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Digitalen Müll entsorgen

Dunkle Wolken am Horizont. 2012 ergab eine Umfrage, dass 51 Prozent der Amerikaner glaubten, stürmisches Wetter habe Einfluss auf Cloud Computing. Das klingt mittlerweile zwar amüsant, aber es gibt auch heute noch eine große Kluft in der Bevölkerung, was sie sich unter der digitalen Welt vorstellen und wie sie tatsächlich ist. Das Internet, die Cloud und andere digitale Technologien werden oft als „leicht und locker“ betrachtet, die irgendwo in der Luft unsichtbar hin- und herschweben. Dabei wird leicht vergessen, dass sich hinter diesen Diensten eine umfangreiche Infrastruktur verbirgt, die gigantische Mengen an Ressourcen verschlingt.

Weitgehend unbekannt ist die Tatsache, dass der digitale Sektor 10 Prozent des weltweit produzierten Stroms verbraucht und für 4 Prozent der gesamten CO2-Emissionen global verantwortlich ist. Das ist mehr als die Luftfahrtindustrie. Das fängt schon beim Internet-Router an. Dieser verbraucht so viel Strom wie ein Kühlschrank und der Energieverbrauch einer einzigen Bitcoin-Transaktion (~2250 kWh), könnte einen durchschnittlichen US-Haushalt 2,5 Monate lang oder einen deutschen 1-Personen-Haushalt über ein Jahr lang versorgen. Mehr noch, jede digitale Aktion hat physische Auswirkungen – ein einzige Online-Suche verbraucht so viel Strom wie eine Glühbirne für ein bis zwei Minuten.

Dennoch entsteht der Großteil der CO2-Belastung des digitalen Sektors bereits in der Herstellung. So stammen beispielsweise 90 Prozent der CO2-Emissionen eines Smartphones aus seiner Herstellung und nur 10 Prozent aus seiner Nutzung. So wie es jetzt aussieht, trägt der digitale Sektor wesentlich zur Klimakrise bei. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der globale CO2-Fußabdruck bis 2025 voraussichtlich auf 8 Prozent verdoppeln wird.

Folgende Schritte können das Problem lindern.

1. Den digitalen Müll entsorgen

Wenn etwas online hochgeladen wird, wird es auf einem physischen Laufwerk in einem Rechenzentrum irgendwo auf der Welt gespeichert. Die E-Mails im Posteingang, die Videos auf dem Social-Media-Profil, die Bilder im Cloud-Konto – sie alle nehmen Platz auf Servern ein, die rund um die Uhr laufen. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch groß, dass die meisten dieser Dateien, E-Mails und Dokumente nie wieder aufgerufen werden, was bedeutet, dass sie dort unnötig Energie verbrauchen. Das ist so, als würde man ein Licht in einem Raum brennen lassen, den man nie benutzen wird. Der Digital Cleanup Day ist daher als Aufruf an alle Teilnehmer zu verstehen, ihre Ordner aufzuräumen und unnötige Daten Anwendungen, E-Mails, Fotos, Videos und anderen digitalen Müll zu löschen.

2. Elektroschrott minimieren

Wie bereits erwähnt, gehört der Herstellungsprozess von Elektronik zu den größten Verursachern von CO2-Emissionen. Eine der besten Maßnahmen, die Konsumenten ergreifen können, ist es, ihren E-Geräten ein zweites Leben zu schenken. Obsolete Hardware wird also nicht einfach weggeworfen, sondern kann repariert, gespendet, verkauft oder für einen anderen Zweck genutzt werden. Verstaubt im eigenen Schrank noch ein alter Laptop? Das Gerät kann sich als Spende an eine Schule in der Nähe eignen, um Schüler bei der Arbeit zuhause zu unterstützen. Manchmal ist Elektronik einfach irreparabel. Daher sollte hier unbedingt darauf geachtet werden diese zu recyclen. Elektroschrott kann umweltschädliche Materialien enthalten, und eine ordnungsgemäße Entsorgung hilft, den Schaden zu minimieren. Apple hat sogar Roboter entwickelt, die speziell für die Demontage von iPhones ausgebildet sind. Wenn das eigene Smartphone also den Geist aufgibt, wieso das Gerät nicht einfach zum Hersteller zurückbringen?

