Mozillas Umsatz stagniert nach jahrelangem Wachstum

Nach einem deutlichen Anstieg in den vergangenen vier Jahren hat sich Mozillas Umsatzwachstum im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich verlangsamt. Für 2013 meldet der Entwickler des Firefox-Browsers und des Mobilbetriebssystems Firefox OS lediglich ein Einnahmenplus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 314 Millionen Dollar. 2012 lag das Wachstum noch bei 90 Prozent und in den drei Vorjahren zwischen 18 und 33 Prozent.

Mozillas jährliches Umsatzwachstum hat sich zuletzt von 90 auf 1 Prozent abgeschwächt (Diagramm: Stephen Shankland/CNET).

Gleichzeitig stiegen die Ausgaben der Organisation durch gesteigerte Investitionen in seine Produkte um 40 Prozent, wie aus dem jüngsten Finanzbericht (PDF) hervorgeht. Der betriebliche Cash Flow halbierte sich nahezu von 70,3 Millionen Dollar im Jahr 2012 auf 36,9 Millionen Dollar 2013.

Rund 90 Prozent seines Umsatzes stammte Mozilla zufolge aus der jetzt aufgekündigten Suchpartnerschaft mit Google. Damit lag der Anteil genauso hoch wie 2012. Im Rahmen des Abkommens erhielt es Geld von Google für den durch Firefox-Nutzer verursachten Such-Traffic, der wiederum Werbeeinnahmen generierte.

Künftig wird Mozilla aber stattdessen mit Yahoo zusammenarbeiten, wie es am Mittwoch bekannt gab. Ab Dezember ersetzt Yahoo in den USA Google als Standardsuchmaschine in Firefox. Das Abkommen läuft zunächst fünf Jahre. In Russland und China setzt Mozilla ebenfalls auf lokale Anbieter. In Europa bleibt Google die Standardsuche.

Mozilla hat eine ungewöhnliche Organisationsstruktur. An sich ist es in Form der Mozilla Foundation eine Non-Profit-Organisation. Doch der kommerzielle Arm Mozilla Corp, der die Einnahmen aus dem Suchabkommen erhält, ist für Produktentwicklung und Marketing zuständig. Mozilla-Chairwoman Mitchell Baker sprach kürzlich ausdrücklich von Mozillas Finanzvermögen: „Wir vertrauen auch weiterhin ganz auf unsere Stabilität und Wirtschaftlichkeit.“

Mit seinen Finanzen stehen und fallen auch Mozillas Möglichkeiten, sein Ziel zu verfolgen, das Web offen zu halten und Nutzern die Kontrolle über ihre Online-Aktivitäten zu geben. Mit dem Start von Firefox 1.0 vor fast exakt zehn Jahren wollte es die Dominanz von Microsofts Internet Explorer durchbrechen. Jetzt widmet es seine Aufmerksamkeit verstärkt proprietären Mobilbetriebssystemen, deren Apps das offene Web umgehen und die Nutzer durch die Kombination von Diensten, persönlichen Daten und Medienverkäufe in ein geschlossenes Ökosystem zwingen. „Eine Gemeinsamkeit von iOS und Android ist, dass sie Gefängnisse sind. Sie erscheinen zunächst wunderbar, doch wenn man sich erst einmal in diese Ökosysteme begeben hat, ist man wirklich darin gefangen“, sagte Mozillas Chief Technology Officer Andreas Gal im November.

[mit Material von Stephen Shankland, News.com]

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Björn Greif

Björn kam nach seinem Magisterstudium und Ausflügen in den Sportjournalismus 2006 als Volontär zu ZDNet. Im Anschluss wurde er Redakteur und hat mehr als 12.600 Nachrichten zu tagesaktuellen Themen verfasst, mit Schwerpunkt auf Business, Hardware und Mobile.

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