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Sicherheitskamera eufyCam 2 Pro im Test

Die Anker-Tochter Eufy genießt unter den Herstellern von Sicherheitskameras einen besonderen Ruf. Als einer der wenigen Anbieter ermöglicht Eufy eine lokale und verschlüsselte Speicherung der aufgenommenen Videos. Zusätzlich dazu bietet der Hersteller aber auch ein kostenpflichtiges Cloud-Abo mit Speicherplatz in einem deutschen Rechenzentrum.

Auch die Technik kann sich sehen lassen. Die eufyCam 2 Pro ermöglicht die Aufnahme von Videos mit einer Auflösung von bis zu 2K (2304 x 1296 Pixel, 15 fps), bietet einen Nachtmodus und eine Batterielaufzeit von bis zu 365 Tagen.

Lieferumfang

Zum Lieferumfang der eufyCam 2 Pro für 399 Euro gehören zwei wetterfeste 2K-Kameras (IP67) sowie eine Basisstation mit 16 GByte Speicher. Letztere fungiert außerdem als WLAN-Repeater. Außerdem gibt es noch zwei Schraub- und zwei Magnet-Halterungen, ein Mikro-USB-Ladekabel, ein Netzteil, ein Ethernet-Kabel sowie eine kurze Bedienungsanleitung. Für das Anbringen der Halterungen befinden sich außerdem noch vier klebbare Schablonen im Lieferumfang.

Einrichtung

Für die Ersteinrichtung muss die Basisstation (Homebase) über ein Ethernetkabel mit einem Router mit Internetverbindung verbunden werden. Später lässt sich das Ethernetkabel entfernen, sodass die Lösung komplett kabellos betrieben werden kann.

Die weitere Inbetriebnahme und die Steuerung der Sicherheitslösung erfolgt über die App Eufy Security. Für die Nutzung ist das Anlegen eines Kontos bei Eufy erforderlich, dessen Zugriff mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung geschützt werden kann. Die Ersteinrichtung mit Hilfe der App ist dank zielführender Hinweise in Form von Grafiken, Animationen und Text sehr einfach.

Montage, Diebstahlschutz

Für die Montage der Kamera befinden sich im Lieferumfang zwei Schraub- und zwei Magnethalterungen. Am hinteren Ende der Kamera befindet sich ein starker Magnet, sodass man sie auch ohne Halterung an metallischen Gegenständen befestigen kann. Will man die magnetische Halterung zur Befestigung nutzen, sollte man aus Gründen des Diebstahlschutzes natürlich darauf achten, dass die Kamera an einem Ort befestigt ist, der nicht ohne Weiteres von Dritten erreicht werden kann. Für zusätzliche Sicherheit sorgt ein optional aktivierbarer Diebstahlschutz, der Alarm schlägt, sobald sich die Kamera von ihrer Position bewegt.

Funktionen: Auflösung, Bewegungserkennung, Gegensprechanlage

Die Auflösung der Kameras mit 2304 x 1296 Pixeln fällt gegenüber Varianten mit FullHD (1920 x 1080 Pixel) insgesamt 44 Prozent größer aus. Durch die höhere Auflösung kommen Details besser zum Vorschein. Die Kamera nimmt Videos mit einem Betrachtungswinkel von 140 Grad auf und im Nachtmodus erfolgt eine Bewegungserkennung auf bis zu zehn Metern. Die Qualität der Videoaufnahmen ist sehr gut. Und auch der Nachtmodus weiß zu überzeugen. Bei der Positionierung muss man allerdings darauf achten, dass keine nahe stehenden Objekte das Sichtfeld begrenzen. Ansonsten werden diese bei Nacht stark belichtet.

Sobald die Kamera eine Bewegung erkennt, startet die Aufnahme. Standardmäßig liegt die Aufnahmedauer bei 20 Sekunden. Die Bewegungserkennung lässt sich auf Personen eingrenzen, sodass ein Hinweis nur erfolgt, sobald ein Mensch in den Fokus der Kamera gerät. Diese Einstellung hat im Test gut funktioniert: Personen werden erkannt, während die Bewegungen von Katzen keinen Alarm auslösen.

