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Kartellanhörung: Apple-CEO Tim Cook verteidigt Geschäftsmodell des App Store

Apple-CEO Tim Cook hat bei einer Anhörung vor dem Kartellausschuss des US-Repräsentantenhauses das Geschäftsmodell des Apple App Store verteidigt. Die Provisionen, die Apple von Entwicklern verlange, die ihre Apps in dem Marktplatz verkauften, unterschieden sich nicht von denen des Wettbewerbs. Er wies auch den Vorwurf zurück, Apple habe im Markt für mobile Apps eine dominante Stellung.

In einer vor der Anhörung veröffentlichten Stellungnahme verneint Cook eine dominante Marktposition auch in Bezug auf das Apple-Smartphone iPhone. „Der Smartphone-Markt ist hart umkämpft, und Unternehmen wie Samsung, LG, Huawei und Google haben sehr erfolgreiche Smartphone-Geschäfte aufgebaut, die verschiedene Ansätze bieten.“

Der App Store begann Cook zufolge mit einem Angebot aus 500 Apps. Inzwischen könnten Nutzern zwischen 1,7 Millionen Produkten wählen, von denen nur 60 von Apple stammten. „Wenn Apple ein Torwächter ist, dann haben wir das Tor ganz klar weiter geöffnet. Wir wollen jede App, die wir bekommen können, in den Store bringen und nicht davon fernhalten.“

Allerdings richtet sich die Skepsis der US-Parlamentarier nicht gegen Apples eigenes Angebot im App Store, sondern die Tatsache, dass rund 1,5 Milliarden weltweit aktive iOS-Geräte Apps nur aus einer Quelle beziehen können: dem Apple App Store.

Neben Cook mussten sich auch die CEOs von Amazon, Facebook und Google den Fragen der Abgeordneten stellen. Sie wurde der Google-Chef zum Umgang seines Unternehmens mit Nutzerdaten sowie den Akquisitionen von Youtube und DoubleClick befragt. Amazons Jeff Bezos musste sich indes gegen Vorwürfe wehren, sein Unternehmen kopiere mit den eigenen Private-Label-Produkten die Waren anderer Anbieter.

Der demokratische Abgeordnete David Cilline, Vorsitzender des Kartelausschusses, zog nach der rund sechsstündigen Befragung eine eher negative Bilanz. „Diese Anhörung hat mir eine Tatsache klar gemacht“, sagte Cilline. „Diese Unternehmen, wie sie heute existieren, haben eine Monopolmacht. Einige müssen zerschlagen werden, alle müssen angemessen reguliert und zur Rechenschaft gezogen werden.“

Die Untersuchung des Abgeordneten Hauses hat allerdings auch eine politische Dimension. Vor allem republikanische Vertreter wie Jim Jordan aus dem US-Bundesstaat Ohio werfen unter anderem Twitter und Facebook vor, konservative Politiker, Medien und Meinungen zu benachteiligen. Google soll indes 2016 im Wahlkampf die demokratische Kandidatin Hillary Clinton unterstützt haben. „Ich komme einfach auf den Punkt. Big Tech ist hinter den Konservativen her.“

Unbestritten dürfte sein, dass Amazon, Apple, Facebook und Google als „Schwergewichte“ in der Technikbranche angesehen werden müssen. Ihr gemeinsamer Marktwert liegt bei rund 5 Billionen Dollar. Facebook hat beispielsweise so viele Nutzer wie China und Indien zusammen Einwohner. Amazon wiederum kontrolliert 38 Prozent des US-Online-Handels – mehr als sechsmal so viel wie der größte Konkurrent Walmart. Apple wiederum kontrolliert den App Store, der für Entwickler die einzige Möglichkeit ist, Apps an Besitzer von iPhones und iPads zu verkaufen. Google schließlich verarbeitet rund 90 Prozent aller Internetsuchanfragen weltweit.

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Stefan Beiersmann

Stefan unterstützt seit 2006 als Freier Mitarbeiter die ZDNet-Redaktion. Wenn andere noch schlafen, sichtet er bereits die Nachrichtenlage, sodass die ersten News des Tages meistens von ihm stammen.

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