Huawei-Sanktionen: China weist Vorwürfe von US-Außenminister zurück

Mike Pompeo bezichtigt den Huawei-Gründer der Lüge und drängt verbündete Länder zum Verzicht auf Huawei-Produkte. Chinesische Diplomaten werfen Amerika vor, mit seinem Handelskrieg die technologische Entwicklung Chinas bremsen zu wollen.

China hat Behauptungen des amerikanischen Außenministers Mike Pompeo scharf zurückgewiesen. „US-Politiker haben jüngst immer wieder Gerüchte über Huawei verbreitet, aber niemals klare Belege geliefert, die von anderen Ländern verlangt wurden“, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenminsteriums, als er nach Pompeos Bemerkungen gefragt wurde. „Innerhalb der Vereinigten Staaten kommen immer mehr Zweifel zum Handelskrieg auf, den die amerikanische Seite mit China provoziert hat, zu den durch den Technologiekrieg verursachten Marktturbulenzen und der blockierten industriellen Zusammenarbeit.“

Handelsstreit USA-China (Bild: Shutterstock)

Pompeo hatte zuvor Huawei-Gründer Ren Zhengfei der Lüge bezichtigt. „Wenn sie sagen, dass sie nicht mit der chinesischen Regierung zusammenarbeiten, dann ist das falsch“, sagte er gegenüber CNBC. „Mindestens in dieser Hinsicht sagt der Huawei-CEO dem amerikanischen Volk nicht die Wahrheit.“ Der Außenminister sagte außerdem, er habe weltweit bei Treffen mit Regierungschefs „die Risiken erläutert“, die der Einsatz von Huaweis Telekommunikationstechnik für die nationale Sicherheit anderer Länder bedeute.

Huawei ist der weltgrößte Hersteller von Telekommunikationsausrüstungen und drängt auch im weltweiten Smartphonemarkt nach vorn. Der Hersteller steht aber wegen der angeblichen Verbindungen zur chinesischen Regierung schon länger im Fokus amerikanischer Behörden. Sie unterstellen ihm mögliche Spionagetätigkeit mithilfe der Telekommunikations-Infrastruktur und der Geräte.

Eine gezielte Eskalation erfolgte jetzt mit Sanktionen der US-Regierung, durch die Huawei zunehmend vom Erwerb benötigter Hardware-Komponenten und Software abgeschnitten ist. Die USA drängen außerdem verbündete Länder zum Verzicht auf chinesische Telekommunikationsausrüstung.

Nachdem die Sanktionen bereits Google dazu brachten, Huawei die Android-Lizenzen zu entziehen, mehren sich die Anzeichen, dass Huawei auch die Softwarelizenzen von Microsoft verliert und damit beispielsweise sein Flaggschiff-Notebook MateBook X Pro künftig nicht mehr mit Windows anbieten kann. Huawei arbeitet zwar schon länger an einem eigenen Betriebssystem als strategischer Alternative, das sich für Smartphones, Tablets und Notebooks eignen soll – aber noch nicht voll einsatzbereit ist.

US-Präsident Donald Trump bezeichnete Huawei jüngst als „sehr gefährlich“ für die Sicherheit der Vereinigten Staaten. Gleichzeitig legte er nahe, die Probleme rund um Huawei könnten im Rahmen eines Handelsabkommens zwischen den beiden Ländern gelöst werden. Noch weit heftiger äußerte sich Trumps früherer Strategieberater Steve Bannon in einem telefonischen Interview mit der South China Morning Post. „Es ist ein massives Sicherheitsrisiko für den Westen“, sagte er. Die von Trump verfügten Sanktionen gegen Huawei bezeichnete er als „zehnmal wichtiger als den Verzicht auf ein Handelsabkommen“. Huawei nannte er „eine große Bedrohung der nationalen Sicherheit, nicht nur für die USA, sondern auch für den Rest der Welt. Wir werden es dicht machen.“

Der chinesische Botschafter für Großbritannien warf den USA vor, einen Technologiekrieg gegen China zu führen. „Es gibt viele Gründe für die USA, einen Handelskrieg mit China zu führen, aber das sind nicht die wirklichen Motive“, sagte Liu Xiaoming bei einer Rede an der Huawei University in Shenzhen. „Auf den ersten Blick haben sie einen Handelskrieg begonnen, aber dem liegt ein Technologiekrieg zugrunde, um Chinas Vorankommen in der technologischen Entwicklung zu behindern. Deshalb werden die USA nicht damit zufrieden sein, Huawei aus dem US-Markt auszusperren, sondern wollen Huawei auch aus Märkten rund um die Welt verdrängen.“

HIGHLIGHT

Trump gefährdet die globale Tech-Industrie

Aufgrund der jüngsten Sanktionsliste der US-Regierung beendet Google die Zusammenarbeit mit Huawei. Andere US-Firmen folgen. Mit seiner Sanktionspolitik gefährdet Trump nicht nur chinesische Konzerne. Auch europäische Firmen leiden unter der US-Politik.

