpolitik und China interessieren ihn besonders.

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