Fußball, Musik und Business verhelfen UMTS zum Durchbruch

Tatsächlich spielt der Mangel an leistungsfähigen UMTS-Geräten in der Marktadaption des Mobilfunkstandards eine Rolle – das alte Henne-Ei-Problem. Ohne passende Endgeräte keine Applikationen und keine Benutzerakzeptanz. Ohne Applikationen und Nutzerzahlen, keine Investitionen in UMTS-Geräte. Als sich jüngst die Spitzenvertreter der Telekommunikationsbranche abseits der Systems zum Diskurs auf dem Kongress Communication World trafen, machte zum Beispiel Vesey Crichton, EMEA-Vice-President von PDA- und Smartphone-Hersteller Palmone deutlich, dass er sicher UMTS-Funktionen liefern würde, wenn es dafür einen Markt gäbe.

Lothar Pauly, der Vorstandsvorsitzende des neu geschaffenen Siemens-Bereichs Communications hingegen, greift die Konkurrenz zwischen W-LAN-Techniken, Festnetz und UMTS auf. Siemens entwickle Devices, die möglichst viele Kommunikationswege unterstützten. Das sei erforderlich, um beispielsweise Anwendungen wie Voice-over-IP über Wireless LAN zu ermöglichen. Den Kunden interessiere letztlich nicht, ob er über UMTS, Festnetz oder Hotspots verbunden sei, erläutert Pauly, das Gerät müsse Transparenz ermöglichen.

Eine Weiterentwicklung von Endgeräten, die eine solche Transparenz von Netzen und Zugriffprotokollen ermöglichen, erlaubt erst eine Vision vom Handy als Lebensmittelpunkt. Der Anwender wäre für verschiedenste Dienste, egal ob via Internet GSM oder W-LAN über einen Zugangscode, etwa über Telefonnummer und Pin, identifizierbar. Implementierte RFID-Chips zum Beispiel weiten dieses Konzept aus. So entwickelt Halbleiterfabrikant Philips mit „Near Field Communication (NFC) ein Konzept, das erlaubt, sich gegenüber Bank- oder Ticketautomaten in Hotels oder wie im Test am Frankfurter Flughafen auszuweisen. Versuche, Bezahlvorgänge über das Handy abzuwickeln, Theater- und Kino oder Busfahrkarten mit Hilfe integrierter Internet-Handy-Applikationen zu bestellen, gibt es ohnehin schon längst.

Es bleibt die Frage: Wer will das? Rudolf Gröger, CEO von O2, formuliert um: „Wie erklären wir einem Kunden, dass wir die Probleme, die er heute noch gar nicht hat, lösen können?“ und mahnt sein Unternehmen sowie die gesamte Branche: „Wir müssen erst einmal verkaufen lernen“. Sie kenne ihre Kunden gar nicht und könne somit auch keine Killerapplikationen für UMTS entwickeln. Die Branche setzte nach wie vor Kunden mit „verkaufter SIM-Karte“ gleich. Er kündigte an, gemeinsam mit anderen Industrien werde sein Unternehmen nun verschärft an einer Kundensegmentierung arbeiten.

T-Mobile hat den Begriff „UMTS“ aus dem Sprachschatz gestrichen und durch „Multimedia“ ersetzt.

Als ein Beispiel für bereits gewonnene Erkenntnisse, die helfen sollen, sich den Kundenbedürfnissen anzunähern, wählt er „Musik-Downloads“. Musik sei Hobby, ja, Philosophie – und in keinem Fall entwickle sich Musik-Download als nächste Generation des Klingelton-Geschäfts. Apple mache vor, dass sich mit dem richtigen Service Geld verdienen lasse. Fußballfans scheinen ebenfalls eine lohnende Zielgruppe zu sein. Sie zahlen Tore aus dem Handy aber auch für zusätzliche Infos von ihrem Verein. Allerdings kämpft etwa O2 noch mit der Technik. Laut Gröger betrug die Verzögerung, bis ein gefallenes Tor auf dem Handy war, zuerst vier Stunden. Mittlerweile dauert es nur noch zwei Minuten, bis der Fußball auch auf dem Handy das Tor trifft.

Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender T-Mobile Deutschland, hat ebenfalls eine zahlungswillige Zielgruppe für Breitbanddienste identifiziert: den Business-Anwender. „Die Geschäftskunden waren die ersten, die Telefon und Internet genutzt haben. Jetzt wollen wir mit System-Integratoren zusammenarbeiten, die das Geschäft der Kunden kennen“, kündigt er an.

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ZDNet.de Redaktion

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