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Ein neues ERP-Zeitalter wird eingeläutet

So zentral und wichtig Enterprise Resource Planning (ERP)-Systeme für Unternehmen sind, so sehr frustrieren sie oftmals ihre Anwender. Starre Strukturen und langsame Prozesse lassen viel Potenzial, das in den Unternehmen schlummert, brachliegen. Neue Technologien wie Low-Code-Entwicklung und Multi Relation Management bringen Bewegung in den Alltagstrott. Eine gute Gelegenheit, sich nach einer zeitgemäßen Alternative umzuschauen, die Unternehmen wirklich weiterbringt: Derzeit entstehen neue Systeme, die den Anwender und dessen Anforderungen in den Mittelpunkt stellen.

Den Marktforschern von Gartner zufolge befinden sich ERP-Systeme nicht einmal mehr unter den Top Ten der IT-Investitionen von Unternehmen. Sie sind von Digitalisierungsprojekten auf die Plätze verwiesen worden. Zwar sehen Unternehmen in der Digitalisierung den größten Hebel für eine erfolgreiche Zukunft, ERP-Software betrachten sie aber vermehrt nicht als Teil davon. Viele Experten bezeichnen die Systeme der Gegenwart als Monolithen oder Bunker und sehen Low Code als Werkzeug, um daran schnell neue Oberflächen anzubauen. Anstatt Prozesse zu digitalisieren, werden also Balkone an Bunker angebracht. Diese gängigen ERPs sind in sich geschlossene Großsysteme, die über Jahre Unsummen verschlungen haben und die nun keiner mehr anfassen möchte.

ERP muss Teil der Digitalisierung sein

Eigentlich sollten ERP-Systeme aber der Dreh- und Angelpunkt der Digitalisierung sein und über die zentrale Datenhaltung Unternehmen dabei helfen, Prozesse zu optimieren, zu digitalisieren und zu automatisieren. „Fokus auf die Kernkompetenz“ war bereits in den 1990er-Jahren ein oft verwendetes Schlagwort und es hat auch heute nichts an Aussagekraft verloren. Ein IT-System hat in seiner ganzen Komplexität nur den einen Zweck: einfache Arbeiten automatisch zu übernehmen, um die Kernkompetenz zu stärken – also die Digitalisierung und Automatisierung von Standardprozessen. Daher muss ein ERP auch Teil der Digitalisierung sein.

Umso wichtiger ist es, über einen Wechsel nachzudenken. Denn oft ist die Einführung einer neuen Version des bestehenden ERP nichts anderes als ein Wechsel. Warum dann nicht gleich den Markt vergleichen? Die Hersteller vieler namhafter ERP-Systeme haben für 2025 das „End of Life“ ihrer Monolithen angekündigt und treiben damit die Kunden auf eine neue Version, die nichts anderes als ein weiterer Monolith ist, der aber neuer und aufgeräumter wirkt. Und genau das ist der Zeitpunkt, an dem Kunden darüber nachdenken sollten, ihr Budget für ERP und Digitalisierung zusammenzulegen und eine Digitalisierungsstrategie zu verfolgen, die das richtige ERP in den Mittelpunkt stellt.

Mit Low Code geht vieles schneller

Dank ganzheitlicher Software-Entwicklung auf Low-Code-Basis lassen sich relativ kurze Entwicklungszeiten realisieren. Dabei muss das Entwicklerteam nicht mehr Millionen von Code-Zeilen schreiben, testen, debuggen und ausliefern. Vielmehr verwendet es Frameworks und grafische Werkzeuge, die eher mit der Maus als mit der Tastatur bedienbar sind. Die eigentlichen Software-Abläufe entstehen flexibel im Browser. Das vielleicht wichtigste Merkmal der Low-Code-Programmierung ist jedoch die saubere Trennung von Anwendungsoberfläche und Integrationsschicht. Nur so ist es möglich, die Applikation immer wieder zu verändern, ohne dass die Programmlogik verloren geht oder es Konflikte mit bestehenden Anwendungsteilen gibt.

