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Chinesische Online-Händler auf dem Weg nach Europa

Online-Händler aus China nehmen verstärkt den europäischen Markt ins Visier. Unter anderem Alibaba und JD.com starten laut Handelsblatt einen „Angriff auf Amazon, Zalando und Otto“. So will beispielsweise JD.com noch in diesem Jahr ein eigenes Büro in Deutschland eröffnen.

Im Interview mit der Wirtschaftszeitung sagte Richard Liu, Gründer und Vorstandschef von JD.com: „Mir geht es nicht mehr nur darum, Produkte von Deutschland nach China zu verkaufen. Ich möchte auch Produkte in Europa verkaufen. Bis Ende des Jahres werde die Strategie für den Markteintritt stehen. „Es geht nur noch darum, Details zu klären.“

Dem Bericht zufolge errichten JD.com und auch Alibaba derzeit eine Logistikinfrastruktur für den europäischen Markt. Alibaba baue bereits ein Drehkreuz im belgischen Lüttich. Zudem entstehe über den Logistikpartner 4p Express ein Versandlager in der Nähe von Prag, von dem aus der deutsche Markt bedient werden solle. Offiziell dementiere Alibaba jedoch weiterhin jegliche Ambitionen in Deutschland.

Olaf Rotax, E-Commerce-Berater bei Accenture, gehe davon aus, dass die chinesischen Online-Händler den deutschen Markt über Akquisitionen erschließen werden. Infrage kämen neben Händlern wie Zalando oder Otto auch Logistiker wie DHL. Gegenüber dem Handelsblatt schloss JD.com-Chef Liu zudem eine Firmenübernahme nicht aus. Eine gute Chance werde sein Unternehmen ergreifen.

Alibaba arbeitet an globalem Shopping-Netzwerk

Jack Ma, Gründer von Chinas größtem Online-Händler Alibaba, soll zudem den Aufbau eines globalen Netzwerks planen, das es erlaubt, innerhalb von maximal 72 Stunden Waren in jeden Winkel der Welt zu liefern. Dafür werde Alibaba in den kommenden fünf Jahren 13 Milliarden Euro in den Ausbau seines Logistiknetzes investieren.

Der Online-Handel in China unterscheidet sich jedoch vom Online-Handel in Deutschland. JD.com kooperiert beispielsweise mit dem sozialen Netzwerk WeChat seines Großaktionärs Tencent. Daten aus WeChat erlauben es JD.com Kunden individuelle Angebote zu unterbreiten. Dank der Bezahlfunktion von WeChat können Nutzer auch direkt über den Dienst einkaufen.

Alibaba wiederum, dessen Konzept eher Ebay ähnelt, verknüpft laut Handelsblatt seine Shoppingplattform Tmall mit seinem Bezahldienst Alipay. Die daraus resultierende hohe Verbreitung des Bezahldiensts in China sei sogar schon hierzulande zu spüren. So akzeptierten beispielsweise die Drogeriekette Rossman und auch das Kaufhaus Ludwig Beck hierzulande Alipay, um chinesische Touristen besser bedienen zu können.

JD.com sieht einen Markteintritt in Deutschland auch als positives Signal für deutsche Verbraucher. Mit Hinblick auf Amazon sagte CEO Liu, es sei „nicht gut, wenn ein einzelner Anbieter den Markt“ kontrolliere. „Je mehr Wettbewerb es gibt, desto besser ist das für die Konsumenten und Produzenten.“

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Stefan Beiersmann @beiersmann

Stefan unterstützt seit 2006 als Freier Mitarbeiter die ZDNet-Redaktion. Wenn andere noch schlafen, sichtet er bereits die Nachrichtenlage, sodass die ersten News des Tages meistens von ihm stammen.

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