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HPE fokussiert im Rahmen der GreenLake-Umstellung Software

Die im November 2019 von HPE präsentierten Zahlen für das Geschäftsjahr 2018/2019 waren durchwachsen: In einigen Bereichen sanken die Umsätze massiv, die Marge fiel von acht auf sechs Prozent. Allerdings erwirtschaftete HPE im Gegensatz zum Vorjahr (- 757 Millionen Dollar) wieder ein positives Nettoergebnis von 425 Millionen Dollar.

Auf der Discover 2020, die wie die meisten Veranstaltungen im Corona-Jahr virtuell stattfand und einen interessanten Einblick in die Wohnzimmer des HPE-Topmanagements ermöglichte, verbreitete HPE nun Optimismus. Präsident und CEO Antonio Neri, selbst Covid-19-Rekonvaleszent und in häuslicher Quarantäne, ließ es sich trotzdem nicht nehmen, den Medien am Bildschirm zu einer virtuellen Frage- und Antwortrunde zur Verfügung zu stehen.

„Wir werden unsere Investitionen in der Krise verdoppeln.“ Antonio Neri, Präsident und CEO von HPE (Bild: HPE)

HPE werde die derzeitige Corona-Krise dazu nutzen, den Innovationsetat zu verdoppeln. Denn wer die richtigen Entscheidungen treffe, der habe in Zukunft Vorteile, sagte Neri. Die durch Corona ausgelösten Verschiebungen zum Home Office würden insgesamt die Gestaltung von Büroarbeitsplätzen massiv verändern. „In Zukunft leben wir in einer viel weiter verteilten IT-Welt. Ich gehe davon aus, dass nur noch die Hälfte unserer Mitarbeiter das Büro wieder als regelmäßigen Arbeitsort aufsuchen werden.“

„Das Wichtigste ist dabei die Connectivity, die allen Mitarbeitern gleichberechtigt und in gleicher Qualität zur Verfügung stehen muss“, betonte Neri. Daher sei Aruba, der von HPE aufgekaufte Spezialist für drahtlose Vernetzungstechnologien, „ein Kronjuwel“. HPE habe durch Aruba die richtigen Services. Denn dessen Technologien garantierten schnelle Skalierung der Vernetzungsressourcen, Sicherheit und gleichzeitig ein besseres Edge-Erlebnis. HPE könne also die Applikationen und Dienste zu den Daten bringen, egal, wo sie sich befinden. Dazu strebe man weiter internes und externes Wachstum, also Zukäufe, an und werde auch noch intensiver mit Partnern kooperieren.

Sein Softwaregeschäft konsolidiert HPE unter dem Label HPE Ezmerald (Bild: HPE).

Zentrales Transformationsbüro und eine neue Softwaremarke

Um die Umstellung des Unternehmens auf das GreenLake-Konzept zu befördern, hat HPE seit Januar ein Transformationsbüro eröffnet, das von John Schultz geleitet wird. HPE befinde sich, so Schultz, nun in Stufe 2 der vor mehr als fünf Jahren Meg Withman begonnenen Transformation.

„Im ersten Teil ging es darum, Hewlett Packard in erfolgsversprechende Teilfirmen aufzuteilen. Das ist sehr gut gelungen. Nun kommt der zweite Teil: Wir wollen unseren Kunden ein überragendes Kundenerlebnis ermöglichen“, sagte Schultz.

Dazu gehört auch die Aufwertung des Softwaregeschäfts. Die neue Marke HPE Ezmerald bündelt in Zukunft HPEs Softwareangebote. Zum Leiter wurde Kumar Sreekanti, der gleichzeitig als CTO fungiert, bestimmt. „HPE hat bereits 800 Softwareingenieure, die in diesem Bereich arbeiten“, sagte Sreekanti. Alle Softwareprodukte sollen als GreenLake-Service oder als Lizenz verfügbar sein. Lizenzen können dabei für jede Infrastruktur genutzt werden, sind also nicht auf bestimmte Betriebssysteme oder Umgebungen beschränkt.

Das Portfolio (siehe Abbildung) besteht derzeit aus sieben Komponenten, die die Bereiche App-Modernisierung, AI/ML und Analytics sowie CI/CD-Pipelines abdecken. HPE hat in Ezmerald beispielsweise auch die Technologien seiner Neuerwerbungen MapR und Blue Data integriert. MapR bildet die Grundlage für das Angebot Data Fabric, und die Container Platform, die schon vor einigen Monaten angekündigt wurde, basiert bekanntlich auf Blue-Data-Technologien. HPE Ezmerald soll stetig erweitert werden.

T-Shirt-Größen für GreenLake-Services

Was GreenLake angeht, fokussiert HPE auf seiner diesjährigen Discover Erweiterungen durch neue Services und eine weitere Vereinfachung des Bezugs und der Handhabung. Auch die Kooperation mit den Partnern in Bezug auf GreenLake soll intensiviert werden.