Themenseiten: China, Huawei, Microsoft, Politik, USA, Unternehmen

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10 Kommentare zu Huawei-Sanktionen: China weist Vorwürfe von US-Außenminister zurück

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  • Am 24. Mai 2019 um 20:58 von Amba

    kann die NSA die Verschlüsselung von Huawei nicht knacken?
    Mittlerweile traue ich Politikern fast egal welcher Nation nicht weiter als ich sie werfen könnte.

  • Am 24. Mai 2019 um 21:59 von Thomas

    Hat der NSA oder die CIA damals nicht die deutsche Regierung abgehört… soviel zur Spionage..

  • Am 25. Mai 2019 um 0:11 von Burkk45

    China hat durch seinen massiven Technologie Subventionen, massenhaften Firmenaufkäufen usw.massiven Schaden angerichtet. Jetzt ist die Zeit dafür gekommen das es dafür bezahlt.

  • Am 25. Mai 2019 um 10:00 von Werner

    sehe ich auch so, breiten sich in der ganzen Welt aus auf Kosten der jeweiligen Nation. Wer sagt dass im Falle eines Krieges China über ein eingebautes Backdoor nicht die Kommunikation sabotiert? Das muss unter allen Umständen verhindert werden

  • Am 25. Mai 2019 um 17:12 von Alexander

    @Werner: Ja, richtig so. Wir sollten lieber weiterhin Technologie von US-Firmen nutzen. Von denen ist ja bekannt, dass sie definitiv nie und nimmer irgendwelche Backdoors nutzen würden um jemanden abzuhören. Eine Frechheit, dass China jetzt auf dem Markt auch noch mitmischen will, auch wenn es dafür keinerlei Beweise gibt.

  • Am 26. Mai 2019 um 15:09 von NepomukXXIII

    die chinesen breiten sich aus?
    also nicht gleiches recht für alle, sondern alles den amis? wenn das deutsche volk nicht so feige und jämmerlich wäre, hätten wir uns schon längst ebenfalls mit den amis anlegen müssen, aber wir haben halt keine eier und somit sagen wir halt zu allem ja, aber vielleicht – ok denn nicht …
    haben schaden angerichtet? welchen scahden haben die chinesen angerichtet, den die amis nicht schon vorher vorgemacht haben?
    aber alle sind glücklich made in china billig zu kaufen? super moral!

  • Am 27. Mai 2019 um 7:35 von ckOne

    Ja wir alle sollten lieber die amerikanischen Produkte verwenden, die dann in China gefertigt werden !?!
    Damit hat China ja nun wirklich sogar vor dem Marktstart Zeit die US-Amerikanischen Hintertürchen zu finden und zu nutzen. Das heißt doch im Umkehrschluß die brauchen keine eigene Hintertür. Der US-Clown im farbigen House hat nur Angst, das seine Schnüffler keinen Zugriff mehr auf die Huawei-Technik haben, weil Huawei sich nicht erpressen läßt eine US-Hintertür einzubauen.

  • Am 27. Mai 2019 um 8:48 von Helmut

    Welche Hintertüren haben US Chiphersteller im Auftrage der US Administration bereits in ihren Produkten verbaut? Hat daran schon mal jemand gedacht, so nach der Devise haltet den Dieb. Wer setzt Überwachungssoftware aus israelischen Quellen ein, da fallen mir gleich einige Länder ein. Worauf basiert das, auf Hard- und Softwarelücken? Und wer liefert die Hardware? Schon erstaunlich wie sich Länder erpressen lassen unter dem Deckmantel der Freiheit.

  • Am 27. Mai 2019 um 13:24 von plastikschaufel

    Trump hat Angst. Die Konkurrenz ist zu stark, und wenn die Menschen Chinesische Produkte benutzen, können seine Geheimdienste mangels US-Backdoor-Hardware nicht mehr spionieren.
    Lustigerweise ist allseits bekannt, dass Amerikanische Unternehmen mit der Regierung zusammenarbeiten, seinerseits hat er aber keinerlei Beweise.

    Trump muss dringend abgewählt werden.

  • Am 28. Mai 2019 um 15:35 von Armin Berndt

    Sehe ich genau so. Trump muss dringendst abgewählt werden. Was er da macht ist ganz klar ein realer Krieg. Dass er einfach einen Krieg beginnt, ohne demokratische Legitimierung ist -wieder mal- ein typischer Trump-Zug. Er trägt alle Züge eines waschechten Diktators. Und… wie ist es natürlich? Es gibt natürlich immer viele Idioten, die voll auf der Seite des Diktators stehen.

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