Das Low-Code-Paradigma hat viele große Vorteile: Zum einen erleichtert es dem Entwicklungsteam die Arbeit ungemein. Nicht nur, dass die Produktivität rasant steigt, der Wegfall repetitiver Aufgaben lässt auch mehr Raum für Kreativität. Aus Sicht der User erlaubt der Low-Code-Ansatz zudem mehr Komfort und Flexibilität. Anwendungen und Dashboards lassen sich individuell so einstellen, wie es der eigenen Arbeitsweise und den spezifischen Anforderungen entspricht. Nur so arbeiten User gerne mit der Software und nutzen ihre Möglichkeiten voll aus. Auch Administratoren werden begeistert sein, weil sie nicht ständig neue Updates einspielen müssen. Anpassungen, Bereinigungen und Korrekturen geschehen kontinuierlich und werden ohne große Zeremonie wirksam. Und schließlich ist im Falle eines Falles die Suche nach einem Software-Bug erheblich weniger aufwändig als in einem monolithischen System. Während sich der Fehler dort quasi überall verstecken kann, lässt er sich auf einem Low-Code-System relativ gut einkreisen. Voraussetzung dafür ist, dass die gesamte Anwendung in Low Code entwickelt ist – und damit auch jede Fachfunktion und nicht nur die Oberflächen.

Die Digitalisierung erfordert neue Datenbanktechnologien

Neu entwickelte Systeme unterscheiden sich von konventioneller ERP-Software auch in der Art der Datenorganisation: Die Daten werden nicht in Form von Tabellen, sondern als Objekte gespeichert. Sie lässt sich sinnvoll mit dem Begriff Multi Relation Management, kurz MRM, beschreiben. In dieser objektbasierten Speicherung gehen die Feldtypen keine festen Beziehungen miteinander ein, sondern sie lassen sich jederzeit dynamisch zuordnen. So wird das System leichter anpassbar und deutlich schneller. Damit ist auch die Basis für IoT gelegt, die in vielen Fällen Voraussetzung für die Automatisierung ist.

Das Paradigma der relationalen Datenbanksysteme mag in der Frühzeit der ERP-Systeme revolutionär gewesen sein. Doch angesichts wachsender Datenmengen und instabiler Beziehungen ist eine Datenablage mit fixen Felderzuordnungen heute nicht mehr praktikabel. Wenn beispielsweise ein Ansprechpartner mit einem Unternehmen „fest verdrahtet“ ist, kann er beim Arbeitgeberwechsel nicht einfach „umgezogen“ werden. Der alte Datensatz lässt sich auch nicht löschen, weil der Kontakt dann verschwinden würde. Also muss der Kunde mit seiner neuen „Beziehung“ noch einmal komplett angelegt werden.

Im Gegensatz zu vielen herkömmlichen ERP-Produkten, die aus den unterschiedlichsten Quellen stammen und immer wieder nachträglich integriert werden müssen, basieren neue Systeme auf einer durchgehenden Infrastruktur mit eigener Cloud-Plattform. Infrastruktur und Anwendungen lassen sich entweder On-Premises installieren oder komplett as a Service beziehungsweise im Hybrid-Betrieb nutzen. Um Low-Code-Anwendungen in einer Cloud-Infrastruktur auszuliefern und zu betreiben, bedarf es einer Cloud-Plattform, wie sie zum Beispiel IBM mit Websphere und Microsoft mit Sharepoint bereitstellen. Doch anstatt eines der marktgängigen Produkte zu nutzen, können Hersteller auch den dazu nötigen Source-Code zu hundert Prozent in Eigenregie entwickeln. Folglich müssen sie so keine Rücksicht mehr auf Drittanbieter nehmen.

Jakob Jung

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