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Nachhaltigkeit in der IT: Tue Gutes und rede drüber

Gastbeitrag Den Begriff „Nachhaltigkeit“ gibt es schon seit über 300 Jahren. Damals beschrieb er eine Art der Waldnutzung, bei der nicht mehr Holz entnommen wird als nachwachsen kann. Heute ist er viel weiter gefasst: Neben der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen schließt Nachhaltigkeit auch soziale und gesellschaftliche Aspekte ein. Wenn ein Unternehmen von Nachhaltigkeit spricht, muss es deshalb drei Dimensionen berücksichtigen: Ökonomie, Ökologie und Soziales.

Ann-Kathrin Gräfe, die Autorin dieses Beitrags arbeitet bei dotBerlin, der Betreiberin der Top-Level-Domain .berlin. dotBerlin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit und ist die erste Domain-Registry in Deutschland, die einen Nachhaltigkeitsreport veröffentlicht hat (Bild: dot.Berlin).
  • Ökonomie: Ökonomisch nachhaltig ist, was dauerhaft betrieben werden kann. Unternehmen also, denen es nicht um schnelle Gewinnmaximierung geht, sondern die langfristige Ziele haben und sinnvolle Projekte entwickeln, gelten als ökonomisch nachhaltig.
  • Ökologie: Bei der ökologischen Nachhaltigkeit geht es um die Umwelt. Unternehmen sollen sich für einen bewussten Umgang mit Energie, Wasser und endlichen Rohstoffen einsetzen. Außerdem sollen nur so viele nicht-nachwachsende Rohstoffe der Erde entnommen werden, wie durch erneuerbare Rohstoffe ersetzt werden können.
  • Soziales: Die soziale Nachhaltigkeit rückt den Menschen in den Mittelpunkt. Dessen Würde sowie die freie Entfaltung der Persönlichkeit dürfen niemandem abgesprochen werden. Auf Unternehmen bezogen bedeutet soziale Nachhaltigkeit zum Beispiel eine faire Bezahlung, die Möglichkeit zur Aus- und Fortbildung sowie der freien beruflichen Entfaltung.

Eine immer wichtigere Rolle spielt Nachhaltigkeit auch für die Verbraucher. Schon 2018 fand das Marktforschungsunternehmen YouGov im Rahmen einer Studie heraus, dass 88 Prozent der Befragten Maßnahmen ergreifen, um nachhaltiger zu leben. Dass diese Gruppe auch lieber bei Unternehmen Produkte kauft oder Dienstleistungen in Anspruch nimmt, denen die Thematik selbst wichtig ist, dürfte kaum überraschen. Aber wie erfahren potentielle Kunden vom eigenen Engagement?

Allgemein bekannt sind die Nachhaltigkeitsberichte großer Unternehmen, in denen es zum Beispiel um die eigene Forschungsabteilung, das Rentenprogramm für Mitarbeiter oder den Betriebskindergarten geht. Inhalte wie diese und eine umfangreiche Struktur sorgen dafür, dass gerade kleinere Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte als Luxus ansehen, den sie sich selbst nicht leisten können. Dabei lohnt sich der Mut zur Nachhaltigkeit! Wer seine nachhaltigen Ziele und Leistungen schriftlich festhält, kann Schwachstellen ermitteln, sich darauf konzentrieren und so besser wirtschaften. Außerdem stärken Unternehmen, die klar Position beziehen, die Beziehung zu ihren Kunden. Nicht zuletzt verbessert der Zugang zu neuen Zielgruppen die Wettbewerbsfähigkeit.

Wie erfahren Kunden von der Nachhaltigkeit?

Die gute Nachricht: Es muss nicht gleich der „große“ Nachhaltigkeitsbericht sein – mithilfe eines sogenannten Nachhaltigkeitsreports lässt sich die Nachhaltigkeit von Unternehmen ebenso gut ermitteln und nach außen kommunizieren. Im Prinzip funktioniert der Report genauso wie der Bericht: Er informiert die Anspruchsgruppen eines Unternehmens über dessen ökonomische, ökologische und soziale Aspekte und kann deswegen gut eingesetzt werden, um das Image eines Unternehmens zu stärken. Im Gegensatz zum Bericht haben die Verfasser eines Nachhaltigkeitsreports aber mehr Freiheiten – sie können selbst bestimmen, wo sie ihre Schwerpunkte setzen.

