Sophos: Abo-Betrug im Play Store betrifft mehr als 600 Millionen Nutzer

Insgesamt 25 Apps nutzen eine Lücke in Googles Play-Store-Richtlinie. Nutzer, die diese Apps während einer Testphase löschen, beenden damit nicht das zuvor abgeschlossene Abonnement. Entwickler belasten das Google-Konto anschließend mit bis zu 69,99 Dollar pro Woche.

Sophos warnt erneut vor Apps im Google Play Store, die Nutzern eine Abo-Falle stellen. Die kostenpflichtigen Anwendungen locken mit einer kostenlosen Testphase. Trotz Deinstallation vor Ablauf des Testzeitraums unterstellen die Entwickler jedoch den Abschluss eines Abonnements – was aktuell mehr als 600 Millionen Nutzer betreffen soll.

Die Zahl verteilt sich auf 25 Apps, die Sophos als „Fleeceware“ einstuft. Damit bezeichnet der britische Sicherheitsanbieter Anwendungen, die eine Lücke in den Nutzungsbedingungen des Play Store ausnutzen. Google bietet Entwicklern die Möglichkeit, ihren Kunden kostenpflichtige Apps für einen Testzeitraum kostenlos zur Verfügung zu stellen. Falls die App nicht gefällt, kann sie wieder deinstalliert werden. Allerdings sieht die Play-Store-Richtlinie eigentlich vor, dass Nutzer zuerst das Testabonnement kündigen und danach die App entfernen. Streng genommen gilt das Abonnement nach Ablauf des Zeitraums ohne Kündigung als gekauft – egal ob die App installiert ist oder nicht.

Fleeceware-Apps (Bild: Sophos)Üblicherweise legen Entwickler die Richtlinie aber nicht so streng aus und akzeptieren die Löschung der App während der Testphase als Kündigung. Bei Fleeceware ist das nicht der Fall. Zudem kommt hinzu, dass solche Apps oftmals extrem hohe Preise verlangen. Ein Abonnement für einen Barcode-Scanner soll beispielsweise mehr als 100 Euro kosten – pro Monat.

Einige der nun entdeckten Fleeceware-Apps brachten es laut Sophos auf mehr als 100 Millionen Downloads. Malware-Analyst Jagadeesh Candraiah vermutet, dass einige der Hintermänner Installationsdienste von Drittanbietern benutzt haben, um ihre Downloadzahlen in die Höhe zu treiben. Er geht außerdem davon aus, dass Bewertungen für die Apps gekauft wurden, um mehr Nutzer anzuziehen.

In einem Blogeintrag hält Sophos eine Liste der fraglichen Apps bereit. Es handelt sich unter anderem um Tastatur-Apps, Sicherheits-Apps, Kamera-Apps oder Screenrecorder. Die ermittelten Abopreise liegen zwischen 4,98 Dollar pro Monat und 69,99 Dollar pro Woche.

Bei der Schätzung der Zahl der Betroffenen berücksichtigte Sophos, dass wahrscheinlich nicht jeder Nutzer, der eine dieser Apps heruntergeladen hat, auch ein Probe-Abonnement abgeschlossen hat. Wer allerdings schonmal einen Gratistest einer Bezahl-App angenommen hat, sollten sich seinen Zahlungsverlauf im Play Store anschauen und die aktuellen Abonnements kontrollieren. Wer grundsätzlich keine Apps oder Abonnements über den Play Store kaufen will, sollte zudem prüfen, ob eine Zahlungsmethode im Google-Konto hinterlegt ist und diese gegebenenfalls entfernen – was allerdings nicht möglich ist, falls Google Pay genutzt werden soll.

Die Fleeceware-Apps sind weiterhin im Play Store erhältlich. Kommentare von Nutzern zeigen, dass das Geschäftsmodell offenbart aufgeht. „Es heißt 3 Tage kostenlos testen und dann kündigen, wenn man es nicht will. Am dritten Tag kommt die Meldung, dass man ein Abo für ein Jahr für 99 Euro abgeschlossen hat“, bewerte eine Nutzerin die App Go Recorder im November 2019. „Betrug. Nach zwei Tagen die böse Überraschung: 100 Euro Abbuchung an Google. Dabei habe ich zwei Minuten genutzt und dann direkt deinstalliert“, heißt es in einer anderen Kritik.

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