Linux Foundation sichert Kernel-Quelltext mit Zwei-Faktor-Authentifizierung

Die Linux Foundation hat damit begonnen, die mit Git verwalteten Quelltexte des Linux-Kernels unter kernel.org mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung abzusichern. Das teilte sie jetzt auf dem Linux Kernel Summit mit. Die Maßnahme ist eine der Folgen eines Einbruchs auf kernel.org vor drei Jahren.

100 Kernel-Entwickler haben einen Yubikey als hard-Token erhalten (Bild: Yubico).

Nach dem Einbruch führte die Stiftung strengere Zugangskontrollen ein, indem sie private SSH-Schlüssel für Kernel-Entwickler ausgab. Doch wie Konstantin Ryabitsev erklärt: „SSH-Schlüssel sind zwar weit sicherer als einfach Passwörter, aber sie können auch in bösartige Hände fallen – wenn etwa eine Entwickler-Workstation kompromittiert wird oder jemand Zugriff auf schlecht gesicherte Backups bekommt.“

Als Verschärfung ist nun ein zweiter Faktor neben User-ID und Passwort vorgesehen, nämlich ein Einmalcode, der entweder im „Soft-Token“- oder im „Hard-Token“-Verfahren erzeugt werden kann. Soft-Token ist das Verfahren, das etwa Google oder Twitter einsetzen: Der Einmal-Code wird von einer Smartphone-App erzeugt. Als Hard-Token gelten separate Geräte, die solche Codes erzeugen – etwa RSAs SecurID oder der YubiKey.

Sicherer seien Hard-Tokens, führt Ryabitsev aus, aber auch ein „Soft-Token ist dramatisch besser als überhaupt keine Zwei-Faktor-Authentifizierung“. Hundert bei kernel.org registrierten Entwicklern hat zudem YubiKey-Hersteller Yubico ein Hard-Token gestiftet.

Unabhängig vom Token werden die Linux-Quelltexte durch den HMAC-based One-time Password Algorithm (HOTP) und den Time-based One-Time Password Algorithm (TOTP) der Initiative For Open Authentication (OATH) abgesichert. Beide sind Sicherheitsstandards der Internet Engineering Task Force (IETF).

Damit die Sicherheitskontrolle nicht zum Ärgernis wird, müssen Passwort und sechsstelliger Zufallscode nicht bei jedem Log-in angegeben werden. Vielmehr wurde das Git-Werkzeug gitolite so konfiguriert, dass ein einmal authentifizierter Nutzer mit seinem Namen und einer Internetadresse für 24 Stunden validiert wird. Ryabitsev erklärt, dass sich dies sogar auf bis zu 30 Tage erweitern lässt, falls ein Entwickler größtenteils von einem Ort aus arbeitet.

Für den Mainline-Kernel und die stabile Version funktioniert die Zwei-Faktor-Authentifizierung schon. Ihr Einsatz ist vorerst nicht verpflichtend, wird es aber irgendwann sein.

Eine Zwei-Faktor-Authentifizierung bieten inzwischen beispielsweise Apple, Microsoft, Twitter und Tumblr an. Dass sie immer nur so stark ist wie die verwendeten Algorithmen, zeigt der Fall von Paypal, dessen Zwei-Faktor-Authentifizierung im letzten Monat zweimal geknackt wurde.

[mit Material von Steven J. Vaughan-Nichols, ZDNet.com]

Tipp: Wie gut kennen Sie sich mit Open Source aus? Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de

Florian Kalenda

Seit dem Palm Vx mit Klapp-Tastatur war Florian mit keinem elektronischen Gerät mehr vollkommen zufrieden. Er nutzt derzeit privat Android, Blackberry, iOS, Ubuntu und Windows 7. Die Themen Internetpolitik und China interessieren ihn besonders.

Recent Posts

Was macht Check Point als attraktiver Arbeitgeber aus?

Kim Forsthuber von Checkpoint erklärt, wie sie zum Security-Anbieter gekommen ist und was sie an…

3 Stunden ago

Android-Malware Rafel RAT aufgedeckt

Bösartiges Tool wird für Spionage, Fernzugriff, Datenklau und Ransomware verwendet. Check Point-Sicherheitsforscher beobachten Angriffe in…

5 Stunden ago

US-Regierung verhängt Verkaufsverbot gegen Kasperskys Antivirensoftware

Es tritt bereits im Juli in Kraft. Ab Ende September wird auch der Wiederverkauf von…

8 Stunden ago

Beta 3 von Android 15: Google stellt neue Sicherheitsfunktionen vor

Android 15 erreicht den Meilenstein Platform Stability. Die neue OS-Version verbessert die Implementierung von Passkeys…

23 Stunden ago

Apple entwickelt Hochsicherheits-OS für seine KI-Rechenzentren

Es soll die Grundlage für die Sicherheitsfunktion Private Compute Cloud bilden. Diese wiederum soll die…

1 Tag ago

Google schließt schwerwiegende Sicherheitslöcher in Chrome

Sie stecken unter anderem in der JavaScript Engine V8. Betroffen sind Chrome für Windows, macOS…

1 Tag ago