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Millionen-Schummel bei Chess.com möglich

Die Sicherheitsforscher von Check Point Research (CPR) haben Chess.com unter die Lupe genommen. Die Plattform für Online-Schachspiele zählt über 100 Millionen Mitglieder, die mehr als 17 Millionen Partien am Tag spielen. Unter anderem führt Chess.com Meisterschaften durch, in denen es um Preisgeld von bis zu 1 Millionen US-Dollar geht.

Schach-Großmeister Hans Niemann

Der norwegische Schach-Weltmeister Magnus Carlsen und der amerikanische Großmeister Hans Niemann haben 2022 eine Schlammschlacht um Betrugsvorwürfe bei Schachspielen geführt. Unter anderem soll Niemann auch bei Online-Schachpartien auch chess.com betrogen haben. Chess.com beschloss daher, Niemann von der Plattform zu verbannen. Chess.com stieß über die eigene Betrugserkennungs-Software verdächtiges Verhalten. Die Betreiber der Online-Schachplattform investieren Ressourcen in die Erkennung von Betrügern und verwenden dafür auch maschinelles Lernen, um vorherzusagen, welche Züge ein Mensch in einer bestimmten Stellung machen könnte.

Zugzeit des Gegners lässt sich verkürzen

Jetzt haben die Forscher von CPR die Online-Plattform selbst analysiert und geprüft, ob es Sicherheitslücken gibt. Tatsächlich wurden sie fündig:

1. Es ist möglich, Spiele zu gewinnen, indem man heimlich die Zugzeit des Gegners verkürzt und das Spiel durch eine Zeitüberschreitung des Gegners gewinnt.

2. Es ist möglich, erfolgreiche Schachzüge zu extrahieren, um Online-Puzzle-Herausforderungen zu lösen und einen hohe Puzzle-Wert zu erreichen. Bei dieser Methode muss man lediglich die Kommunikation zwischen der Client-Seite (Spieler) und dem Server (Chess.com-Website) abfangen. Der Server sendet nämlich versehentlich die richtige Lösung des Rätsels. Dadurch kann man dann die Rätselmeisterschaften (bei denen der Gewinner ein Preisgeld erhält) gewinnen, weil man einfach die richtigen Züge, die so gefunden wurden, einreicht. Außerdem ist es möglich, zu ändern, wie viel Zeit gebraucht wurde, um das Rätsel zu lösen.

Kommunikation mit Server

Wenn zwei befreundete Konten eine Partie spielen, dann kann man dem Partner 15 Sekunden zusätzliche Zugzeit per Knopfdruck schenken (dieser muß das Akzeptieren). Dies kann ein Betrüger missbrauchen. Er fängt die Kommunikation mit dem Server ab und ändert die Anfrage in den Befehlszeilen so, dass dem Mitspieler Sekunden abgezogen werden.

So kann er dessen Zugzeit, zum Beispiel, auf 10 Sekunden verkürzen, was der Mitspieler kaum bemerkt, doch wenn diese abgelaufen ist, hat der Betrüger gewonnen. Alles, was er dafür tun muß, ist ein freundlicher Chat mit einem Nutzer, der dann eine Partie mit ihm eingeht und währenddessen, oder davor, die Freundschaftsanfrage akzeptiert, sowie das vermeintliche Zeitgeschenk annimmt.

Check Point hat die Ergebnisse dieser Untersuchung an Chess.com gemeldet. Die Sicherheitslücken wurden geschlossen.

Roger Homrich

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