Sicherheitsforscher demonstrieren kritische Lücke in SAP Solution Manager

Forscher des Sicherheitsanbieters Onapsis haben bei der virtuellen Konferenz Black Hat USA eine Schwachstelle in der SAP-Software Solution Manager (SolMan) präsentiert. Sie erlaubt es Angreifern, auch ohne die Eingabe von Anmeldedaten „jedes System“, das mit der Plattform verbunden ist, zu kompromittieren, darunter SAP ERP, CRM und HR.

SolMan dient als zentralisierte Anwendung zur Verwaltung von IT-Lösungen, egal ob sie im eigenen Rechenzentrum, in der Cloud oder in Hybrid-Umgebungen vorgehalten werden. Aus Grund beschloss Onapsis bereits im vergangenen Jahr, die Sicherheit von SolMan, dem ihrer Ansicht nach „technischen Herz der SAP-Landschaft“, zu überprüfen.

SolMan nutzt den SAP Solution Manager Diagnostic Agent für die Kommunikation und Überwachung von Instanzen. SolMan selbst wird über die SAPGui bedient. Die Forscher untersuchten ein Setup mit dem SMDAgent und rund 60 Anwendungen, von denen 20 per HTTP Get, HTTP Post oder SOAP-Anfragen erreichbar waren.

Besonders anfällig war die Anwendung End User Experience Manager (EEM), mit der Administratoren Skripte erstellen können, die Aktionen von Nutzern emulieren. EMM benötigt für einen Zugang keine Anmeldedaten. Über EEM schleusten sie schließlich JavaScript-Code ein, der alle SMDAgents, die mit dem Solution Manager verbunden sind, kompromittierte.

Die mit der Kennung CVE-2020-6207 versehene Anfälligkeit lässt sich auch aus der Ferne ausnutzen. Im Common Vulnerability Scoring System (CVSS) ist sie mit zehn von zehn möglichen Punkten bewertet.

Darüber hinaus entdeckten die Forscher zwei Bugs im SAP Host Agent mit einem CVSS-Score von 7,2. Angreifer, die bereits über Administrator-Rechte verfügen, sind in der Lage, diese auf Root-Rechte auszuweiten. Werden die drei Sicherheitslücken miteinander verknüpft, lässt sich Schadcode aus der Ferne einschleusen und mit Root-Rechten ausführen. Angreifer würden also die vollständige Kontrolle über alle mit SolMan verbundenen SMDAgents erhalten.

Das würde es ihnen laut den Forschern ermöglichen, aus Nutzerdaten zuzugreifen, Finanzdaten zu manipulieren oder gar geschäftskritische Systeme abzuschalten. Das Walldorfer Softwarehaus kenne die Details der Schwachstellen seit Dezember 2019 beziehungsweise Februar 2020. Fixes seien im März sowie im April veröffentlicht worden.

„SAP-Systeme sind komplex und in den meisten Fällen hochgradig kundenspezifisch, was den Patch-Prozess sehr erschwert“, erklärten die Onapsis-Forscher. „Insbesondere der SAP SolMan wird aufgrund fehlender Geschäftsdaten in der Regel in puncto Sicherheit übersehen. Wir hoffen, dass die Leute verstehen werden, warum die Sicherung des SAP SolMan nicht übersehen werden sollte und eine Priorität ist, um die gesamte SAP-Landschaft und die wichtigsten Anwendungen des Unternehmens zu schützen.“

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Stefan Beiersmann

Stefan unterstützt seit 2006 als Freier Mitarbeiter die ZDNet-Redaktion. Wenn andere noch schlafen, sichtet er bereits die Nachrichtenlage, sodass die ersten News des Tages meistens von ihm stammen.

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