3. Sensibilisierung für digitale Umweltverschmutzung

Der ökologische Fußabdruck des digitalen Sektors ist den meisten Menschen immer noch nicht bewusst. Dabei kann jeder einen positiven Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft leisten, indem soziale Kontakte mit einbezogen werden. Ein Gespräch mit Freunden und Verwandten und die Aufklärung darüber, wie das Internet und die Cloud funktionieren (es sind alles strombetriebene, wassergekühlte Server!), kann helfen, die realen Auswirkungen digitalen Handelns zu verstehen. Konkret kann man Freunde zum Beispiel auffordern, zu einem datenschutzfreundlichen Messaging-Tool wie Signal zu wechseln – es verarbeitet keine persönlichen Daten und verbraucht daher weniger Energie. Privatsphäre ist grün!

Es ist auch wichtig, die Botschaft über die eigenen sozialen Kreise hinaus zu verbreiten. Man kann Veranstaltungen in den sozialen Medien organisieren, Menschen einladen, sich an digitalen Säuberungsinitiativen zu beteiligen, oder Organisationen öffentlich dazu auffordern, ihren digitalen Fußabdruck zu überdenken und zu verringern. Mehr zum letzten Punkt: Alle beliebten Online-Plattformen und Websites nutzen Hosting-Dienste (sprich: Rechenzentren), um online zu bleiben. Aber nicht alle Rechenzentren sind gleich – einige sind effizienter und umweltfreundlicher als andere. Daher können Privatpersonen auch Unternehmen und Institutionen anschreiben und sie auffordern, ihre Dienste in modernen Rechenzentren zu hosten, die weniger Ressourcen verschwenden.

Warum Rechenzentren der Schlüssel sind

Das Löschen einer E-Mail ist so, als würde man beim Zähneputzen das Wasser abstellen – es ist zwar gut, seinen Teil beizutragen, aber der Einfluss des Einzelnen ist relativ gering. Diese E-Mail beansprucht nur einen winzigen Teil eines Servers, während ein Rechenzentrum Tausende von Servern beherbergt, die nicht nur Strom, sondern auch Wasser für die Kühlung verbrauchen. Wie viel Strom genau? Rechenzentren sind für ungefähr 1 % des weltweiten Stromverbrauchs verantwortlich, und dieser Anteil wächst. Um es anders zu formulieren: Ein einziges Rechenzentrum kann so viel Strom verbrauchen wie eine Kleinstadt.

Auch beim Wasserverbrauch sind die Zahlen überwältigend. So verbrauchen Rechenzentren in den Niederlanden durchschnittlich eine Million Kubikmeter Wasser pro Jahr, was in etwa dem jährlichen Wasserverbrauch von 20.000 Menschen entspricht. Dementsprechend führen schon geringfügige Verbesserungen der Effizienz eines Rechenzentrums zu massiven Ressourceneinsparungen. Mehr als durch das Löschen alter E-Mails jemals erreicht werden könnte. Mangelndes öffentliches Verständnis über die Umweltauswirkungen von Rechenzentren bedeutet, dass ineffiziente Rechenzentren nicht öffentlich hinterfragt werden. Auch nicht die Unternehmen, die diese Dienste in Anspruch nehmen. Und so wird weiterhin Energie verschwendet.

Jedoch wendet sich hier zunehmend das Blatt. Immer mehr Menschen fangen an die Rolle des digitalen Sektors in puncto Energieeffizienz zu hinterfragen, was durch Veranstaltungen wie den Digital Cleanup Day beschleunigt werden soll. Schon bald wird der öffentliche Druck, gekoppelt mit gesetzgeberischen Maßnahmen, die Umweltstandards für alle Rechenzentren neu gestalten.

ZDNet.de Redaktion

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