Für das Erstellen des Nachhaltigkeitsreports geben die Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI) einen gute Hilfestellung. Die GRI ist eine gemeinnützige Organisation, die das nachhaltige Engagement von Unternehmen unterstützt. Sie hat einen Rahmen erarbeitet, den Unternehmen nutzen können, um ihre ökonomische, ökologische und soziale Leistung zu messen. Orientierung bieten außerdem die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Sie wurden 2015 im Rahmen der sogenannten Agenda 2030 verabschiedet und sollen weltweit ein menschenwürdiges Leben ermöglichen und die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft bewahren. Unternehmen können die SDGs nutzen, um abzulesen, wie sie sich im Bezug dazu positionieren und wie sie dazu beitragen, die globalen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Aufwand und Kosten

Das Erstellen eines Nachhaltigkeitsreports ist keine Aufgabe, die einfach nebenbei erledigt werden kann. Und das sollte sie auch nicht – schließlich kann ein guter Report die Außenwahrnehmung eines Unternehmens langfristig positiv beeinflussen. Gleich zu Beginn empfiehlt sich eine gründliche Recherche aller benötigten Daten und Hintergrundinformationen. Sie bilden die Basis nicht nur für den ersten, sondern auch für alle folgenden Reports. Während das Erstellen des allerersten Nachhaltigkeitsreports also schon einmal rund ein halbes Jahr in Anspruch nehmen kann, reduziert sich der Aufwand für die Neuauflagen.

Was die Kosten betrifft, sind ganz unterschiedliche Ergebnisse möglich. Natürlich entstehen Personalkosten für alle diejenigen, die mit der Erarbeitung des Reports betraut sind – daher sollten hier ausreichend Ressourcen eingeplant werden. Außerdem können Kosten anfallen für Dienstleister wie zum Beispiel Grafiker sowie für die Maßnahmen, die (neue) Kunden auf den Report aufmerksam machen sollen. Nicht zuletzt hängt der finanzielle Aufwand davon ab, ob der Nachhaltigkeitsreport gedruckt oder nur digital erscheinen soll. Weil sie nachhaltiger ist, ist die Online-Version mittlerweile üblich.

In 6 Schritten zum Nachhaltigkeitsreport

Insgesamt sind für die Erstellung eines aussagekräftigen und umfassenden Nachhaltigkeitsreports sechs Schritte nötig:

(1) Ist-Aufnahme:

Am Anfang des Berichtsprozesses steht eine Analyse des Ist-Zustands: Welche Unternehmensbereiche, Prozesse und Produkte gibt es, und anhand welcher Werte können sie auf Nachhaltigkeit analysiert werden? Wo sind Sie schon gut – und wo gibt es Handlungsbedarf? Berücksichtigt werden sollte hier nicht nur die eigene Perspektive, sondern auch die der verschiedenen Anspruchsgruppen. Anspruchsgruppen sind alle Organisationen oder Personen, die auf ein Unternehmen Einfluss haben oder von dessen Aktivitäten betroffen sind.

(2) Grundaussage:

Erarbeiten Sie ein Verständnis dafür, wie Ihr Unternehmen Nachhaltigkeit definiert und welches Bild Ihr Report dementsprechend vermitteln soll. Dieses kann sich wie ein roter Faden durch den Bericht ziehen. Achten Sie auf ein ausgewogenes Bild: Kein Unternehmen hat nur Stärken – wer auch seine Schwächen nicht verschweigt, zeigt Transparenz und erhöht seine Glaubwürdigkeit.

(3) Anspruchsgruppen und wesentliche Themen:

Laut GRI sollen nur solche Themen Eingang in den Report finden, die für Sie und Ihre Anspruchsgruppen wesentlich sind. Um herauszufinden, welche Punkte wirklich wichtig sind, können Sie eine Wesentlichkeitsmatrix erstellen. Diese stellt alle wesentlichen Themen übersichtlich dar und hilft bei der Orientierung. Die Themen, die sich rechts oben befinden, sind wesentlich und sollten in den Report aufgenommen werden.

(4) Daten und Informationen:

Sind alle wesentlichen Themen definiert, erheben Sie die dafür nötigen Zahlen und Daten. Nehmen Sie sich für die Sammlung genügend Zeit und leiten Sie aussagekräftige Informationen ab.

(5) konkrete Ziele:

Haben Sie alle Informationen beisammen, leiten Sie daraus konkrete Ziele für Ihr Unternehmen ab. Achten Sie darauf, dass diese Ziele und die damit verbundenen Maßnahmen realistisch und quantifizierbar sind.

(6) Schreiben, Gestalten, Verbreiten:

Verpacken Sie zu guter Letzt Ihre Ergebnisse in ansprechende Texte und Bilder. Machen Sie außerdem Medien und Ihre Anspruchsgruppen auf Ihren Report aufmerksam – denn nur wenn Sie darüber sprechen, können Kunden auch von Ihrem Engagement erfahren.

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Kai Schmerer

Kai ist seit 2000 Mitglied der ZDNet-Redaktion, wo er zunächst den Bereich TechExpert leitete und 2005 zum Stellvertretenden Chefredakteur befördert wurde. Als Chefredakteur von ZDNet.de ist er seit 2008 tätig.

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