US-Mobilfunkkonzerne verkaufen Standortdaten ihrer Nutzer

Die Daten landen zum Teil auch bei Abnehmern, denen der Erwerb solcher Daten laut den Richtlinien der Provider untersagt ist. Zum Teil erfolgt der Verkauf über mehrere Zwischenhändler. Unter anderem können Kopfgeldjäger Standorte von Handys ermitteln.

US-Mobilfunkkonzerne verkaufen offenbar weiterhin Standortdaten ihrer Nutzer. Das will zumindest Motherboard in Bezug auf T-Mobile USA, Sprint und AT&T in Erfahrung gebracht haben. Die Daten sollen anschließend auch in die Hände von Kopfgeldjägern und anderen Personen gefallen sein, die solche Informationen gar nicht besitzen dürfen.

Datenschutz (Bild: Shutterstock)Dem Bericht zufolge sollen besagte Kopfgeldjäger, die Personen ermitteln, die gegen ihre Kautionsauflagen verstoßen haben, in der Lage sein, nur anhand einer Mobilfunknummer nahezu in Echtzeit den ungefähren Standort einer Person abzufragen. Die anonyme Quelle von Motherboard, die selbst im Kautionsgeschäft tätig sein soll, erklärte, die Daten würden auch „an die falschen Leute“ weiterverkauft.

Eigentlich sollen solche Standortdaten nur für klar vorgegebene Zwecke benutzt werden. Finanzdienstleister können beispielsweise prüfen, ob ein Kunde, der sich normalerweise im Großraum New York aufhält, tatsächlich gerade mit seiner Kreditkarte kostspielige Einkäufe in Südamerika tätigt. Abschleppdienste wiederum orten mithilfe solcher Daten liegengebliebene Kunden.

AT&T erklärte gegenüber Motherboard, seine Geschäftsbedingungen untersagten eine Nutzung von Standortdaten von Kunden durch Kopfgeldjäger. Die Anschuldigungen würden einen Vertragsbruch und einen Verstoß gegen AT&Ts Datenschutzrichtlinie bedeuten, heißt es in einer E-Mail eines AT&T-Sprechers, die Motherboard vorliegt.

Zum Teil sollen die Daten, die Telefonanbieter gegen Bezahlung preisgeben, über mehrere Zwischenhändler schließlich bei Abnehmern landen, die sie eigentlich gar nicht kaufen dürfen. Auf diesem Weg sollen Daten zu einer Telefonnummer von T-Mobile USA über fünf Stationen bei Motherboard gelandet sein, darunter ein Kopfgeldjäger und besagte Quelle, die im Kautionsgeschäft tätig sein soll.

Unklar ist dem Bericht zufolge, ob die Datensammlung stets mit Wissen und Zustimmung der betroffenen Nutzer erfolgt. Dies sei unter anderem eine Vorgabe des Branchenverbands CTIA. Laut einer anderen Quelle würden die Daten jedoch solange verkauft, wie man Geld damit machen könne.

Im Mai war die Praxis der Weitergabe von Standortdaten erstmals öffentlich angeprangert worden. Einer der Abnehmer solcher Daten, das Unternehmen LocationSmart, hatte sie versehentlich über seine Website für jedermann verfügbar gemacht.

Der demokratische Senator Ron Wyden erklärte gegenüber Ars Technica, er sei enttäuscht, dass die Mobilfunkanbieter offenbar immer noch Standortdaten an Datenhändler verkauften. „Die großen Anbieter hatten sich verpflichtet, diese Praktiken zu beenden, aber es scheinen mehr leere Versprechungen an die Verbraucher gewesen zu sein“, twitterte der Politiker. Er kündigte erneut neue Gesetze an, um die Daten von Verbrauchern zu schützen und Unternehmen haftbar zu machen.

AT&T gab an, man habe die Zusammenarbeit mit dem Händler MicroBilt eingestellt. Sprint wiederum betonte, dass man wissentlich keine Standortdaten herausgebe, die eine Identifikation von Nutzern erlauben, außer aufgrund eines Gerichtsbescheids. T-Mobile schließlich kündigte an, keinen Missbrauch seiner Kundendaten zu dulden. Kurz darauf teilte CEO John Legere per Twitter mit, sein Unternehmen stelle den Verkauf von Standortdaten wie angekündigt ab März vollständig ein.

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Themenseiten: AT&T, Datenschutz, GPS, Mobilfunk, Privacy, Sprint, T-Mobile, Verizon

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