Insgesamt ist Keith White, Senior Vice President und General Manager der HPE GreenLake Cloud Services, vom Erfolg der GreenLake-Strategie überzeugt. Er ist erst im Januar zu HPE gestoßen und arbeitete zuvor 20 Jahre für Microsofts Cloud-Bereich Azure, kennt also das Geschäft genau. „Wir haben mittlerweile einen laufenden GreenLake-Vertragswert von vier Milliarden Dollar, bedienen rund 90 Kunden in 90 Ländern aus allen wichtigen Branchen mit GreenLake-Services und unsere Kunden-Retentionsrate liegt bei mehr als 90 Prozent“, berichtete er.

Über 700 Partner weltweit verkaufen derzeit GreenLake-Services. Dabei zielt HPE nun auch verstärkt auf Telcos, Managed Service Provider und Kolokateure. Derzeit macht HPE rund 35 Prozent des GreenLake-Umsatzes mit Partnern, angestrebt ist ein hälftiges Verhältnis.

Die Adresse hp.com „soll ein ähnliches Nutzungserlebnis eröffnen wie die Startseiten von AWS oder Azure“, sagt White. Kunden kommen von dort aus direkt auf das Point-and-Click-Portal GreenLake Central. Dort können sie Services testen, einen Überblick über das gesamte Servicegeschehen in der hybriden Multicloud gewinnen und Dienste bestellen oder skalieren. „Dabei liefert GreenLake Central auch Kosten- und Leistungsanalysen oder prüft die Compliance“, erklärt White.

Bestellte Services sollen innerhalb von vierzehn Tagen arbeitsbereit verfügbar sein – egal, was dafür wo installiert werden muss. Die Installation von Komponenten, sofern diese sich für eine partielle oder vollständige Erbringung auf eigenem Gelände oder beim Kolokateur entscheiden, übernimmt dabei HPEs Dienstleistungsarm Pointnext.

Die Neuerungen bei HPE GreenLake bestehen unter anderem in der Integration von Aruba-Netzdiensten, Services für Maschinenlernen und drei Standardgrößen für jeden Dienst (Bild: HPE).

Verbessert wurde unter anderem der Cloud-Services-Katalog, der nun die Point-and-Click-Bestellung aller Services ermöglicht. Neu ist auch, dass HPE Services in drei „T-Shirt-Größen“ zur Verfügung stellt. Sie bestimmen über die Größe der Installation, nicht aber über den Preis, den die Kunden zahlen. Der, so White, orientiere sich ausschließlich am genutzten Volumen.

HPE kündigt zudem neue Services an: Inzwischen sind alle Infrastrukturvarianten erhältlich – von Containern über virtuelle Maschinen bis hin zu separat georderter Storage, Servern und Vernetzungskomponenten. Weiter wurden diverse Dienste aus dem Bereich Maschinenlernen hinzugefügt, mit denen sich Aufgaben von der Pilotanwendung bis zur Realisierung von Daten-Apps erledigen lassen. Ein Kunde, der mit Hilfe dieser Lösungen an der Roboterisierung seiner Produktion auf Basis von GreenLake-Services arbeitet, ist ABB. Die beiden Unternehmen unterhalten seit einigen Jahren eine enge Kooperation.

Zudem sind jetzt auch die Intelligent-Edge-Lösungen von Aruba in das GreenLake-Serviceangebot integriert. Damit will HPE sein Versprechen realisieren, vom Core bis zum Edge einheitliche Dienste und eine kongruente Nutzererfahrung zu ermöglichen. Weiter wurde das Angebot an Sicherheits-Services ausgebaut.

HPE bietet im Rahmen von GreenLake insgesamt 17 vorintegrierte Konfigurationen an, auf die die interne Logistik auch zugeschnitten ist. Das ermögliche, die ehrgeizige Vorgabe einzuhalten, innerhalb von 14 Tagen jeden Dienst zu liefern. „Diese Konfigurationen lassen sich lego-ähnlich zusammenbauen“, erklärt White.

Cisco macht es nach

Und das Hardwaregeschäft? Man werde auch in Zukunft noch viel Hardware verkaufen, beteuerte Transformationsmanager Schultz. Entscheidend seien aber in Zukunft eine holistische Herangehensweise an Kundenprojekte und ein herausragendes Kundenerlebnis mit eine Ende-zu-Ende-Nutzungserfahrung.

Ob HPE es mit der GreenLake-Strategie schafft, dauerhaft aus den roten Zahlen zu kommen und wieder zu wachsen, muss man abwarten. Tatsache ist jedoch, dass der Hersteller mit seinem Plan, alles auf Service als Option umzustellen, auf das richtige Pferd gesetzt zu haben scheint. Denn kürzlich ließ auch Cisco wissen, man wolle das Gesamtportfolio innerhalb einige weniger Jahre komplett als nutzungsbasiert abgerechneten Service zur Verfügung stellen. Die Kundschaft habe inzwischen die Vorteile dieses Ansatzes erkannt habe.

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Kai Schmerer

Kai ist seit 2000 Mitglied der ZDNet-Redaktion, wo er zunächst den Bereich TechExpert leitete und 2005 zum Stellvertretenden Chefredakteur befördert wurde. Als Chefredakteur von ZDNet.de ist er seit 2008 tätig.

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