Zudem lässt sich die Empfindlichkeit für die Bewegungserkennung einstellen, was im Test jedoch nicht nötig war, da die Kamera mit den Standardeinstellungen keine Fehlalarme auslöst. Sollte es dennoch zu Fehlalarmen kommen, kann man die Bewegungserkennung mit der Festlegung eines Aktivitätsbereichs einschränken. Allerdings gibt es derzeit keine Möglichkeit, die Aufnahme auf den Aktivitätsbereich der Bewegungserkennung zu beschränken, was aus Datenschutzgründen zwingend erforderlich ist, sofern ein öffentlicher Bereich oder das Grundstück des Nachbarn von der Kamera erfasst wird.

Geofencing, Gegensprechanlage

In den Sicherheitseinstellungen der App stehen verschiedene Optionen zur Verfügung, mit denen man den Aktivitätsstatus der Kameras beeinflussen kann. Eine praktische Funktion ist Geofencing. Dadurch werden die Sicherheitskameras automatisch aktiviert, wenn sich der Nutzer außerhalb einer Grenze eines bestimmten Standorts befindet. Der Radius, ab dem die Kamera sich aktiviert, kann dabei justiert werden. Der Anwender muss somit keine festgelegten Zeiten einrichten oder den Betriebsmodus manuell anpassen.

Da die eufyCam 2 Pro auch über einen Lautsprecher und ein Mikrofon verfügt, lässt sie sich auch als Gegensprechanlage nutzen. Falls nicht erwünscht, kann man die Audioaufnahmefunktion aber auch deaktivieren. Anpassbar ist auch die Lautstärke des Lautsprechers.

App am Desktop nutzen

Die App Eufy Security liegt für Android und iOS vor. Mit ihr kann die eufyCam 2 Pro gesteuert werden. Zudem ist es auch möglich ein NAS mit RTSP (Real Time Streaming Protocol) zu nutzen. Allerdings kommt es laut einigen Kommentaren auf Amazon zu Problemen bei der Aktvierung. ZDNet steht für den Test der eufyCam 2 Pro kein kompatibles NAS zur Verfügung, sodass diese Funktion nicht untersucht werden konnte.

Es ist aber auch möglich, die eufyCam 2 Pro vom Desktop-Rechner aus anzusteuern. Das gelingt unter Windows und macOS mithilfe des Android-Emulators Bluestacks.

Hinweis 29.12.: Ein Zugriff vom Desktop-Rechner ist auch über das Portal mysecurity.eufylife.com möglich. Allerdings stellt das Portal keine auf der Homebase gespeicherten Videos dar. Das funktioniert nur mit einem kostenpflichtigen Cloud-Abo.

„It’s unavailable to play the clips stored in HomeBase local storage by web portal because they have been advanced encrypted. It’s recommended you to play them in the app or subscribe to the cloud recording service.“

HomeKit nur mit 1080p-Auflösung

Neben der Ansteuerung über die Eufy-App unterstützt die eufyCam 2 Pro auch Amazon Alexa, Google Assistant sowie Apple HomeKit. Mit letzterem steht allerdings die hohe Auflösung der Kamera nicht zur Verfügung, da HomeKit bei Videoaufnahmen derzeit nur FullHD bietet. Außerdem werden mit HomeKit die Videos in der Apple-Cloud gespeichert und es fallen monatliche Kosten an. Auch ist die Nutzung als Gegensprechanlage mit HomeKit nicht möglich. Zudem erlaubt Apple beim günstigsten Speicher-Plan mit 2,99 Euro pro Monat nur das Abspeichern von Videos von einer Kamera. Wer Videos von zwei Kameras abspeichern möchte, muss den 2-TByte-Speicherplan mit monatlichen Kosten in Höhe von knapp 10 Euro buchen.

