Categories: M2MNetzwerke

Smart Home: Telekom unterstützt ULE-Standard

Die Deutsche Telekom setzt verstärkt auf den Funkstandard ULE (Ultra Low Energy). Das hat ZDNet aus Unternehmensquellen erfahren. Neben Qivicon sollen zukünftig auch alle neuen Speedports der Deutschen Telekom ULE unterstützen. Die Maßnahmen der Telekom und der damit aufflammende Wettbewerb der ULE-Produkte sind ein wichtiger Meilenstein für das Smart Home. Auf dem Papier liefert ULE im Gegensatz zu bisherigen Standards genau das, was Endkunden sich wünschen: Sicherheit, niedrigen Energieverbrauch und herstellerübergreifende Kompatibilität.

Für Provider wie die Telekom bietet ULE zudem einen weiteren Vorteil: Um den ULE-Standard zu unterstützen, wird in vielen Fällen keine neue Hardware benötigt. Stattdessen lässt sich die bestehende Hardware per Software ULE-fähig machen. Das gilt auch für viele Router, die im Zuge der Migration auf All-IP-Anschlüsse bereits an Kunden verschickt wurden. Über alle Geräte mit einer DECT-Basis ist prinzipiell der Aufbau eines Smart Homes per ULE möglich. Das gilt auch für Produkte anderer Anbieter wie Vodafone oder 1und1.

Unternehmen wie VTech oder Crow bieten bereits entsprechende Aktoren und Sensoren an, die über die Gateways kontrolliert werden können. Für ein komplettes Smart Home reichen die ersten zertifizierten Produkte, die seit Kurzem erhältlich sind, allerdings nicht aus. In der Hausautomatisierung durchsetzen wird sich der Ultra-Low-Energy Standard wohl nur dann, wenn mehr bekannte Marken auf den offenen Standard bauen. Mit der neuen Ausrichtung der Telekom auf ULE ist jedoch davon auszugehen, dass sich das Angebot schon bald deutlich vergrößern wird.

Die Telekom will mit der nächsten Speedport-Generation ULE-Support bieten (Bild: Deutsche Telekom).

Erste zertifizierte ULE-Produkte bereits erhältlich

Mit dem Funkstandard ULE soll der Smart-Home-Markt nun endlich die Zahlen erreichen, die Analysten und Experten seit Jahren prophezeien. Laut dem Branchenverband Bitkom wird es allein in Deutschland – je nach Rahmenbedingungen – bereits in drei bis fünf Jahren eine Million Smart-Home-Haushalte geben. Prognosen anderer Verbände und Organisationen sind ähnlich optimistisch.

Als erste Produkte haben kürzlich eine kleine Auswahl an Sensoren wie Bewegungsmelder und Magnetdetektoren das Zertifizierungsverfahren für den Funkstandard ULE erfolgreich durchlaufen. ULE basiert auf DECT-Technologie, ist im Vergleich zu klassischem DECT, das weltweit für die Drahtlostelefonie genutzt wird, jedoch deutlich energiesparender und somit aufs Smart Home zugeschnitten. Zudem lassen sich mit ULE neben Sprache auch Daten und Videos übertragen. Durch das Zertifizierungsverfahren soll die Interoperabilität von Geräten über Herstellergrenzen hinweg sichergestellt werden. Einer der Knackpunkte ist bislang jedoch, dass zwar immer mehr Unternehmen bei ihren Smart-Home-Lösungen auf ULE-Technologie setzen, aber ihre Geräte nicht zertifizieren lassen.

So bieten beispielsweise AVM oder auch Gigaset bereits seit längerer Zeit Produkte an, die ULE nutzen und somit unter anderem größere Reichweiten und sicherere Verbindungen ermöglichen. Auch Panasonic hat im Sommer ein Smart-Home-System auf den Markt gebracht, mit dem sich zunächst Briten das eigene Haus aufrüsten können. Da diese Produkte jedoch allesamt nicht zertifiziert sind, kommt die größte Stärke von ULE – zumindest aus Sicht der Verbraucher – hier nicht zum Tragen. Denn lediglich bei zertifizierten Produkten ist sichergestellt, dass sie sich, unabhängig vom Hersteller, einfach mit anderen ULE-Produkten verbinden lassen.

Sollte die Deutsche Telekom bei ihrer verstärkten Ausrichtung auf den ULE-Standard auf zertifizierte Geräte setzen, würde durch denn dann offenen Wettbewerb der Boden für die flächendeckende Nutzung von ULE geebnet. Unternehmen, die bislang noch zögern, dürften dann einen Kurswechsel vollziehen. Aber auch Unternehmen, die bereits nicht-zertifizierte Produkte anbieten, haben die Möglichkeit, ihre Komponenten schnell und problemlos umzurüsten. Das gilt auch für die Geräte, die sich bereits beim Endkunden im Einsatz befinden. Per Software-Update ließen sich diese so umstellen, dass sie mit ULE-Geräten anderer Hersteller kompatibel sind. So hätten beispielsweise allein mit den Gigaset- und FRITZ!Box-Produkten bereits Millionen von Haushalten in Deutschland ein entsprechendes ULE-Gerät zuhause. Die ersten Komponenten für ein Smart Home wären somit bereits ohne jegliche Neuanschaffungen vorhanden.

Kai Schmerer

Kai ist seit 2000 Mitglied der ZDNet-Redaktion, wo er zunächst den Bereich TechExpert leitete und 2005 zum Stellvertretenden Chefredakteur befördert wurde. Als Chefredakteur von ZDNet.de ist er seit 2008 tätig.

Recent Posts

Podcast: Chancen und Risiken durch KI zum Schutz vor Hackerangriffen

Christoph Schuhwerk, CISO EMEA bei Zscaler, über den Einfluss von KI auf den permanenten Wettlauf…

14 Stunden ago

Außerplanmäßiges Update schließt Zero-Day-Lücke in Chrome

Von ihr geht ein hohes Risiko aus. Laut Google ist ein Exploit für die Chrome…

1 Tag ago

Hacker setzen neuartige Infostealer gegen Unternehmen ein

Kaspersky stellt eine hohe Nachfrage nach datenstehlender Malware in kriminellen Kreisen fest. Die Infostealer sind…

1 Tag ago

KI-gestützte Betrugserkennung

Neue Funktion in GoTo Resolve schützt Nutzer von Mobilgeräten vor Finanzbetrug, indem sie Support-Sitzungen überwacht…

2 Tagen ago

Europäischer Smartphonemarkt wächst zehn Prozent im ersten Quartal

Es ist das erste Plus seit dem dritten Quartal 2021. Die Marktforscher von Counterpoint rechnen…

2 Tagen ago

Megawatt-Kühlung für KI

Rittal hat eine neue Kühllösung vorgestellt, die über 1 Megawatt Kühlleistung erbringt und den Weg…

2 Tagen ago