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Huawei entlässt in Polen verhafteten Mitarbeiter

Huawei hat einen Mitarbeiter entlassen, der Ende vergangener Woche in Polen verhaftet wurde. Die dortigen Behörden erheben gegen Wang Weijing sowie einen ehemaligen Mitarbeiter einer polnischen Sicherheitsbehörde Spionagevorwürfe. Das polnische Innenministerium nimmt den Vorfall zudem zum Anlass, mit der Europäischen Union und der NATO über einen Ausschluss von Huawei aus bestimmten Märkten zu diskutieren.

„Es gibt auch in der NATO Bedenken gegenüber Huawei“, sagte der polnische Innenminister Joachim Brudzinski dem Radionsender RMF FM. Am sinnvollsten sei eine gemeinsame Position der EU- und NATO-Mitgliedstaaten. Zudem betonte er, dass Polen an guten, intensiven und für beide Seiten attraktiven Beziehungen zu China interessiert sei.

Huawei versuchte indes, sich mit der Kündigung von Wang Weijing von dem Vorfall zu distanzieren. Dessen angebliche illegale Taten ständen in keinem Zusammenhang zu Huawei. „In Übereinstimmung mit den Bedingungen des Arbeitsvertrags von Huawei haben wir diese Entscheidung getroffen, weil der Vorfall Huawei in Verruf gebracht hat“, heißt es in einer Stellungnahme des chinesischen Konzerns. Huawei halte sich stets in allen Ländern an alle anwendbaren Gesetze und Regeln. Das gelte auch für jeden Mitarbeiter.

Ein Sprecher der polnischen Sicherheitsdienste erklärte gegenüber Reuters, die Vorwürfe basierten auf individuellen Taten und seien nicht direkt mit Huawei verknüpft. Ein Regierungsvertreter betonte indes, dass man nun Huaweis Beteiligung am Aufbau von 5G-Telekommunikationsnetzen in Polen erneut prüfe.

Analysten warnen auch vor möglichen Nachteilen durch einen Ausschluss Huaweis. Sie rechnen mit höheren Kosten und auch niedrigeren Geschwindigkeiten, falls Huaweis Technologien nicht zur Verfügung stehen.

Spionagevorwürfe gegen Huawei und dessen Mitarbeiter sind nicht neu. Verschiedene Staaten raten beispielsweise vom Einsatz von Huawei-Produkten in Regierungsnetzen ab. Die Tschechische Republik begründete dies zuletzt mit chinesischen Gesetzen, die Unternehmen zu einer Zusammenarbeit mit den dortigen Geheimdiensten verpflichteten.

Huawei weist solche Anschuldigungen stets zurück. Chairman Ken Hu forderte zudem auf, zumindest gegenüber Huaweis Kunden etwaige Beweise offenzulegen. 2012 hatte beispielsweise eine Risikostudie des Weißen Hauses keine Beweise für Spionagesoftware in Huawei-Produkten erbracht.

Huawei wird derzeit auch in den Handelsstreit zwischen den USA und China hineingezogen. Aufgrund eines Ersuchens von US-Behörden wurde Anfang des Monats die Finanzchefin von Huawei am Flughafen von Vancouver festgenommen. Sie soll in Geschäfte verstrickt sein, mit denen Huawei das US-Handelsembargo gegen den Iran umgangen haben. Auch diese Vorwürfe bestreitet Huawei. Der Fall ist besonders brisant, weil die Managerin auch die Tochter des Huawei-Firmengründers ist.

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Stefan Beiersmann

Stefan unterstützt seit 2006 als Freier Mitarbeiter die ZDNet-Redaktion. Wenn andere noch schlafen, sichtet er bereits die Nachrichtenlage, sodass die ersten News des Tages meistens von ihm stammen.

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