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Amazon entwickelt angeblich Heim-Roboter

Schon vor Jahren hat Amazon mit der geheimen Entwicklung eines Heim-Roboters begonnen und seine Anstrengungen jetzt massiv ausgeweitet. Bloomberg berichtet von aggressiv verstärkten Stellenangeboten für Positionen wie Robotik-Softwareentwickler in Amazons Entwicklungsabteilung Lab 126. Dort entstanden erfolgreiche Geräte wie die Fire-TV-Streamingboxen und die Echo-Lautsprechersysteme – aber auch das schnell wieder vergessene Fire Phone.

Der Roboter wird demnach unter dem Codenamen Vesta entwickelt, inspiriert von der römischen Göttin von Heim und Herd. Laut Informanten, die über die Pläne unterrichtet wurden, plant Amazon noch in diesem Jahr eine erste Erprobung von Robotern durch Mitarbeiter in ihrem Zuhause. Eine Auslieferung an Verbraucher ist schon für 2019 angedacht, könnte sich aber verschieben. Auch gab es im Lab 126 bereits Hardwareprojekte, die während ihrer Entwicklungsphase eingestellt wurden. Ein Amazon-Sprecher wollte das Vesta-Projekt nicht bestätigen und erklärte nur, das Unternehmen kommentiere keine „Gerüchte und Spekulationen“.

Die Prototypen sollen über leistungsfähige Kameras sowie Software für Computervision verfügen und sich ähnlich einem selbstfahrenden Auto durch Wohnräume bewegen. Als verantwortlicher Entwicklungsleiter für Computervision wird der frühere Apple-Manager Max Paley genannt. Amazon soll außerdem spezialisierte Maschinenbau-Ingenieure aus der Robotik-Branche abgeworben haben.

Das Vesta-Projekt hat offenbar nichts mit Amazon Robotics zu tun, einer Tochterfirma im US-Bundesstaat Massachusetts und Deutschland, die aus der Übernahme von Kiva Systems für 775 Millionen Dollar im Jahr 2012 hervorging. Die Kiva-Technik nutzt Amazon vielmehr intensiv für die Automatisierung seiner Lager, was Berichten zufolge wesentlich zu seinen Angeboten für Lieferungen am selben oder Folgetag beiträgt. Die Lager-Roboter erhöhen die Produktivität, indem sie bestellte Produkte direkt zu den Mitarbeitern bringen, die sie dann auswählen, einpacken und versandfertig machen. Dabei werden Regale durch relativ flache, orangefarbene Roboter bewegt, die sie aufnehmen und absetzen können.

Die Aufgaben aber, die ein Vesta-Roboter erfüllen soll, sind noch weitgehend unklar. Mit dem Projekt vertraute Informanten spekulieren darüber, dass es sich um so etwas wie eine mobile Sprachassistentin Alexa handeln könnte, die ihre Besitzer durch die Wohnung begleitet. Der Roboter könnte vielleicht auch einfache Aufgaben im Haushalt erledigen oder Menschen einfach nur Gesellschaft leisten.

„Häusliche Roboter sind gar kein so riesiger Sprung für Amazon“, kommentiert ZDNet.com-Autor Larry Dignan. „Es ist einfach so, dass Amazon Alexa einen Körper gibt.“ Alexa gebe den Robotern eine Stimme, ein Kontrollzentrum, eine Benutzerschnittstelle.

Dignan vermutet zusätzliche Chancen im Gesundheitswesen, in der Enterprise-Kollaboration und natürlich im Bereich von E-Commerce. Mit dem Alexa-Ökosystem und Amazon Web Services habe Amazon die besten Voraussetzungen für erfolgreiche Roboter – ein stimmiges Hardware-Design vorausgesetzt. Dazu komme Amazons wiederholt bewiesene Bereitschaft, eigene Hardware stark zu subventionieren.

[mit Material von Larry Dignan, ZDNet.com]

Bernd Kling

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