RIPE: Letzte neue IPv4-Adressen für Europa vergeben

Das RIPE Network Coordination Centre (RIPE NCC) in Amsterdam hat nach eigenen Angaben gestern um 15.35 Uhr die letzten für Europa verfügbaren neuen IPv4-Adressen vergeben. „Uns sind jetzt die IPv4-Adressen ausgegangen“, teilte die für insgesamt 76 Länder in Europa, dem Mittleren Osten und Teilen von Asien zuständige Organisation mit.

Die Nachricht an sich ist keine Überraschung. Da es nur insgesamt 4,2 Milliarden IPv4-Adressen gibt und jedes internetfähige Gerät, vom Smartphone über den PC bis hin zum Fernseher, eine IP-Adresse benötigt, wurde eigentlich schon seit 2012 damit gerechnet, dass Europa seine letzten IPv4-Adressen in absehbarer Zeit verbraucht. Bereits vor sieben Jahren war der Vorrat auf einen /8-Block mit 16,8 Millionen Adressen geschrumpft.

Ab sofort können IPv4-Adressen nur noch über eine Warteliste vergeben werden. Sie wird mit Adressen gefüllt, die zuvor an das RIPE NCC zurückgegeben wurden. Sie stammen dann beispielsweise von Unternehmen, die den Geschäftsbetrieb eingestellt haben, oder von Netzwerken, die bestimmte Adressen nicht mehr benötigen. Es wird erwartet, dass so jedes Jahr wenige Hunderttausend Adressen verfügbar sein werden. „Deutlich weniger als die vielen Millionen, die Netzwerke heute benötigen“, so das RIPE NCC.

Mit IPv6 steht schon länger ein Nachfolger in den Startlöchern, der das Adressproblem löst. Allerdings hat die neue Version des Internet Protocol (IP) bisher nicht die gewünschte oder gar benötigte Verbreitung erreicht. „Ohne eine umfassende IPv6-Implementierung laufen wir Gefahr, in eine Zukunft zu starten, in der das Wachstum unseres Internets unnötig begrenzt ist – nicht durch den Mangel an qualifizierten Netzwerkingenieuren, technischen Geräten oder Investitionen, sondern durch einen Mangel an eindeutigen Netzwerkidentifikatoren. Es ist noch ein langer Weg, und wir fordern alle Beteiligten auf, ihre Rolle bei der Unterstützung des IPv6-Rollouts zu übernehmen“, heißt es in einer Pressemitteilung des RIPE NCC.

Als Alternative zu einer Umstellung auf IPv6 hat sich ein Sekundärmarkt für gebrauchte IPv4-Adressen entwickelt. Die Preise liegen dort im Bereich zwischen 10 und 30 Euro pro Adresse. Der weltweite Transfermarkt für IPv4-Adressen liegt damit im Bereich von mehreren Hundert Millionen Dollar.

WEBINAR

Webinar-Aufzeichnung: Zugangsdaten unter Kontrolle behalten

Sicherheit beginnt bei Identitäten, hört aber nicht dort auf. Wie Identity Management, Active Directory und Privileged Access Management (PAM) zusammenpassen, erfahren Sie in diesem Webinar.

Stefan Beiersmann @beiersmann

Stefan unterstützt seit 2006 als Freier Mitarbeiter die ZDNet-Redaktion. Wenn andere noch schlafen, sichtet er bereits die Nachrichtenlage, sodass die ersten News des Tages meistens von ihm stammen.

Recent Posts

Türkei hebt nach fast drei Jahren Sperre von Wikipedia auf

Die Regierung setzt ein Urteil des Obersten Gerichtshofs um. Der stuft die Blockade als verfassungswidrig ein. Das Gericht folgt seiner…

1 Stunde ago

Google stellt Chrome-Apps auf allen Plattformen ein

Die Änderung gilt schon in diesem Jahr für Windows, macOS und Linux. Unter Chrome OS gibt Google seinen Kunden mehr…

3 Stunden ago

Januar-Patchday: Oracle schließt 334 Lücken in seinen Produkten

Es sind insgesamt 94 Produkte betroffen. 191 Schwachstellen lassen sich aus der Ferne ohne Eingabe von Anmeldedaten ausnutzen. Die Gesamtzahlen…

5 Stunden ago

Proof-of-Concept-Exploits für NSA-Crypto-Lücke in Windows veröffentlicht

Es liegen mindestens drei verschiedene Exploits vor, von denen zwei öffentlich verfügbar sind. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit von Angriffen deutlich.…

6 Stunden ago

Mozilla entlässt 70 Mitarbeiter – auch führende Manager

Das Unternehmen reagiert auf sinkende Nutzerzahlen und den damit verbundenen Umsatzrückgang. CEO Mitchell Baker räumt ein, dass der Aufbau neuer…

21 Stunden ago

Sophos: Abo-Betrug im Play Store betrifft mehr als 600 Millionen Nutzer

Insgesamt 25 Apps nutzen eine Lücke in Googles Play-Store-Richtlinie. Nutzer, die diese Apps während einer Testphase löschen, beenden damit nicht…

23 Stunden ago