Frankreich zwingt Soziale Netze per Gesetz zur Löschung von Hass-Postings

Frankreich hat ein neues Gesetz verabschiedet, das Soziale Netzwerke und andere Inhalteanbieter dazu zwingt, pädophile Inhalte und Beiträge mit Bezug zu Terrorismus innerhalb einer Stunde zu löschen. Wie France24 berichtet, drohen den Unternehmen sonst Geldstrafen in Höhe von bis zu vier Prozent ihres weltweiten Umsatzes.

Ziel des Gesetzes ist die Reduzierung von Hass-Postings im Internet. „Die Menschen werden es sich zweimal überlegen, bevor sie die rote Linie überqueren, wenn sie wissen, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte Justizministerin Nicole Belloubet vor dem Parlament.

Kritik kommt indes von Bürgerrechtlern, die Einschränkungen für das Recht auf Meinungsfreiheit befürchten. So geht die Computer and Communications Industry Association, die Büros und Washington und Brüssel unterhält, davon aus, dass das Gesetz dazu führt, dass mehr Inhalte gelöscht werden. Vor allem Start-ups könnten aus Angst vor den möglichen Folgen voreilig Inhalte zensieren.

„Nationale Gesetze zur Bekämpfung schädlicher Online-Inhalte können sich negativ darauf auswirken, welche Informationen in anderen Ländern zugänglich sind, selbst wenn sie legal sind. Dies schließt eine große Bevölkerung von der Entscheidung aus, welches Wissen auf der französischen Wikipedia verfügbar ist“, kommentierte die Wikimedia Foundation per Twitter im Vorfeld der Entscheidung.

Die französische Bürgerrechtsorganisation La Quadrature du Net unterstellt sogar, das Gesetz sei überflüssig. Es sei unrealistisch, eine Löschung innerhalb einer Stunde zu verlangen. „Falls eine Seite den Inhalt nicht zensiert, weil die Beschwerde beispielsweise am Wochenende oder nachts eingereicht wurde, dann kann die Polizei die Internetanbieter zwingen, die Seite überall in Frankreich zu blockieren.“

Die Twitter-Sprecherin Audrey Herblin-Stoop erklärte, der Kurznachrichtendienst arbeite eng mit der französischen Regierung zusammen, um die Sicherheit im Internet zu verbessern und Hassreden zu bekämpfen sowie das offene Internet und die Meinungsfreiheit zu schützen. Twitter investiere zudem in Technologien, um Hass-Postings automatisch zu erkennen und Nutzern die Aufgabe abzunehmen, fragliche Inhalte zu melden.

Im vergangenen Jahr sei bereits die Hälfte aller gesperrten oder gelöschten Beiträge von einer Software gemeldet worden, erklärte die Sprecherin gegenüber der Agentur Reuters. 2018 habe der Anteil noch bei 20 Prozent gelegen.

ANZEIGE

Auf zu neuen Höhen mit SkySQL, der ultimativen MariaDB Cloud

In diesem Webinar stellen wir Ihnen SkySQL vor, erläutern die Architektur und gehen auf die Unterschiede zu anderen Systemen wie Amazon RDS ein. Darüber hinaus erhalten Sie einen Einblick in die Produkt-Roadmap, eine Live-Demo und erfahren, wie Sie SkySQL innerhalb von nur wenigen Minuten in Betrieb nehmen können.

Stefan Beiersmann

Stefan unterstützt seit 2006 als Freier Mitarbeiter die ZDNet-Redaktion. Wenn andere noch schlafen, sichtet er bereits die Nachrichtenlage, sodass die ersten News des Tages meistens von ihm stammen.

Recent Posts

Roblox: 34 Millionen Zugangsdaten im Darknet

Laut Kaspersky nehmen Infostealer gerade auch Spieleplattformen ins Visier. Neue Studie untersucht Angriffe zwischen 2021…

1 Stunde ago

EU-Datenschützer kritisieren Facebooks „Zustimmung oder Bezahlung“-Modell

Ohne eine kostenlose Alternative, die ohne Zustimmung zur Verarbeitung personenbezogener Daten zu Werbezwecken auskommt, ist…

3 Tagen ago

Europol meldet Zerschlagung der Phishing-as-a-Service-Plattform LabHost

LabHost gilt als einer der größten Phishing-Dienstleister weltweit. Die Ermittler verhaften 37 Verdächtige, darunter der…

3 Tagen ago

DE-CIX Frankfurt bricht Schallmauer von 17 Terabit Datendurchsatz pro Sekunde

Neuer Datendurchsatz-Rekord an Europas größtem Internetknoten parallel zum Champions-League-Viertelfinale.

3 Tagen ago

Samsungs neuer LPDDR5X-DRAM erreicht 10,7 Gbit/s

Die neuen Chips bieten bis zu 25 Prozent mehr Leistung. Samsung steigert auch die Energieeffizienz…

4 Tagen ago

Cisco warnt vor massenhaften Brute-Force-Angriffen auf VPNs

Betroffen sind Lösungen von Cisco, Fortinet, SonicWall und anderen Anbietern. Die Hacker nehmen Konten mit…

4 Tagen ago