Doch selbst damit stehen nicht alle Funktionen zur Verfügung, die Eufy bietet. Während mit der Eufy-Basisstation und der App bis zu 16 Kameras angesteuert werden können, erlaubt Apple maximal nur fünf Kameras. Alles in allem ist HomeKit aufgrund der hohen Kosten und der limitierten Funktionen somit nicht empfehlenswert. Weitere Infos zu diesem Thema bietet smart-live.net in diesem Video.

Batterielaufzeit

Eufy gibt als Batterielaufzeit für die eufyCam 2 Pro 365 Tage an. Allerdings ist diese Angabe an ein paar Bedingungen geknüpft wie 20 Grad Außentemperatur und nur zehn Bewegungserkennungen pro Tag, die mit einer Videosequenz von 30 Sekunden aufgezeichnet werden. Sobald die Außentemperatur niedriger ist oder mehr und längere Videos aufgezeichnet werden, fällt die Batterielaufzeit geringer aus.

Für den Test ist die eufyCam 2 Pro seit Ende Oktober im Außenbereich im Einsatz. Dabei ist eine Kamera durch die Montage an einem Terrassengeländer Wind & Wetter stärker ausgesetzt als die zweite Kamera, die im Schutz der Hauswand vor Wettereinflüssen besser geschützt ist. Nach 56 Tagen Betriebszeit mit einer Erkennung von etwas über 5000 Bewegungen zeigt die Akkuladung 58 Prozent respektive 74 Prozent an.

Die unterschiedliche Beanspruchung der Akkus sind nicht alleine den ungleichen Wettereinflüssen geschuldet, sondern auch, weil die Kameras verschiedene Bereiche überwachen und dadurch auch die Anzahl von Bewegungserkennungen und aufgenommenen Videos unterschiedlich hoch ausfällt. Bei mitteleuropäischen Wetterverhältnissen und einer wie im Test größeren Anzahl von Bewegungserkennungen wird man also davon ausgehen müssen, dass der Akku nicht wie angegeben ein ganzes Jahr halten wird. Projiziert man den bisherigen Akkuverbrauch kommt man auf eine Batterielaufzeit von 133 und 215 Tagen.

Batterielaufzeit mit Solarpanel verlängern

Die Einstellungen der App sieht als Stromversorgung auch ein Solarpanel vor. Diese Option hatten sich zuvor im Eufy-Support-Forum zahlreiche Anwender gewünscht. Die eufyCam kann zwar über ein Solarpanel aufgeladen werden, aber die meisten der derzeit von den Benutzern verwendeten Solarpanel sind von anderen Herstellern und nicht optimal auf die eufyCam 2 Pro abgestimmt, sodass es aufgrund von Fehlanpassungen und anderen Gründen zu Problemen beispielsweise mit der „Schnittstellenkorrosion“ kommen kann.

Eufy hat daher ein eigenes Solarpanel entwickelt, das diese Mankos behebt. Es ist derzeit aber nur in den USA erhältlich, soll jedoch in den nächsten Monaten auch in Deutschland verfügbar sein. Eufy hat eigenen Angaben zufolge 10.000 Steck- und Ladetests durchgeführt, um sicherzustellen, dass das Panel mit den Eufy-Kameras optimal funktioniert.

Fazit

Die eufyCam 2 Pro hinterlässt im Test einen hervorragenden Eindruck. Die kinderleichte Einrichtung, eine einfache Bedienung, zuverlässige Bewegungserkennungen mit unverzüglichen Warnhinweisen, sowie die Möglichkeit zur lokalen Speicherung stehen auf der Habenseite. Die lange Batterielaufzeit ist ebenfalls gut, wenngleich die versprochene Betriebszeit von 365 Tagen nur unter günstigen Bedingungen erreicht wird. Das bald auch in Deutschland optional erhältliche Solarpanel ist ein weiteres Plus. Aufgrund der Limitierungen von HomeKit und der hohen Kosten sind auch Apple-Anwender mit der Eufy-App besser bedient.

Kai Schmerer

Kai ist seit 2000 Mitglied der ZDNet-Redaktion, wo er zunächst den Bereich TechExpert leitete und 2005 zum Stellvertretenden Chefredakteur befördert wurde. Als Chefredakteur von ZDNet.de ist er seit 2008 tätig.

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