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Telegram-Verbot: Russland blockiert Millionen IP-Adressen

Die russische Medienaufsicht Roskomnadsor hat Millionen von IP-Adressen blockiert, um die am Freitag angekündigte Sperre der Messaging-App Telegram durchzusetzen. Von der immer umfangreicheren Blockade sind IP-Adressen betroffen, die zur Cloud-Infrastruktur von Amazon und Google gehören, was als Kollateralschaden andere Online-Services beeinträchtigt oder unerreichbar macht.

Telegram war es über das Wochenende gelungen, die auf Antrag der Regierung von einem russischen Gericht verfügten Maßnahmen ins Leere laufen zu lassen, indem es die Dienste von Amazon Web Services sowie Google Cloud in Anspruch nahm. Darauf wiederum reagierte Roskomnadsor, als Aufsichtsbehörde zuständig für Massenmedien, Telekommunikation und Datenschutz, mit einer immer ausufernderen Blockade von IP-Adressen. Bleeping Computer zählte am Montag bereits knapp zwei Millionen – und am heutigen Dienstag schon über 16 Millionen in Russland blockierte IP-Adressen. Die aktuell betroffenen IP-Blöcke sind bei GitHub einzusehen.

Die verfügte Sperre sollte Telegram zur Offenlegung seiner Verschlüsselung gegenüber dem russischen Geheimdienst FSB zwingen, der die Nutzung der App durch Terroristen behauptete. Telegram-Gründer Pavel Durov bezeichnete die Sperre jedoch als verfassungswidrig, da sie das Recht russischer Bürger auf private Kommunikation verletze. Er versprach den Nutzern, sie bei der weiteren Nutzung des Dienstes zu unterstützen.

Wirkung zeigte die Blockade offenbar nicht bei Telegram, aber dafür beim konkurrierenden Messaging-Dienst Viber, der Probleme seiner Nutzer durch „Verbindungsprobleme zu Amazon Web Services in Russland“ meldete. In Mitleidenschaft gezogen wurden außerdem die Online-Spiele Guild Wars sowie World of Warships mit Log-in-Problemen ihrer Nutzer. Viele Teilnehmer des Social Networks Odnoklassniki konnten keine neuen Postings veröffentlichen.

Nach Medienberichten betraf das IP-Sperrfeuer selbst russische Online-Zeitungen und zwei größere Mobilfunkanbieter. Die russische Medienaufsicht will dafür jedoch nicht verantwortlich sein. Die BBC zitiert aus einer Stellungnahme von Roskomnadzor, die Berichte über von ihr verursachte Ausfälle als „fehlerhaft“ bezeichnete.

Doch selbst die millionenfache IP-Blockade der Behörde konnte die Erreichbarkeit von Telegram nicht verhindern, wie zahlreiche Twitter-Nutzer spöttisch meldeten. „Aber das Witzigste bei diesem Schlammassel ist, dass Telegram noch immer funktioniert, ohne VPN oder Proxy zu nutzen …“ berichtete etwa eine russische Nutzerin. Sie lobte Telegram als besten Messenger der Welt, der zudem in Russland geschaffen wurde.

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Bernd Kling

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