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Studie: Websites britischer Behörden überwachen Nutzer

Der Browseranbieter Brave wirft der britischen Regierung vor, die Besucher von Websites lokaler Behörden auszuspionieren. Im Rahmen einer Studie stellte Brave fest, dass nahezu alle lokalen Behörden mindestens einem Drittanbieter erlauben, dass Surfverhalten von Besuchern ihrer Websites zu verfolgen.

Insgesamt 198 Behörden-Websites in Großbritannien sollen Anzeigen über Echtzeitauktionen verkaufen. Brave bezeichnet diese Praxis als „größten Datenschutzverstoß“ in der Geschichte Großbritanniens, da keines der Beteiligten Unternehmen jemals die Zustimmung der Website-Besucher zur Verarbeitung ihrer Daten eingeholt habe.

„Obwohl die Rechtswidrigkeit nicht in Frage gestellt wird“, habe die Aufsichtsbehörde Information Commissioner Office (ICO) bisher nicht reagiert. Und da Google Eigentümer der fünf am häufigsten in Behördenwebsites integrierten Elemente sei, habe das Unternehmen Zugriff auf praktisch alle Inhalte, die Besucher von Behördenwebsites in Großbritannien aufriefen.

Der Studie zufolge sind auch einige Websites betroffen, die Nutzer zu sozialen Themen wie Behinderungen, Armut sowie Drogen- und Alkoholsucht beraten sollen. Neben Google sollen aber auch Facebook und Twitter sowie der Datenhändler LiveRamp Zugang zu Daten von Besuchern britischer Behördenwebsites erhalten.

Brave kritisiert, dass die britische Datenschutzbehörde trotz zahlreicher Beschwerden, unter anderem von Brave selbst, bisher nicht tätig geworden ist. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Behörden die Menschen im Vereinigten Königreich einer massenhaften Profilierung aussetzen. Das ist gefährlich, weil es zu Manipulation und Diskriminierung führt“, sagte Johnny Ryan, Chief Policy Officer von Brave. „Dies ist ein Problem, wenn ein Algorithmus beschließt, Ihre Bewerbung für eine Stelle nicht in die engere Wahl zu nehmen, weil Sie beispielsweise zuvor auf der Seite der Drogenhilfe einer Stadtverwaltung aktiv waren.“

Der britische Fernsehsender BBC hat zudem herausgefunden, dass vor allem Beratungswebsites lokaler Behörden für sozial schwache Menschen benutzt werden, um Besucher mit Werbung zu überteuerten Krediten zu versorgen. Werbecookies von Drittanbietern fand die BBC auf mehr als die Hälfte aller Websites lokaler Behörden. Zudem erfüllten mehr als zwei Drittel der Behördenwebsites die Anforderungen der DSGVO in Bezug auf die Zustimmung von Nutzern nicht.

Ein Sprecher der Datenschutzbehörde kündigt an, die Erkenntnisse der BBC zu überprüfen. „Die ICO ist zwar bestrebt, innovative Anwendungen der Technologie zu fördern, doch darf dies nicht auf Kosten der gesetzlichen Grundrechte der Menschen gehen. Diese Untersuchung der BBC unterstreicht unsere Bedenken über den Mangel an Transparenz und Zustimmung bei der Verwendung von Werbetechnologien.“

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Stefan Beiersmann

Stefan unterstützt seit 2006 als Freier Mitarbeiter die ZDNet-Redaktion. Wenn andere noch schlafen, sichtet er bereits die Nachrichtenlage, sodass die ersten News des Tages meistens von ihm stammen.

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